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  • Dieter Klöckners Abschied von der politischen Bühne

    Vallendar. In den nächsten Wochen endet eine bemerkenswerte politische Karriere: Dieter Klöckner (67) aus Vallendar begibt sich in den "Politik-Ruhestand" - ohne Groll und mit vielen privaten Plänen.

    Eingerahmt von Bildern seiner Familie und seines Idols Willy Brandt sitzt Dieter Klöckner am Schreibtisch seines Wahlkreisbüros in der Vallendarer Löhrstraße. In den nächsten Wochen verabschiedet sich Klöckner nun nach und nach von der politischen Bühne.
    Eingerahmt von Bildern seiner Familie und seines Idols Willy Brandt sitzt Dieter Klöckner am Schreibtisch seines Wahlkreisbüros in der Vallendarer Löhrstraße. In den nächsten Wochen verabschiedet sich Klöckner nun nach und nach von der politischen Bühne.
    Foto: Winfried Scholz

    Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

    Der Landtagsabgeordnete Dieter Klöckner (67), SPD-Urgestein aus Vallendar, verlässt in diesen Wochen die politische Bühne. Im November hat der gelernte Bankkaufmann, der später als Verwaltungsangestellter beschäftigt war, nach 26 Jahren den Vorsitz im Ortsverein abgegeben. Im Januar folgt der Vorsitz in der SPD-Stadtratsfraktion, den er seit 1998 bekleidet. Dann legt er auch als dienstältestes Ratsmitglied nach 39 Jahren sein Mandat im Vallendarer Kommunalparlament nieder. Und am 17. Mai ist schließlich nach drei Wahlperioden sein letzter Tag im Mainzer Landtag.

    Klöckner hat seinen Rückzug bewusst geplant. Er will mehr Zeit für Privates und vor allem seine Familie haben: „Meine Frau Christel hat mich jahrzehntelang unterstützt. Da will ich nun etwas zurückgeben“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

    Die SPD, deren Mitglied er 1967 wurde, war und bleibt seine zweite Familie. Klöckner sieht seine gesellschaftliche Verortung auf vier Säulen: der SPD, der Gewerkschaft Verdi, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und den Naturfreunden. Unermüdlich hat er für die Partei Mitglieder geworben, insgesamt mehr als 500. Als bundesweit erfolgreichster Werber wurde er dafür mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet, die ihm Frank-Walter Steinmeier und Kurt Beck überreichten. Klöckner ist stolz, dass sein Ortsverein mit gut 300 Mitgliedern bei einer breit gestreuten Sozialstruktur an zweiter Stelle in Rheinland-Pfalz steht.

    Dass nicht alle von ihm Geworbenen bei der Stange geblieben sind, bekümmert ihn weniger als die heutige Politikverdrossenheit, die niedrige Wahlbeteiligung und der Rückzug vieler ins Private, worunter auch Vereine leiden. So haben zum Beispiel heute alle Parteien in Deutschland zusammen weniger Mitglieder als die SPD in den 70er-Jahren. Klöckner mahnt: „Für die Demokratie, die für uns selbstverständlich ist, müssen Menschen in anderen Ländern kämpfen und begeben sich dabei sogar in Lebensgefahr.“

    Ein Beispiel für seine Ideen, sein Organisationstalent und seinen Pragmatismus war die von ihm erfundene Juso-Weihnachtsbaumaktion zugunsten sozial schwacher Mitbürger Ende der 60er- bis Anfang der 70er-Jahre. Der Förster stellte für eine Mark pro laufenden Meter die Bäume zur Verfügung, ein CDU-Stadtratsmitglied seinen Lkw, und vom Erlös wurden Päckchen für Bedürftige gepackt.

    Bei aller Verwurzelung am Heimatort entwickelte sich früh sein Hang zum Kosmopolitischen und daraus später die Vorliebe für Migrations- und Integrationspolitik. Schon als Schüler hatte Klöckner in vielen Ländern Brieffreunde, aus denen bis heute Freundschaften geblieben sind. Seine erste Frau ist Inderin, aus dieser Ehe stammen zwei Töchter und drei Enkel. In den 90er-Jahren organisierte er die multikulturellen Feste der Vallendarer SPD. Für den Landtag gehörte er dem Ausschuss der Regionen mit Vertretern aus allen 28 EU-Staaten an. Er ist Ruanda-Beauftragter der Landtagsfraktion und Mitglied des Landesvorstands für die Partnerschaft Ruanda-Rheinland-Pfalz.

    Seine kaum zu übersehende Leidenschaft für Gaumengenüsse nutzte Klöckner auch zu illustren Tafelrunden, aus denen dann neue politische Ideen entstanden. Als Abgeordneter setzte er sich besonders für die Weiterentwicklung der beiden Vallendarer Hochschulen ein. Gern blickt er auch auf viele Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten zurück, woraus zahlreiche Freundschaften auch über Parteigrenzen hinweg erwuchsen.

    Hat ein „Politikjunkie“ wie Klöckner demnächst Entzugserscheinungen? Er falle nicht in ein schwarzes Loch, sagt er: „Neben der Familie mit nun je zwei Patchwork-Söhnen und -enkeln gibt es noch viele ungelesene Bücher und für den Reisefan noch zahlreiche weiße Flecken auf dem Globus.“ Als „Restdroge“ behält er noch den Vorsitz im AWO-Ortsverein, der täglich rund 50 Bürger mit Essen auf Rädern versorgt.

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