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  • Asylbewerber in Koblenz: Das Leben auf engstem Raum ist schwierig

    Koblenz. Weit mehr als 100 Asylbewerber wohnen in Koblenz derzeit noch in Übergangswohnungen, und dass es bald erheblich weniger sein könnten, ist nicht abzusehen. 

    Foto: dos

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Denn nahezu täglich kommen weitere Flüchtlinge, während gleichzeitig die Zahl derer, die in eine eigene Wohnung umziehen, geringer wird - der Wohnungsmarkt ist nahezu verstopft. Und das Wohnheim, das in den Räumen des alten Betriebshofs eingerichtet werden soll, ist noch in der Planungsphase.

    Zwischen Nachbarn, Vermietern und Bewohnern läuft es nicht immer reibungslos. Vorwürfe gibt es von allen Seiten: "Die müllen alles zu", sagen manche Nachbarn über die Asylbewerber. Und tatsächlich finden sich oft kleinere oder größere Berge von Kleidung und Möbeln neben den Häusern, in denen viele Flüchtlinge untergebracht sind - im Stadtgebiet sind es vielleicht eine gute Handvoll. "Die machen alles kaputt", sagen manche Vermieter, wenn sie wieder einmal Möbel austauschen müssen. "Die kümmern sich um nichts", sagen manche Asylbewerber Richtung Vermieter, wenn sie mit kaputten Duschen und Schränken und in oft sehr beengten Verhältnissen leben müssen. "Die kassieren nur die Miete", geht der Vorwurf dann gern weiter.

    Ein Beispiel ist die Tränke in Bisholder, wobei es hier eigentlich ganz gut läuft, sagt Werner Junker, beim Sozialamt der Stadt zuständig für Asylangelegenheiten. Und: "Wir wissen, dass es immer mal wieder Konflikte gibt, aber wir sind froh über jeden, der diese Durchgangswohnungen vermietet. Wir brauchen sie einfach."

    Fotos, die vor einiger Zeit in anderen Wohnungen gemacht wurden, vermitteln zum Teil einen erheblich schlechteren Eindruck. Das Haus in Bisholder dagegen ist im Moment recht sauber, ebenfalls das Grundstück. "Und das war schon vor ein paar Tagen so, das ist nicht eigens für die Presse", lacht Jutta Lange vom Runden Tisch Asyl Güls/Bisholder beim Treffen am Haus. Andere aus der Initiative sind überhaupt nicht dafür, dass über die Situation berichtet wird. "Das verhärtet doch die Fronten nur." Doch die jungen Eritreer, von denen einige gerade vom Sprachkurs im Ort kommen, öffnen bereitwillig ihre Türen. Auch, um zu zeigen, was alles kaputt ist im Haus. "Die Waschmaschine", zeigt ein 18-Jähriger, der schon ziemlich gut Deutsch spricht. "Und die Dusche." "Aber das hat nicht Mario kaputtgemacht", entgegnet Jutta Lange. Mario, das ist der Vermieter.

    Während die Bewohner häufig der Ansicht sind, dass er für alle Reparaturen zuständig ist, sieht er das ganz anders: "Wenn Ihnen eine Glühbirne kaputt geht, rufen Sie auch nicht nachts um 11 den Vermieter an, sondern kümmern sich selbst drum", sagt er im Gespräch mit der RZ. "Ich muss alle paar Monate renovieren, weil so viel kaputtgemacht wird", ergänzt er und nennt ein anderes Beispiel: Die Schränke in den Zimmern hat er an den Wänden verankert, damit sie stabil stehen - "und dann wird ein Kühlschrank vom Sperrmüll geholt, der Schrank rausgerissen und der Kühlschrank hingestellt." Zugegeben, die Miete, die er vom Sozialamt bekommt (bis zu 260 Euro pro Person), sei nicht niedrig. Aber dafür habe er auch enorme Nebenkosten: "Die heizen alle wie verrückt und verbrauchen viel Strom, weil jeder allein vor sich hin kocht." Jutta Lange bestätigt das im Prinzip: "Man muss immer wieder erklären, dass nicht die Heizung auf fünf laufen kann und das Fenster dabei sperrangelweit offen ist."

    Ursache für die Probleme sind aber aus Sicht des Runden Tisches vor allem die vielen Menschen, die auf allerengstem Raum zusammenwohnen. Das sieht auch einer der jungen Männer in Bisholder so, der ganz gut Englisch spricht. "Too much people, zu viele Menschen hier", sagt er sinngemäß. Und die sind sich längst nicht alle grün - wie auch. 13 junge Eritreer sind im Moment hier, dazu drei Syrer und zwei Ägypter. "Ich mache mir Essen, mache sauber. Andere machen Essen, gehen ins Bett", beschreibt einer der Bewohner. Und wenn der Dritte kommt und die Küche schon dreckig vorfindet, sieht er selbst keine Veranlassung zu putzen.

    Die Schäden in der Eingangstür zeugen davon, dass der Streit manchmal auch handfest wird. Da hat einer gegengetreten, zeigt einer der jungen Männer mit einer Geste, und dann ist auch in Kopfhöhe die Scheibe gesprungen, als sei jemand dagegengestoßen (worden). Die Männer zucken mit den Schultern.

    "Wenigstens müsste ein paar Stunden in der Woche eine Art Sozialarbeiter hier sein. Die Bevölkerung bemüht sich sehr um Integration, ist damit allein aber überfordert", sagt Jutta Lange. Beim Rundgang durchs Haus hat sie sich noch einmal alles zeigen lassen. Einiges kann sie sofort beheben. Denn sie hat zum Beispiel jede Menge Glühbirnen in allen Größen und Formen dabei. Keine Leiter da? Kein Problem: Die jungen Eritreer heben einen aus ihrer Mitte hoch, der dann an die Decke kommt. Wenn es nur immer so einfach wäre.

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