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  • Vatikan: Ein Blick hinter die Kulissen mit Andreas Englisch

    Sinzig. Päpste füllen die Kirche - wenn nicht direkt, so doch indirekt. So geschehen am Mittwochabend in der Sinziger Pfarrkirche St. Peter, wo der bekannte Vatikanjournalist Andreas Englisch vor vollem Haus frei von der Leber weg und äußerst unterhaltsam aus dem Nähkästchen des Vatikans plauderte.

    Nach dem Vortrag gab es Autogramme und signierte Bücher.
    Nach dem Vortrag gab es Autogramme und signierte Bücher.
    Foto: Petra Ochs

    Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

    Nach Sinzig gebracht hatte ihn Felicitas Stehr. "Ich wollte Andreas Englisch unbedingt kennenlernen", sagt die Sinzigerin. Und mit der Organisation der Veranstaltung in St. Peter ist ihr das auch gelungen.

    Andreas Englisch redet frei, steht leger mit verschränkten Armen auf den Stufen hinter dem Rednerpult und will das tun, was er nach eigenem Bekunden am Schlechtesten kann: langsam sprechen, weil es in der Kirche doch so hallt. Das Versprechen halten kann der Journalist und Buchautor nicht wirklich: Allzu oft nimmt seine rauchige Stimme an Fahrt auf, weil es doch noch so viel zu erzählen gibt. Seine Begeisterung wirkt ansteckend. Was ist es wohl, was an seinen Anekdoten über die Päpste so fasziniert? Ist es die Erkenntnis, dass auch Päpste nur Menschen sind? Oder die, dass es sich bei ihnen zwar um Menschen, aber um ganz außergewöhnliche Menschen handelt?

    Natürlich kokettiert Andreas Englisch auch. Etwa damit, dass er so zum Vatikanexperten wurde, wie die Jungfrau zum Kinde kam. Nach Rom kam er als Mittzwanziger, um Italienisch zu lernen. Als das Geld ausging, heuerte er 1987 bei einer englischsprachigen Nachrichtenagentur an. Weder Frömmigkeit noch Expertise verschafften ihm den Job: Seinem Chef reichte es, dass er einmal Messdiener gewesen war.

    Dass er vom Vatikan keine Ahnung hatte, bekam auch Papst Johannes Paul II. schnell mit. "Sind Sie jemand von der Schweizer Garde, der mir mal die Hand schütteln wollte?", fragte er Englisch bei ihrem ersten Treffen. Seitdem sind viele Jahre vergangen, in denen Andreas Englisch Päpste hat kommen und gehen sehen. Johannes Paul II. habe ihn wieder zum Glauben gebracht; Papst Benedikt XVI. hat ihn damit überrascht, dass er gar nicht Papst sein wollte. Papst Franziskus aber stellt alles Dagewesene in den Schatten: Er ist ein Kämpfer, ein Revolutionär im Vatikan - und das fängt schon im ganz Kleinen an.

    Der Papst, der statt Luxuslimousine lieber den Bus nimmt und sich standhaft weigert, sein Zimmer im Gästehaus der Heiligen Mater gegen die "protzige" Papstwohnung im Apostolischen Palast zu tauschen, erschüttert das vatikanische Prozedere. Franziskus braucht keine Kammerdiener oder Sekretäre, hinterfragt gleichzeitig aber auch, warum andere kirchliche Würdenträger so viel Personal haben müssen.

    Einer Kriegserklärung sei es gleichgekommen, als der Papst an Ostern 2013 darauf bestand, "seine alte Priesterklamotte" anstelle der vorbereiteten Prachtgewänder mit rotem Samt und weißem Hermelin anzuziehen. "Sie verwechseln da was: Ich bin der Papst, nicht der Weihnachtsmann", soll er dem Zeremonienmeister gesagt haben. Mehr als ein Affront gegen die Kurie sei auch die Weihnachtsansprache 2014 gewesen, in der Franziskus seinen Kardinälen die Leviten las.

    Wo es um den Umgang mit Menschen geht, ist Franziskus ein Naturtalent, weiß Andreas Englisch. Er sucht den Kontakt, wo immer es geht. Und so kam es auch, dass er einmal im Gewimmel auf dem Petersplatz abhandenkam. Per Hubschrauber wurde nach dem Papst gefahndet, der, als er endlich wieder im Papamobil saß, seinen Fahrer auf die Autobahn abbiegen ließ, weil es anders kein Durchkommen mehr gab. Hier stand der Papst dann erst einmal im Stau. Und später ließ er vor einem Supermarkt Halt machen, um mit den Menschen dort ein "Vater unser" zu beten.

    Warum kann sich der Papst all das leisten? "Die Menschen sind auf seiner Seite", erklärt Andreas Englisch, der noch viele weitere Episoden aus dem inneren Kreis des Vatikans zum Besten gibt, bevor er zum Büchersignieren an einem Tisch Platz nimmt. "Warum werden Sie kein Priester? Die Kirche ist so schön voll", meint kurz vor Schluss ein Zuhörer zu ihm. Doch da winkt Andreas Englisch ab: Um Priester zu sein, sei er viel zu glücklich verheiratet.

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