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    Birlenbach/HaifaBirlenbacherin verbringt Weihnachten im Heiligen Land

    Maryse Pott aus Birlenbach hat im Frühjahr am Sophie-Hedwig-Gymnasium in Diez ihr Abitur gemacht, kurz danach ist die 20-Jährige nach Israel aufgebrochen und absolviert mit der Organisation „Dienste in Israel“ einen Freiwilligendienst in einem Altenheim in Haifa. Maryse Pott hat ihre Eindrücke vom Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern beschrieben, jetzt steht Weihnachten vor der Tür, das Fest des Friedens.

    Birlenbach/Haifa - Maryse Pott aus Birlenbach hat im Frühjahr am Sophie-Hedwig-Gymnasium in Diez ihr Abitur gemacht, kurz danach ist die 20-Jährige nach Israel aufgebrochen und absolviert mit der Organisation „Dienste in Israel“ einen Freiwilligendienst in einem Altenheim in Haifa. Maryse Pott hat ihre Eindrücke vom Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern beschrieben, jetzt steht Weihnachten vor der Tür, das Fest des Friedens.

    Aber im Heiligen Land schwelt der Konflikt zwischen den Volksgruppen weiter. Wie die Birlenbacherin die Tage vor Weihnachten erlebt, berichtet sie in diesem Beitrag:
    „Am 20. November wird die Waffenruhe im Gaza-Krieg ausgerufen. Einen Tag später, beim zweiten Versuch, wird sie tatsächlich von beiden Seiten eingehalten, und eine Woche später spricht schon kaum jemand mehr darüber. ,Das ist Israel', sagt ein Bekannter und zuckt mit den Schultern. Den einzigen Rat, den er meiner Mitbewohnerin und mir nach dem Busanschlag in Tel Aviv mit auf den Weg gibt, lautet: ,Wenn ihr irgendwo ein einsames Gepäckstück herumstehen seht, dann rennt! Anschläge können auch in Haifa passieren.' Und dann erzählt er uns weiter von seinem Asien-Trip.
    Es ist generell faszinierend, wie die Menschen hier mit der Daueranspannung umgehen, denn so richtig ruhig ist es in Israel nie. Auch jetzt wissen alle, dass der Waffenstillstand nicht für immer andauern wird, und mit dem geplanten Bau von 30 000 Wohneinheiten im palästinensischen Gebiet macht sich Israel international momentan ebenfalls nicht gerade Freunde.
    Aber die Leute haben ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. Vergangenen Samstag unterhalten wir uns zum Beispiel mit drei jungen Israelis. Irgendwann kommen wir auf das Thema Armee, und der eine scherzt, dass sein Freund Moshe (Name geändert) etwas ,ganz Besonderes' sei. Er habe nämlich zehn Finger. Bis mir auffällt, worüber die Israelis so schallend lachen, hat Moshe schon fast ,Eigentlich ist es gar nicht lustig.' gesagt. Und Moshe hat Recht, es ist nicht lustig. Er ist nämlich Minenräumer, und da sind zehn Finger an zwei Händen nicht selbstverständlich. ,Wenn wir nicht darüber lachen könnten, würde es uns richtig dreckig gehen', verteidigt sich sein Freund und die anderen stimmen ihm zu. ,Also machen wir Witze über alles.' Diese Einstellung erscheint mir typisch israelisch.
    Uns fällt auf, dass wir alle um die 20 Jahre alt sind und so grundverschiedene Leben führen. Und die jungen Israelis, die alle Militärdienst leisten müssen, beneiden uns ein bisschen wehmütig um unsere Freiheit. Die alten Damen, mit denen ich arbeite, beneiden uns teilweise auch. Und zwar um Weihnachten. Wir befinden uns zwar geografisch ganz nah am Ort des Geschehens, für die Juden spielt die Geburt Jesu aber keine Rolle. So führen deutsche Volontäre einige christliche Tradition in einem Land fort, in dem nur die Minderheit Weihnachten überhaupt eine Bedeutung zuweist. Sie basteln Adventskränze, öffnen Türchen am Adventskalender und backen zu furchtbarer Weihnachtsmusik Plätzchen.
    Wenn ich tagsüber bei Sonnenschein im Pulli in der Stadt herumlaufe, kommt bei mir selbst eigentlich keine Weihnachtsstimmung auf. In dem Viertel, in dem ich wohne, ist nirgendwo weihnachtlich dekoriert. Nur in der ,German Colony' und den arabisch-christlichen Vierteln sind die Häuser geschmückt. Das gelingt nicht immer so stilvoll. Aber wenn man ein Foto mit einem künstlichen beleuchteten Schneemann machen möchte, kann man sich direkt hinter den Japanern anstellen.
    Weihnachten werde ich mit meiner Organisation in Jerusalem verbringen und nach Bethlehem wandern. Und bis dahin wissen wir alle hoffentlich wieder, dass ,Weihnachten' nicht nur Plätzchen backen und Glühwein bedeutet.“

    Diez
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