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  • Die Welt in Koblenz willkommen heißen: Gästeführer suchen Nachwuchs

    Koblenz. Sie sind Botschafter der Stadt Koblenz, für viele Touristen sogar das Gesicht der Stadt - jetzt brauchen die Gästeführer Nachwuchs.

    Gästeführer wie Hartmut Hager geben Koblenz ein Gesicht und sind für Touristen der erste Kontakt zu einer Stadt – jetzt sollen es mehr werden.
    Gästeführer wie Hartmut Hager geben Koblenz ein Gesicht und sind für Touristen der erste Kontakt zu einer Stadt – jetzt sollen es mehr werden.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserer Reporterin Melanie Schröder

    Den anderen immer einen Schritt voraus zu sein, gehört zum Berufskodex von Hartmut Hager. Er ist stets eine Viertelstunde vor der verabredeten Zeit da. Sein Blick schweift über den Jesuitenplatz, seine Augen fahnden nach der Person, die etwas über den Alltag eines Gästeführers erfahren will. Normalerweise nimmt er deutsch- oder englischsprachige Gruppen in Empfang, heute aber hat er sich auf eine Privatführung vorbereitet. Der Grund: In Kooperation mit der Koblenz-Touristik hat Hartmut Hager vom Verein Koblenzer Gästeführer angeregt, neue Fremdenführer auszubilden. Mitte November soll es losgehen, an die 20 Menschen haben sich inzwischen angemeldet. Anlass genug einmal genauer hinzuschauen und zu fragen: Wie bewegt sich ein Touristenführer durch die Stadt, in der wir alle ganz alltäglichen Dingen nachgehen, und was braucht es zum perfekten Stadtführer?

    Geschichten lauern überall

    Eins wird bei einem Spaziergang mit Hager sofort deutlich: Jedes Eckchen hat eine Geschichte. Obwohl er schon im elften Jahr historische Fakten, baugeschichtliche Details und bunte Anekdötchen vor seinen Gästen referiert, widmet er sich dieser Routine ohne Ermüdungserscheinungen. Hager kniet vor dem Schängelbrunnen und verweist auf die lausbübischen Darstellungen des Stadtmaskottchens, dann schleicht er auf leisen Sohlen zum Altar der Liebfrauenkirche und erklärt in ruhigem Flüsterton, was es mit der Gestaltung der Kirchenfenster auf sich hat. Und auch er, der schon jedes Denkmal zigmal gesehen hat, entdeckt noch immer neue Dinge. Mit Entzücken stellt er fest, dass Koblenz einen römischen Trevi-Brunnen besitzt – auf dem Grund des Brunnens am Entenpfuhl glänzen mit allerlei Wünschen besetzte Münzen.

    Vermutlich ist das eine der zentralen Fähigkeiten, die es zum Fremdenführer braucht: Begeisterungsfähigkeit. Hager ist einer von derzeit rund 60 aktiven Fremdenführern und formuliert es selbst so: „Man muss mit offenen Augen durch die Stadt gehen, nicht nur historisch bewandert sein, sondern sich auch immer fortbilden. Das Wichtigste ist jedoch, offen für Menschen aus der ganzen Welt zu sein.“

    Seit der Bundesgartenschau im Jahr 2011 werden in Koblenz jährlich zwischen 3500 und 4000 Gästeführungen veranstaltet. Dass diese Aufgabe mit einer großen Verantwortung verbunden ist, benennt Jochen Benekenstein-Schultheiß von der Koblenz-Touristik sehr deutlich: „Ohne den unermüdlichen Einsatz der Gästeführer für ihre Stadt, wäre der touristische Erfolg der vergangenen Jahre nicht möglich gewesen.“

    Auch wenn es ein wenig pathetisch klingen mag, für Hager sind er und seine Kollegen nicht weniger als die Botschafter einer Stadt. Sie geben Koblenz ein Gesicht, sind für Urlauber häufig der erste Kontakt mit der Bevölkerung. „Und im Zweifelsfall entscheiden sie auch darüber, ob Touristen wieder nach Koblenz kommen.“

    Gespür für Feinheiten

    Diese Arbeit ist aber keineswegs eine einseitige Angelegenheit, bei der ausschließlich Willkommenskultur und Stadtgeschichte von A zu B transportiert werden. Jeder Fremdenführer braucht auch ein hohes Maß an Feingefühl. Wie geht es der Gruppe, sind die Gäste motiviert oder nicht, woran sind sie interessiert, was könnten Fettnäpfchen sein – das ist nur ein Bruchteil der Fragen, die Hager bei seinen Begegnungen im Hinterkopf hat. Und manchmal muss das Gespür für Stimmungen sogar bis in die Tiefenpsychologie reichen.

    Zum Beispiel wenn Hager mit britischen Reisegruppen unterwegs ist. Er mag die Englänger gern, nicht nur weil Künstler der Insel das Bild der Rheinromantik seit Ende des 18. Jahrhunderts wesentlich mitgestalteten, sondern auch wegen ihres urigen Humors. Doch in den vergangenen Monaten hat sich etwas verändert. Konnte Hager die Europaflagge am Deutschen Eck bislang immer als Ausgangspunkt für angeregte Unterhaltungen nutzen, handelt er dieses Thema heute nur noch kurz ab. Seit dem Brexit, dem britischen Ausstieg aus der Europäischen Union, gibt es weniger sensible Dinge, von denen seine Gäste erfahren wollen.

    Dann erzählt er lieber Geschichtchen rund um das städtische Leben, die bei allen Touristen beliebt sind. Wie die der etwas raubeinigen, aber liebenswerten Pfefferminzje, die auf den Karnevalstischen tanzte, als gäbe es kein Morgen oder die des Grimassen schneidenden Augenrollers am Florinsmarkt. Eine Lieblingsgeschichte oder einen Lieblingsplatz hat Hager nicht. Ihm liegt von Berufswegen jeder Fleck der Altstadt am Herzen. Beste Voraussetzung also mit dieser Begeisterung eine neue Generation der Botschafter anzustecken, die dringend gebraucht wird: „Wir müssen unsere Altersstruktur verjüngen und damit fangen wir jetzt an.“

    Infos zur Ausbildung zum Gästeführer gibt es per E-Mail an hartmuthager@t-online.de

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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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