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    DiezMassenweise Waren im Internet bestellt und nicht bezahlt: Haftstrafe für notorischen Betrüger

    Ein 41-jähriger Mann aus der Verbandsgemeinde Hahnstätten ist wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 71 Fällen vom Schöffengericht in Diez zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Gericht unter Vorsitz von Alexandra Müller-Reinhard sah es als erwiesen an, dass der Mann in allen Fällen Waren über das Internet bestellt hat, ohne sie bezahlen zu können und zu wollen. Der Schaden summiert sich auf mehrere Zehntausend Euro.

    Foto: Orlando Florin R

    Diez - Ein 41-jähriger Mann aus der Verbandsgemeinde Hahnstätten ist wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 71 Fällen vom Schöffengericht in Diez zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Gericht unter Vorsitz von Alexandra Müller-Reinhard sah es als erwiesen an, dass der Mann in allen Fällen Waren über das Internet bestellt hat, ohne sie bezahlen zu können und zu wollen. Der Schaden summiert sich auf mehrere Zehntausend Euro.

    Bis vor sechs Jahren war der Angeklagte strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten – danach aber landete er immer wieder vor Gericht und hat mittlerweile 15 Vorstrafen aufzuweisen. Immer wieder kam es seit 2006 zu Betrügereien und Urkundenfälschungen, Verurteilungen an Gerichten in Darmstadt, Diez, Neuwied, Frankfurt und Limburg folgten. Höhepunkt der kriminellen Karriere sind die jetzt angeklagten 71 Betrugsfälle, wobei der 41-Jährige während der Taten noch unter zweifach laufender Bewährung stand. Seit seiner Festnahme durch die Polizei sitzt er in Untersuchungshaft.
    Die Beziehung zu einer Frau war nach Angabe des Angeklagten Ursache dafür, dass er während seiner Zeit bei der Bundeswehr erstmals straffällig wurde. Als Zeitsoldat hatte er sich für zwölf Jahre verpflichtet, erschien während einer Ausbildungsphase nicht zum Unterricht und kam deshalb mit dem Gesetz in Konflikt. Zweimal wurde er wegen eigenmächtiger Abwesenheit von der Truppe verurteilt.
    Der 41-Jährige attestiert sich selbst eine Kaufsucht. Auch eine sechswöchige stationäre Therapie kam zu diesem Ergebnis; nicht so Dr. Gerhard Buchholz, der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter. Dieser hatte während der U-Haft zwei Mal mit dem Angeklagten gesprochen und keine derartige Störung festgestellt, sondern bei dem Angeklagten eine eher „ängstlich vermeidende Komponente“ entdeckt. Der 41-Jährige sei sehr intelligent, habe aber ein wenig ausgeprägtes Selbstbewusstsein und negatives Selbstbild. Der Angeklagte neige dazu, sich selbst krank zu reden. Das sei sein Erklärungsmodell, er müsse aber beginnen, für sich und seine Handlungen Verantwortung zu übernehmen. Der Sachverständige sieht eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, darum riet er dringend dazu, eine vom Amtsgericht Diez verfügte Betreuung des hoch verschuldeten 41-Jährigen durch den Vater auf eine andere Person mit Grundkenntnissen im Insolvenzrecht zu übertragen, „damit der Konflikt aus der Familie herausgenommen wird“.
    Die 71 Betrugstaten zulasten verschiedenster Versandfirmen räumte der Angeklagte in vollem Umfang ein. Innerhalb weniger Monate hatte der Mann zwischen Juli 2011 und Februar 2012 Schuhe, Hosen, Jacken, Uhren, Handys, Kameras, Notebooks, Parfum, eine Espressomaschine und verschiedene andere Waren über das Internet geordert. Besonders infam: Er bestellte die Artikel zunächst auf den Namen eines Nachbarn und gaukelte diesem vor, nur die Lieferadresse angegeben zu haben. Der Mann blieb auf den Rechnungen sitzen. Anschließend benutzte er den Namen seiner Freundin und richtete dafür sogar eine eigens gefälschte E-Mail-Adresse ein, die den Anschein erweckte, als sei es tatsächlich die Frau, die die Waren bestellte. Zu schlechter Letzt benutzte er gar den Namen seiner Mutter für die Internetbestellungen, während sich diese im Krankenhaus und einer anschließenden Reha-Maßnahme befand.
    Der Staatsanwalt brauchte zu Beginn der Sitzung etwa eine Viertelstunde, um alle Anklagepunkte im Detail zu verlesen. Zwei Mal war die Polizei bei dem Angeklagten zu Hause und stellte beim zweiten Besuch elf Säcke mit ergaunerten Waren sicher. „Das Kaufen gibt mir in dem Moment Glücksgefühle. Dann fühle ich mich wertiger“, beschrieb der Angeklagte seine Motivation. Er habe die Sachen einfach besitzen wollen, vieles davon habe er gar nicht gebraucht, einen großen Teil der Kleidung, die er bestellte, gar nicht getragen. „Das hat überhaupt keinen Sinn gehabt, ich habe meine Mutter betrogen und belogen, das ist eigentlich unfassbar“, sagte der 41-Jährige. Hans Georg Egenolf

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