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    AltendiezFlüchtlingskindern ein Stück Hoffnung geben: Fotografin Alea Horst dokumentiert Arbeit im Trauma-Kindergarten in Jordanien

    Im Januar dieses Jahres bricht Alea Horst, eigentlich Hochzeits- und Familienfotografin aus Altendiez, spontan zu einem Hilfseinsatz auf die griechische Insel Lesbos auf. Sie verfolgt dort das Drama um die fliehenden Menschen und will helfen. Mit erschütternden Bildern kehrt sie in ihre Heimat zurück. Es sind zwei Wochen, die ihr Leben veränderten.

    Bilder, die Hoffnung geben, aufgenommen im Trauma-Kindergarten von Vision Hope in Karak, im Süden von Jordanien. Mit Aufnahmen wie diesen will Alea Horst die Menschen aufrütteln, damit sie verstehen, wie es um die Situation der Flüchtlinge in den Krisengebieten der Welt bestellt ist.
    Bilder, die Hoffnung geben, aufgenommen im Trauma-Kindergarten von Vision Hope in Karak, im Süden von Jordanien. Mit Aufnahmen wie diesen will Alea Horst die Menschen aufrütteln, damit sie verstehen, wie es um die Situation der Flüchtlinge in den Krisengebieten der Welt bestellt ist.
    Foto: privat

    "Wir Deutsche haben keine Vorstellung, wie es den Flüchtlingen in ihren Länder ergeht. Das möchte ich weiter dokumentieren und das Leid, das Elend aber auch den Alltag der Flüchtlinge der Welt vor Augen führen", sagt Alea Horst, im Gespräch mit unserer Zeitung.

    Alea Horst plant mit ihren Bildern aus Jordanien wieder Ausstellungen. Ab 15. Dezember bis zum 21. Januar sind Aufnahmen im Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus zu sehen. Weitere Ausstellungen sind in Planung. „Ich habe gemerkt, dass die Vorträge und Ausstellungen über Lesbos auf viel Resonanz stießen und geholfen haben, zu sensibilisieren. Daher will ich auch die neuen Bilder und Erlebnisse veröffentlichen“, betont Alea Horst.

    Anlass für dieses Gespräch ist ein weiterer Auslandsaufenthalt. Und genauso spontan, wie sie im Januar nach Lesbos aufbricht, macht sie sich im Oktober auf den Weg nach Jordanien. Zuvor sieht sie im Fernsehen Bilder vom Flüchtlingscamp Zataari in Jordanien und kann die Situation dort kaum begreifen: 80 000 Syrer leben in einer Zeltstadt mitten im Wüstenland Jordanien, unweit der syrischen Grenze. "Zataari ist nicht das einzige Camp in Jordanien, mehr als 1,5 Millionen Palästinenser, eine Million Syrer, viele Irakis und auch Eritreer kommen in das kleine Land Jordanien, um dort Schutz zu suchen", berichtet Alea Horst. Auf der Landkarte sieht für sie das Land Jordanien wie eine friedliche Insel aus, umgeben von Krisengebieten.

    Die Altendiezer Fotografin Alea Horst erstellte im Oktober eine Dokumentation über die Arbeit in einem jordanischen Kindergarten, in dem syrische Flüchtlingskinder und einheimische Kinder betreut werden.
    Die Altendiezer Fotografin Alea Horst erstellte im Oktober eine Dokumentation über die Arbeit in einem jordanischen Kindergarten, in dem syrische Flüchtlingskinder und einheimische Kinder betreut werden.
    Foto: privat

    Auch in Zukunft möchte Alea Horst internationale Hilfseinsätze begleiten: „Ich halte in meinem Jahresterminplan zwei Korridore frei, um für so engagierte Hilfsorganisationen wie Vision Hope zu arbeiten.“ Die Hilfe vor Ort sei einfach zu wichtig und müsse unterstützt werden, so die 34-Jährige. Die Fotos der lachenden Flüchtlingskinder in von ihr dokumentierten Kindergärten in Jordanien geben ihr Recht. Trotz der Flucht vor Krieg und der extrem schwierigen Lebensbedingungen, geben Institutionen wie Vision Hope der jungen Generation Hoffnung und sind ein Lichtblick für deren Zukunft. Für Alea Horst selbst ist die Arbeit in der Flüchtlingshilfe, sei es im Diezer Willkommenskreis, in Griechenland oder in Jordanien eine echte Bereicherung: „Der Perspektivwechsel hat mir geholfen eigene Ängste und Vorurteile abzubauen und fremde Kulturen und Probleme besser zu verstehen. Und das, obwohl ich mit viel Leid konfrontiert werde und mit ansehen muss, dass noch so viel getan werden muss.

    Nachdem sie sich im Januar nach Griechenland aufmacht, um Flüchtlinge bei der Ankunft mit Schlauchbooten zu versorgen, schließt sie sich im Oktober ehrenamtlich der deutschen Hilfsorganisation Vision Hope an und arbeitet in Traumakindergärten in Karak im Süden des Landes sowie auch nahe der syrischen Grenze im Ort Manshia bei Mafrak.

    Die Organisation bringt syrische Flüchtlingskinder, die auf dem Land in ärmsten Verhältnissen aufwachsen müssen, mit jordanischen Kindern zusammen. Die Jungen und Mädchen bekommen in den Kindergärten bereits Vorschulunterricht, damit sie einen Zugang zur Bildung erhalten. "In den jordanischen Schulen gibt es zu wenig Plätze, und so werden die syrischen Kinder oft nur am Nachmittag für zwei Stunden oder gar nicht unterrichtet", teilt Alea Horst mit. Sie führt für die Vision-Hope-Hilfsorganisation Interviews mit Familien und befragt sie nach ihrer aktuellen Situation. Sie erfährt die Schicksalsschläge, sieht Bilder von vermissten Familienangehörigen, sieht wie die Menschen sich in Jordanien eingelebt haben, zwei bis drei Jahre nach ihrer Flucht. Alea Horst hört zu, wie Kinder beim Spielen noch von ihren Kriegserlebnissen erzählen, wie schwer es für die Eltern ist eine Arbeit zu finden, hört die Sorgen um Angehörige, die noch in Syrien zurückgeblieben sind, und wird Zeuge mangelnder Grundversorgung vieler Flüchtlingsfamilien.

    "Da sitzt man mit einem Familienvater im Wohnzimmer, der mir erzählt, dass er nur eines seiner Kinder in die Schule schickt. Nicht seine Töchter, aber seinen Sohn. Ich verspüre einen Hauch von Skepsis, doch dann erzählt er mir bei Tee und Kuchen seine Geschichte, berichtet von den Wünschen und Träumen, die er eigentlich für seine Kinder hat. Nach und nach beginne ich die schicksalhaften Entscheidungen zu verstehen", erinnert sie sich an ein eindrucksvolles Gespräch, das in ihr haften bleibt. Beim anschließenden Fotografieren der heruntergekommenen Wohnung bekommt sie dann den vollen Eindruck der Lebensumstände. Sie gesteht sich die Perspektivlosigkeit der Menschen ein: "Man verlässt den Raum und ist nicht mehr die Person, die man anfangs war."

    Aber nicht nur die Flüchtlingsfamilien befragt und fotografiert die Altendiezerin, sondern sie hat Jordanien auch aus einem anderen Grund als Reiseland ausgewählt. Jordanien selbst hat keine Bodenschätze, ist relativ klein und stemmt trotzdem eine riesige Flüchtlingslast. Die Jordanier protestieren auch, doch hält sich ihr Protest in Grenzen. "Auf die Frage, warum die Jordanier denn nicht ihre Grenzen schließen, wo doch nun die Preise auf dem Wohnungsmarkt explodieren, die Jobchancen schwerer werden, die ganze Gesellschaft mehr teilen muss, erhalte ich vielerorts die gleiche Antwort: ,Weil doch in den anderen Ländern Krieg ist.'"

    • Mehr Informationen über Vision Hope gibt es im Internet auf der Seite www.vision.hope.org
    • Eindrücke aus Jordanien sind auch auf der Internetseite der Fotografin  www.aleahorst.de zu finden.
    • Eindrücke von der Arbeit im Kindergarten hat Alea Horst auch als Videos zusammengestellt: [Video1] und [Video2]

    Von unserem Redakteur Uli Pohl

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