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    LimburgNach 49 Jahren Ehe: Mann erschlägt seine pflegebedürftige Frau

    Das Limburger Landgericht hat einen 75 Jahre alten Mann wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt.

    So weit liegen Staatsanwaltschaft und Landgericht beim Strafmaß selten auseinander. Nachdem der Vertreter der Anklage gegen einen 75-jährigen Rentner wegen Mordes eine lebenslange Haft gefordert hatte, verhängte die Schwurgerichtskammer eine siebenjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags und folgte damit dem Antrag der Verteidigung. Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Revision zulässig.

    Auf der Anklagebank saß ein Rentner aus dem Lahn-Dill-Kreis. Nach Feststellungen des Gerichts hatte er am 16./17. Oktober vergangenen Jahres seine pflegebedürftige Ehefrau in ihrem Wohnhaus durch massive Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass die 69-Jährige an den Folgen verstarb. Ihr Körper wies eine Vielzahl Hämatome auf. Nach der Tat hatte der Rentner seine tote Frau vom Boden aufgehoben und ins Bett gelegt, den Hausarzt verständigt und gesagt, er habe sie dort tot aufgefunden.

    Dem Mediziner und der Polizei erklärte er, dass die Frau zuvor mehrmals gestürzt sei. Doch diese Verletzungen, da waren sich die Mediziner einig, konnten nicht durch Stürze entstanden sein. Der Ehemann, der 49 Jahre mit seiner Frau verheiratet war, hatte zwar vereinzelte Schläge zugegeben, wenn sie nicht tat, was er sagte.

    Vor Gericht machte er zu dem Tatgeschehen allerdings keine Angaben. Staatsanwalt Dominik Mies sah zwei Mordmerkmale erfüllt: niedrige Beweggründe und Habgier. Er zeigte sich in seinem Plädoyer davon überzeugt, dass der Rentner seine Frau nicht mehr pflegen wollte, um ein befreites, eigenes Leben führen zu können. Für ihn, der bereits mit seiner Frau seine Eltern gepflegt habe, sei sie ein Störfaktor gewesen. „Dabei wäre es bei seinem Vermögen für ihn ein leichtes gewesen, seine Frau ins Pflegeheim zu geben oder sich einer Pflegekraft oder Haushaltshilfe zu bedienen.“

    Das alles habe er abgelehnt, weil er zu geizig gewesen sei. Einige Monate vor der Tat habe er seinem Sohn 400 000 Euro gegeben und noch 257 000 Euro Erspartes auf dem Konto gehabt. Der Angeklagte habe nie geäußert, mit der Pflege überfordert zu sein. Sollte das Gericht zu der Auffassung eines Totschlags gelangen, so müsse das Urteil wegen eines besonders schweren Fall des Totschlags lebenslänglich ausfallen.

    Mitnichten, sagte das Gericht. Mordmerkmale lägen nicht vor. Der nicht vorbestrafte Angeklagte, der mit seiner Frau ein sozial angepasstes Leben führte, sei mit der Situation total überfordert gewesen. Zuerst habe er den kranken Vater gepflegt und bis ins Frühjahr 2014 seine betagte Mutter, die jetzt im Pflegeheim lebe. „Er wollte sich nicht seiner Frau entledigen, die an Hüftarthrose, einer beginnenden Parkinson-Erkrankung, Diabetes und Juckreiz litt und ihn durch ihre Eigenheiten nervte“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter. Die Frau habe nicht in ein Pflegeheim gewollt. Die Sparsamkeit sei eine Akzentuierung, die von seiner Frau geteilt worden sei. Die Situation war für ihn nicht mehr beherrschbar gewesen“, begründete die Vorsitzende die Absage der Kammer an die vom Staatsanwalt herausgearbeiteten Mordmerkmale. flu

    Diez
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