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  • Prozess: Angeklagter ködert seine Opfer im Internet

    Limburg/Villmar. Schwere Anschuldigungen werden gegen einen jungen Villmarer erhoben: Er soll sich mindestens drei Minderjährige mit Drohungen und Alkohol, gegebenenfalls auch Drogen, sexuell gefügig gemacht haben. Seit dieser Woche wird am Landgericht verhandelt.

    Wegen übergriffigem Verhalten gegenüber Minderjährigen steht ein Villmarer vor Gericht, hier mit Verteidiger Burkhard Kirchhoff.  Foto: Malte Glotz
    Wegen übergriffigem Verhalten gegenüber Minderjährigen steht ein Villmarer vor Gericht, hier mit Verteidiger Burkhard Kirchhoff.
    Foto: Malte Glotz

    Die Erste Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Marco Schneider musste schon vor der Verlesung der Anklageschrift entscheiden, ob der gesamte Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wird - und entschied sich dagegen. Verteidiger Burkhard Kirchhoff hatte dies beantragt und als Begründung auch den Schutz der mutmaßlichen Opfer ins Feld geführt. Die Nebenklagevertreterinnen jedoch widersprachen dem Ansinnen der Verteidigung, Staatsanwalt Manuel Jung führte ins Feld, dass der Ausschluss der Öffentlichkeit maßgeblich dem Opfer-, nicht dem Täterschutz dienen solle. So entschied dann auch die Kammer.

    Insgesamt sieht sich der 21-jährige Student aus einem Villmarer Ortsteil 16 Anklagepunkten ausgesetzt. Keinen streitet er komplett ab, einen großen Teil gibt er sogar zu. Unter anderem wird ihm zur Last gelegt, fünf Foto- oder Videodateien besessen zu haben, auf denen Minderjährige sich in sexuell aufreizenden Posen präsentieren - vier von ihnen hatte die Staatsanwaltschaft identifiziert, eine bleibt vorerst unbekannt.

    Es zeigen sich bei diesen Fällen die Tücken der modernen Kommunikation und Anbahnung zwischen jungen Männern und Frauen: Der Angeklagte, viel im Netz aktiv und auf der Suche nach weiblichen Kontakten, erklärte, er habe mit den Mädchen im Internet kommuniziert. Nur eine junge Dame habe er auch persönlich gekannt. Nach einigen Gesprächen sei man persönlicher, irgendwann auch sexueller geworden. Irgendwann habe man sich dann gegenseitig Bilder oder Videos geschickt.

    An sieben weitere Videos diverser Mädchen mit deutlich expliziterem Inhalt ist er auf weniger "harmlose" Weise gekommen. Die Filme entstanden in seinem Zimmer und zeigen laut Anklageschrift ihn beim Sex mit den jungen Frauen. Gefilmt wurde, so räumte er ein, mit einer Kamera, die halb versteckt auf einem Regal stand. "Ja, das war so", erklärte er - den Mädchen habe er vor dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr nichts über die Aufzeichnung gesagt. Die Sexualpartnerinnen, so erläuterte er, seien seiner Kenntnis nach zwischen 15 und 19 Jahren alt gewesen - die Fälle liegen rund dreieinhalb Jahre zurück.

    Drei angeklagte Taten im Grenzbereich zwischen Missbrauch und Vergewaltigung standen am ersten Verhandlungstag aber im Vordergrund. In den Sommermonaten 2015 soll der Mann drei Mädchen sexuell missbraucht oder vergewaltigt haben, so sieht es die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte spricht jeweils von einvernehmlichem Verkehr.

    Im Juni kam es laut Staatsanwalt Jung zu einem Treffen mit einer 14-jährigen Limburgerin. Man trank gemeinsam Whisky in der Eppenau. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dem Alkohol auch eine Droge, wohl Ecstasy, beigemischt gewesen sei. Der Angeklagte sagte jedoch: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt sedierende Mittel besessen oder eingesetzt." Im Verlaufe des Abends kommt es zu Küssen und Petting, aus seiner Sicht einvernehmlich bis zum Samenerguss. In der Anklageschrift ist jedoch ein Fluchtversuch vermerkt, und dass der junge Mann das Mädchen fing und durch sein Gewicht fixierte.

    Am nächsten Tag sei es dann zum Sex im Zimmer des Angeklagten gekommen. Laut Anklage erreichte er dies, indem er drohte, sonst den Eltern des Mädchens und ihrem eigentlichen "Schwarm" vom Vortag zu berichten. Seine Version klingt anders: Ihr eigentlicher "Schwarm" habe als Liebesbeweis gefordert, dass das Mädchen mit einem weiteren Freund schlafe und dies filme. Der Angeklagte habe das Mädchen zu diesem Mann fahren sollen - und wollte als Gegenleistung selbst Sex mit der Minderjährigen. "Ich war eifersüchtig", sagte er und erklärte, gedroht habe er nur für den Fall, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle. Das habe sie aber getan - er filmte den Akt.

    Zu einem Treffen mit einer heute 18-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Loreley kam es, so sehen es beide Seiten, im August 2015. Schon ein Jahr zuvor habe man per Facebook und Whatsapp Kontakt gehabt - an einem Abend in den Sommerferien traf man sich dann. Im Auto fuhren die beiden demnach nach Nastätten zum Waldschwimmbad. Auf dem Parkplatz wurde getrunken.

    Das Mädchen hat als Einzige bereits ausgesagt und erklärt: "Ich habe da plötzlich einen Filmriss." Aufgewacht sei sie am Morgen in ihrem Bett, habe Schmerzen und ein ungutes Gefühl gehabt. Erst als ein Polizist deutlich später bei ihr auftauchte, ihr ein Foto zeigte, auf dem sie "wie weg" ausgesehen habe, habe sich ein Bild zusammenzufügen begonnen.

    Der Angeklagte sage, man habe Sex gehabt: an der Beifahrertür, auf der Motorhaube, vaginal und anal. Er habe das auch gefilmt - daher das spätere Foto. Als es dem Mädchen alkoholbedingt zusehends schlechter ging, habe er sie heimgefahren und in den Hausflur gelegt, wo die Mutter sie am Morgen auf dem Weg zur Arbeit entdeckte.

    Der Fall, der die Ermittlungen ins Rollen brachte, ereignete sich anderthalb Wochen später. Eine damals 14-jährige Facebook- Bekanntschaft soll er ebenfalls in der Eppenau betrunken gemacht und dann mit ihr geschlafen haben - laut Staatsanwaltschaft wieder unter Zuhilfenahme von Drogen. Als sie nicht weitertrinken wollte, habe er gewaltsam nachgeholfen, sagte Staatsanwalt Jung - das bestritt der Angeklagte. Seiner Erzählung nach ging die sexuelle Initiative von ihr aus, als sie im Auto auf ihn kletterte. Außerhalb des Autos habe man dann den Akt vollzogen - filmend.

    Doch auch sie habe zu viel getrunken. Sie erbrach sich vor dem Auto, worauf er sie habe heimfahren wollen. Am Limburger Kino wurde ihr erneut übel - sie öffnete die Tür und erbrach sich. Passanten eilten zu Hilfe, ein Rettungswagen kam, und im Krankenhaus nahm sich die Polizei des Mannes und seines Autos an. Verräterisches Handeln sah der Staatsanwalt darin, dass der Angeklagte im Krankenhaus das Handyvideo löschte und ebenso den gemeinsamen Chatverlauf - Letzteren auf ihrem Handy. Malte Glotz

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