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  • Polizistenmordprozess: Die vierten Plädoyers stehen an

    Limburg/Herborn. Im Polizistenmordprozess hat der Staatsanwalt bereits zum dritten Mal ein Plädoyer gehalten. Und es war nicht das letzte, denn der Verteidiger des Angeklagten stellte weitere Anträge. Das Landgericht Limburg setzt die Beweisaufnahme fort.

    Staatsanwalt Dominik Mies (links) und Nebenklageanwalt Jochen Hentschel: "Das ist Prozessverschleppung."  Foto: Jörgen Linker
    Staatsanwalt Dominik Mies (links) und Nebenklageanwalt Jochen Hentschel: "Das ist Prozessverschleppung."
    Foto: Jörgen Linker

    Das Vorgehen von Strafverteidiger Dr. Torsten Fuchs sorgte für Unmut bei Staatsanwalt Dominik Mies. Er sprach von Prozessverschleppung. Das sieht Rechtsanwalt Jochen Hentschel genauso. Er vertritt in dem Prozess die Interessen der Nebenkläger, der Hinterbliebenen des an Heiligabend am Herborner Bahnhof getöteten Polizisten sowie des damals schwer verletzten Polizeibeamten. Und es sorgte auch bei den Zuschauern im Gerichtssaal in Limburg für Unmut. Als der Verteidiger die weiteren Beweisanträge ankündigte, setzte hörbares Murren ein. Der an Heiligabend schwer verletzte Polizeibeamte schimpfte und verließ wütend den Zuschauerraum.

    Fuchs will noch einen weiteren Zeugen hören, einen Verantwortlichen eines Dillenburger Sportvereins. Bei diesem Verein hatte der wegen Mordes angeklagte 28-jährige Dillenburger in der Vergangenheit - nach Verurteilungen wegen Körperverletzungen - Bewährungsstunden ableisten müssen. Und angeblich sei er dort dreimal betrunken erschienen und deshalb sofort wieder nach Hause geschickt worden.

    Was der Verteidiger mit dieser Zeugenaussage will? Er will deutlich machen, dass sein Mandant Alkoholprobleme hat, und im Falle einer Haftstrafe eine Therapie für seinen Mandanten herausholen. Fuchs stellte noch sechs weitere Anträge, jeweils sollen die Protokolle von polizeilichen Zeugenvernehmungen verlesen werden. Dazu Staatsanwalt Mies: "Wir haben diese Zeugen umfassend vor Gericht vernommen." Die Gelegenheit, alle Fragen zu stellen und Informationen zu erhalten, habe bereits unmittelbar im Gerichtssaal bestanden. Das Gericht sah zwar auch das Problem einer möglichen Prozessverschleppung, gab den Anträgen dennoch statt. Und Richter Andreas Janisch verkündete: "Wir treten wieder in die Beweisaufnahme ein." Zuvor hatten Mies, Hentschel und Fuchs plädiert. Für Mies und Hentschel waren es die dritten Plädoyers, für Fuchs das zweite. Mies sagte in seinem Plädoyer: "Schlussvortrag, die Dritte. Nach 21 Verhandlungstagen. Ich hoffe, dass es der letzte ist." Und Hentschel lobte seinen Berufskollegen Fuchs - nicht für die Anträge, aber für dessen sonstige Arbeit: "Der Verteidiger hat einen ganz hervorragenden Job gemacht. Aber er kann nicht aus einem X ein U machen, und er kann aus einem Saulus keinen Paulus machen."

    Verteidiger Fuchs versuchte, den Angeklagten als glaubwürdig und die Aussagen von Belastungszeugen als nicht glaubhaft darzustellen. Es ging dabei um folgende Aussagen:

    Der an Heiligabend schwer verletzte Beamte hatte berichtet, der Angeklagte habe am Tatort "Selbst schuld, ihr Arschlöcher" gesagt.

    Eine Krankenschwester aus der JVA Kassel, dort war der an Heiligabend angeschossene Dillenburger behandelt worden, hatte als Zeugin berichtet, der Angeklagte habe ihr gegenüber beim Verbandswechsel gesagt: "Die Scheißbullen, die haben es doch verdient. Wenn mich ein Bulle angreift, mache ich ihn platt."

    Und eine Bekannte des Angeklagten hatte auf einer Haftentlassungsparty des Angeklagten gehört, dass er irgendwann mal einen Polizisten abstechen wolle und dort zustechen wolle, wo Schutzwesten nicht schützen.

    Für Staatsanwalt Mies und Rechtsanwalt Hentschel waren diese Aussagen jedoch glaubhaft. Im Übrigen blieben alle Beteiligten bei ihren Forderungen. Staatsanwalt und Nebenklage fordern für den 28 Jahre alten Dillenburger lebenslange Haft wegen Mordes. Der Verteidiger fordert, seinen Mandanten vom Mordvorwurf freizusprechen, da er sich von den Polizisten angegriffen gefühlt und in Notwehr gehandelt habe. Vor diesen Plädoyers hatte Richter Andreas Janisch gesagt: "Wir wären damit aus unserer Sicht wieder am Ende der Beweisaufnahme." Jörgen Linker

    Der Prozess wird am Montag, 5. Dezember, um 9 Uhr vor dem Limburger Landgericht mit der Beweisaufnahme fortgesetzt. Dann soll ein Zeuge gehört werden und Protokolle von mehreren Zeugenvernehmungen verlesen werden.

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