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    DiezArzt vor Gericht: Ohne Narkose Draht aus dem Finger gezogen

    Wegen Körperverletzung stand jetzt ein Arzt vor dem Diezer Amtsgericht, dem vorgeworfen wurde, einem jungen Patienten enorme Schmerzen zugefügt zu haben, als er ihm ohne Betäubung einen Draht aus einem Finger zog. Der Draht ist zuvor nach einer Operation wegen einer Handverletzung eingesetzt worden.

    Arzt vor Gericht: Ohne Narkose Draht aus dem Finger gezogen
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Andreas Galonska

    „Wir sind wegen einer Gipskontrolle zu dem Arzt gegangen“, erklärte die 38-jährige Mutter des heute 13-jährigen Jungen. Nach langer Wartezeit habe der Mediziner zunächst gefragt, was denn gemacht werden soll. Das überraschte die Frau, da sie schon zuvor wegen der Behandlung des Arms ihres Kindes bei ihm gewesen sein will, was der Arzt allerdings abstritt. Sie schilderte den Mediziner als unfreundlichen Menschen, für den die Behandlung des Kindes eine lästige Pflicht gewesen sein soll. 

    Als er bemerkte, dass der Draht zu zwei Zentimetern aus dem Finger herausschaute, habe er sofort gehandelt. „Er sagte nur ,Pinzette‘ zu seiner Helferin und dann zog er den Draht heraus, ohne uns zu fragen“, schilderte die 38-Jährige den Ablauf. „Mein Junge ist hart im Nehmen, aber da hat er geschrien und geheult, vor allem, weil der Draht irgendwo festhing“, betonte die empörte Mutter. Als sie den Arzt daraufhin sprechen wollte, soll er lediglich „Es ist jetzt 17.15 Uhr – Feierabend“ geantwortet haben. Die Frau habe sich dann mit dem Jungen auf den Weg zu einer anderen Ärztin gemacht, wo die Wunde desinfiziert und verbunden wurde. Auf den Kollegen angesprochen, soll die Ärztin „Das kommt bei ihm leider öfter vor“, geantwortet haben. Der Sohn der 38-Jährigen soll noch heute – rund zwei Jahre nach dem Vorfall – panische Angst vor dem Weg zu einer ärztlichen Behandlung haben. 

    Auch der Schüler wurde vom Amtsgericht vernommen. Er wirkte dabei sehr aufgewühlt und musste bei einigen Aussagen weinen. „Ich hatte schlimme Schmerzen, als er den Draht einfach rausgezogen hat“, unterstrich er. Vom Sachverständigen wurde der Junge gefragt, wo er den Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen würde. „Bei 9 bis 10“, meinte der 13-Jährige.

    Der Mediziner lieferte eine ganz andere Darstellung des Vorfalls. Mutter und Kind seien in seine Praxis gekommen, als diese gerade geschlossen werden sollte, vorher habe er die beiden nicht gesehen. „Der Draht hatte die Haut durchbohrt und stand etwa 2 Zentimeter heraus“, erklärte der 65-Jährige. Er habe den insgesamt etwa 3,5 Zentimeter langen Draht herausgezogen, was dem Kind allerdings überhaupt keine Schmerzen bereitet habe. „Es ging schnell, er hat weder geschrien noch geheult“, betonte der Angeklagte. Die Mutter habe sich aber hysterisch verhalten, und das Gespräch mit ihr habe sich immer weiter aufgeschaukelt. Die Wunde habe er verbunden, aber nicht zugenäht, damit sie sich besser von selbst wieder verschließen konnte. Eine Narkotisierung des Arms würde sich bei einem solchen Fall verbieten, da der Draht ohne Probleme und ohne Qualen habe entfernt werden können.

    Die später konsultierte Ärztin konnte sich nicht mehr an alle Details erinnern. Sie wusste, dass sie die Wunde des Jungen behandelt hatte, dabei sei ihr das Kind aber nicht als besonders mitgenommen aufgefallen. Als sie auf die kritische Anmerkung zu ihrem Kollegen angesprochen wurde, konnte sie sich nicht daran erinnern.

    Beide Versionen glaubwürdig 

    Ein 51 Jahre alter Sachverständiger musste nach der Beweisaufnahme zusammenfassen, dass beide geschilderte Versionen möglich gewesen sein könnten. Dabei komme es letztlich darauf an, welcher Partei man glauben wolle. Zu einem ähnlichen Schluss kamen auch Amtsrichter Eckhard Krahn und der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Nur kurzzeitig wurde überlegt, ob man Nachforschungen nach einer Helferin anstellen wollte, die die Mutter und der Junge gesehen haben wollen, die es aber laut dem Arzt nicht bei der Behandlung gegeben habe. Die Beteiligten einigten sich schließlich auf die vorläufige Einstellung des Verfahrens, wobei der Arzt 1000 Euro als Auflage für Ärzte ohne Grenzen zahlen muss.

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