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  • Geldstrafe für einen Limburger „Zellforscher"

    Limburg. Wegen dreifachen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz hat das Limburger Amtsgericht einen 49-jährigen Mann zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 20 Euro, mithin 1.200 Euro, verurteilt.

    Der Angeklagte, der sich als Medizin Biokybernetiker und Zellforscher bezeichnet und in Limburg eine gewerbsmäßige Praxis betreibt, war von einer Patientin angezeigt worden, die 300 Euro gezahlt hatte, ohne einen Erfolg verspürt zu haben. Die heute 26-jährige Ergotherapeutin hatte sich auf Empfehlung ihrer besten Freundin 2011 wegen Verdauungs- und Orgasmusproblemen in die Behandlung des gelernen Zimmermanns und Biokybernetiker begeben.

    Dieser hatte nach einer Anamnese Untersuchungen vorgenommen, eine Diagnose gestellt und technische Mittel eingesetzt sowie mit der Verabreichung von Salben, Tropfen und einem homöopathischen Mittel eine Therapie eingeleitet. Zudem hatte er die Brüste der jungen Frau mit Laserstrahlen behandelt und ihr dabei leichte Verbrennungen an den Brustwarzen zugefügt. Die Zeugin sagte, der Mann habe die kreisförmigen Bewegungen mit dem Lasergerät auf Brust und Bauch mit Körperpunkten begründet, die per Laserstrahlen aktiviert würden; sodann verspüre man ein Kribbeln im Bauch.

    „Und, haben sie ein kribbeln verspürt?", wollte der Amtsrichter Dr. Karlheinz Schmidt von der Zeugin wissen. „Nein, ich habe nichts gespürt, hatte nur kleine braune Flecken, etwa halb so groß wie ein Ein-Cent-Stück", antwortete die 26-Jährige. Auf die Frage der Patientin, was das denn sei, die Flecken habe sie doch vorher nicht gehabt, habe der Behandler geantwortet: „Das sind Muttermale, die kommen und gehen." Diese Flecken habe sie auch auf den Brustwarzen gehabt, berichtete die Frau. Da diese nicht schmerzhaft und die unliebsamen Spuren nach zwei bis drei Tagen verschwunden waren, sah das Gericht den zusätzlich erhobenen Vorwurf der Körperverletzung nicht bestätigt und hat den Angeklagten davon freigesprochen.

    Den Ausschlag für die Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz hatte der vom Gericht hinzugezogene Amtsarzt Dr. Willibald Haberer gegeben, der als Sachverständiger die Tätigkeiten des Angeklagten als berufsmäßige Ausübung der Heilkunde bezeichnete, zu der er nicht befugt sei. Wie das Gericht feststellte, war die besagte Patientin nicht die einzige in dieser Praxis. Das ergebe sich aus dem regen E-Mail-Verkehr in seinem von der Polizei sichergestellten Computer. Auch die Wohnung des Mannes war nach Beweismittel durchsucht worden. In den Gerichtsakten befand sich ein Schriftstück, wonach sich die Freundin der geschröpften Patientin (ebenso Ergotherapeutin) mit 9.500 Euro an der von dem Zellforscher betriebenen Entwicklung eines Krebsheilmittels beteiligt habe. Von dem erwirtschafteten Gewinn sollte sie sieben Prozent erhalten. Tatsächlich hatte der Angeklagte 2010 eine eidesstattliche Versicherung wegen seiner Schulden abgegeben. In der Buchführung über seine Praxistätigkeit waren höhere Ausgaben und nur geringfügige Einnahmen vermerkt. Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 1.600 Euro gefordert, weil sie den Angeklagten auch wegen fahrlässiger Körperverletzung überführt sah. Dem kam das Gericht ebenso nicht nach wie dem vom Verteidiger geforderten Freispruch. Er argumentierte unter anderem, die Anzeigenerstatterin hätte mit ihrem Grundwissen als Ergotherapeutin der Behandlung unterzogen und sei nicht geschädigt worden. Ihr Lebensgefährte habe das Verfahren gegen seinen Mandanten betrieben. Der Anwalt sprach in diesem Zusammenhang von einer konspirativen Tätigkeit. flu

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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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