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    Limburg/HerbornMordprozess: Verteidigung lässt Plädoyers platzen

    Murren im Zuschauerraum, Kopfschütteln bei Staatsanwalt und Nebenklage: Der Verteidiger des wegen Mordes an einem Herborner Polizisten angeklagten Dillenburgers hat durch wiederholte Anträge die für Freitag geplanten Plädoyers platzen lassen.

    Verteidiger Torsten Fuchs - hier im Gespräch mit dem Mandanten - verhindert den Beginn der Plädoyers.  Foto: Linker
    Verteidiger Torsten Fuchs - hier im Gespräch mit dem Mandanten - verhindert den Beginn der Plädoyers.
    Foto: Linker

    Der Fahrplan im Prozess um den getöteten Herborner Polizisten schien klar: am Freitag Plädoyers von Staatsanwalt Dominik Mies und Nebenklage-Anwalt Jochen Hentschel, am Montag dann das Plädoyer von Verteidiger Torsten Fuchs. Am 8. November hätte dann die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Andreas Janisch das Urteil fällen können.

    Hätte - denn Fuchs schaffte es, diesen Ablauf durcheinanderzubringen. Noch regulär verliefen die Aussagen der letzten geladenen Zeugen. Der Pflegedienstleiter und der Stationsleiter des Kasseler Justizvollzugs-Krankenhauses sollten Aussagen machen zum Verhalten des Angeklagten während der Behandlung seiner Schusswunden.

    Der Mann war angeschossen worden, als er an Heiligabend 2015 mit zwei Polizisten in einem Regionalzug im Herborner Bahnhof kämpfte. Der heute 28-Jährige griff bei diesem Kampf zum Messer, stach auf beide Beamte ein. Einer verstarb am Unfallort, der zweite überlebte nur durch die rasche Behandlung im Krankenhaus. Wiederholt waren im Prozess Zeugen zu hören, die behaupteten, der Angeklagte habe diese Tat angekündigt oder sich ihrer gerühmt.

    Letzteres hatte auch eine Krankenschwester berichtet. Ihr Pflegedienstleiter berichtete vor Gericht, auch ihm habe sie das erzählt. Darüber hinaus seien ihm aber keine negativen Berichte über das Betragen des Angeklagten zu Ohren gekommen. Auch der Stationsleiter erklärte, der Gefangene habe sich ihm gegenüber stets korrekt verhalten. Gespräche zur Tat habe er rasch abgeblockt. Ihm gegenüber sei nicht geprahlt worden, er habe das auch von anderen Kollegen nicht gehört. Wohl aber habe der Angeklagte einmalig von "Notwehr" gesprochen.

    Fuchs nahm das zum Anlass, die Ladung neuer Zeugen zu beantragen. Allesamt Kollegen der soeben gehörten Männer wie der Krankenschwester, sollten sie bezeugen, dass sie über den angeblichen Plan der Ermordung eines Polizisten nichts gehört hatten. Die Zeugen sollten, so Fuchs, die Angaben der Krankenpflegerin als unglaubhaft belegen.

    Nach knapp anderthalb Stunden Bedenkzeit wies die Kammer Fuchs' Antrag zurück. Der stellte daraufhin neue Anträge. So bat er darum, dass die Sekunde des Betretens des Zuges durch den später zu Tode gekommenen Beamten in Einzelbildern aufgeschlüsselt erneut in Augenschein genommen und von einem Sachverständigen beurteilt werde. Dieser solle bezeugen, dass der Angeklagte nicht in Angriffshaltung auf den Polizeibeamten gewartet habe. Unter dem Kopfschütteln von Staatsanwalt Dominik Mies sagte Fuchs: "Erst die Betrachtung der Einzelbilder erlaubt es, sich auf mehrere Situationen gleichzeitig zu konzentrieren." Darüber hinaus solle ein weiteres Gutachten zeigen, dass die beiden Polizeibeamten gegen Einsatzrichtlinien verstießen. Insbesondere die Eigensicherung sei mangelhaft, erklärte Fuchs. Nebenklage-Anwalt Jochen Hentschel wies dies scharf zurück: Diese Frage sei für die Urteilsfindung unerheblich, ihre Klärung schmerze aber die Angehörigen.

    Schließlich sprang Fuchs in eine frühe Phase des Verfahrens und beantragte die erneute Ladung der einstigen Bewährungshelferin des Angeklagten. Sie ist auch Bewährungshelferin jener Frau, die zuerst von den Plänen eines Polizistenmordes gehört haben will. Fuchs sah Widersprüche in den Aussagen der Bewährungshelferin und der im Juli hochschwangeren und unter Tränen aussagenden Frau.

    Mies, der noch am Morgen von einem Plädoyer ausgegangen war, musste sich da schon beherrschen. Die Anträge stünden in keinem Zusammenhang zu den an diesem Tag gehörten Zeugen, sagte er. Sie hätten früher gestellt werden müssen, warf er Fuchs indirekt taktischen Umgang mit Anträgen vor. Bei dem nächsten Antrag von Fuchs sagte Mies das dann auch laut: "Dieser Antrag zielt ersichtlich darauf ab, das Verfahren zu verschleppen." Fuchs wollte auch die mittlerweile entbundene Zeugin erneut laden - zusammen mit ihrem Lebensgefährten, der gegenteilig ausgesagt hatte. Beide sollten vor Gericht gegenübergestellt werden, forderte er.

    Die Kammer lehnte dies ab, kam der Verteidigung aber in weiteren Punkten entgegen. Die Standbilder der Überwachungskamera wurden - ohne Sachverständigen - am Richtertisch in Augenschein genommen. Auch die Bewährungshelferin wurde spontan geladen und gehört. Neues konnte sie nicht beitragen.

    Schließlich wollte Janisch auch die polizeilichen Einsatzempfehlungen prüfen lassen. Diese sind allerdings Interna, weshalb die Kammer am Nachmittag eine Anfrage an das Hessische Innenministerium richten musste. Das reagierte, Janisch legte die zur Situation passenden Auszüge vor. Als Fuchs dann beantragte, die gesamte Vorschrift zu bekommen, zog Janisch die Reißleine. Das sei an diesem Nachmittag nicht mehr zu entscheiden. Fuchs solle doch prüfen, wohin dieser Antrag führen solle, sagte der Richter und sorgte für einen Paukenschlag: "Was ich Ihnen gegeben habe, zeigt doch, dass die Kontrolle nicht entsprechend der Richtlinien vorgenommen wurde." Malte Glotz

    Fortgesetzt wird der Prozess am Montag, 31. Oktober, ab 9 Uhr. Janisch rechnet dann - erneut - mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage.

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