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    DiezDie Angst vor der Großpfarrei geht um

    Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist bei seiner Visitation des Pastoralen Raumes Diez mit erheblichen Bedenken und Ängsten der Gläubigen gegenüber der Bildung von Großpfarreien konfrontiert worden.

    Von Weihrauch umnebelt: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst segnet die Gläubigen in der Herz-Jesu-Kirche in Diez am Ende eines Pontifikalamtes. Im Anschluss musste er sich mit kritischen Stimmen zur geplanten Fusion von Pfarrgemeinden auseinandersetzen. Foto: Hans Georg Egenolf
    Von Weihrauch umnebelt: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst segnet die Gläubigen in der Herz-Jesu-Kirche in Diez am Ende eines Pontifikalamtes. Im Anschluss musste er sich mit kritischen Stimmen zur geplanten Fusion von Pfarrgemeinden auseinandersetzen.
    Foto: Hans Georg Egenolf

    Diez - Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist bei seiner Visitation des Pastoralen Raumes Diez mit erheblichen Bedenken und Ängsten der Gläubigen gegenüber der Bildung von Großpfarreien konfrontiert worden.

    Mitglieder der Pfarrgemeinderäte aus Diez, Balduinstein und Holzappel, den drei zum Pastoralen Raum gehörenden Pfarrgemeinden, formulierten am Montagabend im Gespräch mit dem Bischof sehr anschaulich ihre Befürchtungen. Tebartz-van Elst seinerseits schilderte nochmals die Ausgangslage, die das Bistum nach seiner Einschätzung – vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung und einer zunehmenden Säkularisierung (Verweltlichung) der Gesellschaft – dazu zwinge, sich bistumsweit künftig auf 45 sogenannte Pfarreien neuen Typs zu konzentrieren. In diesem Jahr nimmt der Bischof bei seiner Visitation den Bezirk Limburg unter die Lupe, zu dem der Pastorale Raum Diez gehört. Über dessen neuen Zuschnitt wird im nächsten Jahr entschieden; im Gespräch ist ein Zusammenschluss mit dem Pastoralen Raum Katzenelnbogen, zu dem auch die Gemeinden in Zollhaus und Pohl zählen.
    Mit einem sehr eindringlichen Appell hat Stephan Hien, Vorsitzender des Pastoralausschusses, dem Bischof deutlich gemacht, welche – durchaus auch sehr grundsätzliche – Fragen sich die Gläubigen in Diez, Balduinstein und Holzappel stellen. Ihm persönlich, aber auch anderen sehr engagierten Gemeindemitgliedern habe sich im Vorfeld der Visitation der demotivierende Eindruck aufgedrängt, es sei schon alles entschieden. „Im Prozess der Erneuerung erleben wir uns als nicht ernst genommene mündige Laien“, sagte Hien. Er fragt sich, inwieweit im Prozess der Neugestaltung der Gemeinden wirklich alle Optionen kreativ und ergebnisoffen mit den Betroffenen erörtert worden sind. „Vielleicht wäre die Stärkung der Gemeinden vor Ort mit zukunftsweisenden Konzepten auch eine Antwort auf den Priestermangel und die Bedeutungsabnahme der Kirchen“, so Hien. Der Vorsitzende des Pastoralausschusses formulierte den im Pastoralen Raum verbreiteten Eindruck, „dass die Einheit der Kirche zwischen denen da oben und denen da unten auseinanderbricht. Vieles, was für die Kirchenleitung ein Problem darstellt, ist für die Christen in ihren gemeindlichen Vollzügen oftmals kein Problem mehr“. Im Zusammenhang mit dem vom Bischof initiierten Projekt Bereitschaft zu Bewegung als Grundlage der Gemeindeerneuerung mache sich das Gefühl breit, „dass sich die Laien zu bewegen haben, die Kirchenleitung aber auf ihren Positionen weiterbeharrt und sie nicht einmal infrage stellt“. Die Gemeindereform erscheine den Laien nicht als Bereicherung, sondern nur als Verwaltung eines Mangels. Stephan Hien: „In unseren Augen wäre es fatal, wenn Kirchenleitung und Kirchenvolk nicht mehr die gleiche Sprache sprechen würden und sich damit gegenseitig nicht mehr verstehen, denn die Kirche lebt nun mal von und als Gemeinschaft.“ Hien machte außerdem auf die Diskrepanz zwischen der Lebenswelt gerade junger Menschen in einer pluralistischen Gesellschaft einerseits und der Kirche andererseits aufmerksam, einer Organisation, die Demokratie, Mitsprache, Gleichberechtigung, Toleranz, Kritikfähigkeit und die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe vielfach vermissen lasse. Laut Stephan Hien geht in den Gemeinden des Pastoralen Raumes Diez die Sorge um, „dass die Entscheidung zu Großpfarreien die Glaubensweitergabe und das Glaubensleben erheblich erschwert“.
    Was es bedeutet, wenn kein Pfarrer mehr vor Ort ist, wird im Pastoralen Raum schon seit einigen Jahren in Holzappel deutlich. Dort beschränkt sich das Gemeindeleben mittlerweile gerade noch auf den Sonntagsgottesdienst, machten Anne Meffert und Eva Schüller deutlich, die aber ausdrücklich die Offenheit der Herz-Jesu-Gemeinde in Diez lobten, in der sie sich gut aufgenommen und sehr wohl fühlten. Für die Pfarrgemeinde in Balduinstein machte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Christiane Schupp auf ein lebendiges Gemeindeleben aufmerksam. „Kirche und kirchliches Leben vor Ort sind uns wichtig, denn sie geben unseren Familien Heimat“, sagte Schupp. Demgegenüber stellte Stefanie Wirges die große Sorge der Balduinsteiner dar, die den Verlust eines hauptamtlichen Priesters vor Ort befürchten und mit der Bildung der Großpfarrei die Angst mit dem „totalen Ausverkauf“ ihrer Gemeinde verbinden. Wirges: „Wir befürchten, dass es uns wie Holzappel ergeht und es zu einer Konzentration der Aktivitäten in Diez kommt.“

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