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    MarienthalKolibakterien: Hotelier hat den Kanal voll

    Kolibakterien im Trinkwasser: Für die Menschen in der Grafschaft und Teilen von Bad Neuenahr-Ahrweiler ist das Thema durch. Nach zwei Wochen Abkochen ist wieder Normalität eingekehrt. Davon können Marina und Stephen Boden nur träumen.

    Stephen und Marina Boden sind entschlossen, im Rechtsstreit mit dem Abwasserzweckverband nicht klein beizugeben.
    Stephen und Marina Boden sind entschlossen, im Rechtsstreit mit dem Abwasserzweckverband nicht klein beizugeben.
    Foto: Hans-Jürgen Vollrath

    Sie betreiben an der B 267 bei Marienthal das Hotel „Zum Sänger an der Ahr" und haben ihr ganz eigenes Kolibakterienproblem. Nicht seit zwei oder drei Wochen, sondern seit drei Jahren. So lange schon beschäftigt der Fall die Justiz. Es geht um Schadensersatzansprüche im sechsstelligen Bereich.Es begann im Juni 2011. Da wurde im Trinkwasser des Hauses eine dramatisch hohe Verkeimung durch Kolibakterien festgestellt. Auf Geheiß des Gesundheitsamtes musste das 60-Betten-Hotel über Nacht schließen. Wohl für zwei oder drei Monate, wie es hieß, bis die Ursache gefunden sei. Mitten in der Hauptsaison. Die Gäste mussten nach Hause geschickt, einer Reisegruppe für den kommenden Tag abgesagt werden. „Drei Monate geschlossen, das hätte mich ruiniert", sagt Stephen Boden. Wie aber konnte es überhaupt zu solch einer dramatischen Verschmutzung kommen?

    Dazu muss man wissen: Das Hotel bezog zu diesem Zeitpunkt sein Trinkwasser aus dem hauseigenen Brunnen. Da bald feststand, dass die Verkeimung menschlichen Ursprungs war, lag es auf der Hand, dass Abwasser in den Brunnen geraten war. Das Brunnenwasser war getrübt und wimmelte vor Kolibakterien. Die Frage war nun: Woher kommt das Abwasser?

    Für die Bodens war die Antwort buchstäblich naheliegend: vom Abwasserkanal, der über ihr Grundstück verläuft und aus den 1960er-Jahren stammt. Hier kommt der Wasserzweckverband Untere Ahr ins Spiel, denn ihm gehört der etwa 800 Meter lange Kanal, der ursprünglich dem Regierungsbunker vorbehalten war. Der Zweckverband wurde alsbald tätig und ließ nach einer Kamerabefahrung und einer Druckluftprüfung von einer Fachfirma diverse Arbeiten ausführen.

    Das Hotel hatte unterdessen nach achttägiger Schließung wieder geöffnet, nachdem Filter an jeden Wasserhahn montiert worden waren. Inzwischen war auch eine provisorische Leitung mit Anschluss ans städtische Trinkwassernetz gelegt worden. Die Kosten für die Bodens betrugen zu diesem Zeitpunkt bereits etliche Zehntausend Euro. Vom Einnahmenausfall während der Schließung noch ganz abgesehen.

    In der Annahme, sich mit dem Zweckverband auf die Übernahme dieser Kosten einigen zu können, wandte sich Stephen Boden nach Sinzig. Eine herbe Enttäuschung. Denn der Zweckverband war mitnichten bereit zu zahlen. Vielmehr geht er davon aus, dass der Hausanschluss ursächlich war für die Verschmutzung. Eine Argumentation, die den Bodens recht wunderlich erscheint. Denn an ihrem Hausanschluss aus den 1990er-Jahren seien keine Schäden festgestellt worden. „Wie kann der Zweckverband seinen Kanal sanieren und dann behaupten, an ihm habe es nicht gelegen?", fragt Marina Boden. Der Fall beschäftigt nun seit drei Jahren das Landgericht Koblenz. Die Fronten sind verhärtet.

    Für Christian Meyer, Werkleiter des Abwasserzweckverbandes Untere Ahr, liegt der Fehler bereits in der Wortwahl. Saniert worden sei dort nichts, sagt er. „Wir sind rein prophylaktisch tätig geworden." Von Anfang an sei man bemüht gewesen, alles zu tun, damit der Familie Boden kein weiterer Schaden entsteht. „Es ärgert mich, dass uns das jetzt zum Nachteil ausgelegt wird." Nachdem man bei der Druckluftprüfung einen Druckverlust festgestellt habe, habe man vier Muffen ausgetauscht. „Die waren aber viel zu weit weg, um ursächlich für die Verschmutzung zu sein", sagt Meyer. Zudem seien sämtliche Revisionsschächte neu beschichtet worden. „Aber auch das war keine Sanierung", betont der Werkleiter.

    Komisch nur, dass nach Abschluss der Arbeiten das Brunnenwasser wieder in Ordnung war, finden die Bodens. Ein Gutachter im Auftrag des Gerichts kam zu dem Schluss, dass auf dem Wege des Ausschlussverfahrens nur der Kanal als Ursache übrig bleibe. Allein: Es fehlt der positive Beweis. Den Schaden, der ihnen mittlerweile zusammen mit den Anwaltskosten entstanden ist, beziffert das Ehepaar auf rund 150.000 Euro. Nur weil ihre Hausbank einen Kredit über 100.000 Euro nicht habe platzen lassen, hätten sie finanziell überleben können, sagen die beiden. Den Beweis zu erbringen, würde weitere 50.000 Euro kosten.

    Stephen Boden ist dazu fest entschlossen. Dem Zweckverband hat er neuerdings den Vertrag gekündigt, der diesem erlaubt, den Kanal über privaten Grund zu führen. Sollte sich der Zweckverband nicht bis Ende Oktober rühren, droht er, werde er den Kanal zubetonieren. „Ich bin mir sicher, das macht er", sagt seine Frau. „Und wenn er dafür ins Gefängnis muss."

    Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

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