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  • Familientag in Nürburg: Deftige Kritik an der Automotive

    Nürburg - Es waren 600 Menschen, die zum Familientag der Gewerkschaft Verdi in die Nürburger Graf-Ulrich-Halle gekommen waren. Darunter waren etwa 100 der derzeit 338 Mitarbeiter der Nürburgring Automotive GmbH (NAG). Für sie und ihre Familien hatte die Gewerkschaft den Nachmittag organisiert, um gegen die drohenden Entlassungen am Nürburgring zu demonstrieren. Fraglich ist, ob die leitenden Angestellten der NAG eine noch größere Teilnehmerzahl durch Drohungen verhindert haben. Das behauptet Verdi.

    600 Besucher kamen zum Verdi-Familientag in die proppenvolle Nürburger Graf-Ulrich-Halle. Die Redner teilten mächtig gegen die privaten Betreiber aus.
    600 Besucher kamen zum Verdi-Familientag in die proppenvolle Nürburger Graf-Ulrich-Halle. Die Redner teilten mächtig gegen die privaten Betreiber aus.
    Foto: Jan Lindner

    "Den Mitarbeitern der NAG wurde Angst eingejagt" sagte der Koblenzer Gewerkschaftssekretär Jürgen Rinke-Oster. "Am Freitag wurden die Bereichsleiter in die Abteilungen geschickt, um den Mitarbeitern sehr deutlich nahe zu legen, nicht beim Familientag zu erscheinen." Er habe den Eindruck, dass die Geschäftsführung mehr Angst vor der Belegschaft habe als umgekehrt. NAG-Sprecher Karl-Heinz Steinkühler sagte dazu auf Anfrage unserer Zeitung: "Die Geschäftsführung weiß nicht, ob Bereichsleiter Mitarbeiter zur Teilnahme ermuntert haben oder nicht." Im Betriebsrat hätten sie sehr wohl von dieser Aktion gehört, könnten sie aber nicht bestätigen, wie Oliver Schmitt, der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, auf Nachfrage unserer Zeitung sagte.

    Und die Stimmung im Unternehmen derzeit? "Sehr angespannt", sagt Schmitt. "Jeder hat Angst um seinen Arbeitsplatz, es gibt eine große Unsicherheit." Eben diese bedrückte Atmosphäre war auch beim Familientag zu spüren: Viele verängstigte Gesichter waren zu sehen, sie sahen traurig und betroffen aus. Die diversen Redner kehrten die Stimmung mit ihren oft deftigen, teils beleidigenden Angriffen gegen die NAG-Geschäftsführung zwar nicht gänzlich ins Gegenteil um. Ihre Worte und die vielen Besucher bewirkten allerdings, dass der Betriebsrat "sehr gestärkt worden ist", wie Schmitt sagte. "Bei den anwesenden Mitarbeitern ist der Tag super angekommen. Viele waren mehr als überwältigt, dass so viele Leute aus der Region da waren."

    Direkt von der Nürburger Kanzel war Pfarrer Klaus Kohnz in die Graf-Ulrich-Halle gekommen. Er hielt eine äußerst flammende Rede, er fand sehr deutliche Worte, die beklemmend und betroffen machten. "Mich treibt seit Jahren die ganz große Sorge um", sagte Kohnz. "Mir wird schlecht, wenn ich morgens die Zeitung lese: Auf uns wird immer nur eingedroschen." Bei der Einweihung des neuen Rings habe er noch ein Gebet gesprochen: "Mittlerweile zweifle ich daran. Was ist da alles falsch gelaufen?" Die handelnden Akteure mahnte er dazu, "glaubwürdig zu bleiben. Werden Sie wieder neu glaubwürdig."

    Sehr deutliche Worte fand Verdi-Landesvorsitzender Uwe Klemens: "Die Herren Lindner, Richter und Schmidt haben keinen Plan. Das Projekt NAG ist gescheitert." Dabei seien die Personalkosten in Ordnung. Er habe den Eindruck, dass sehr viel Geld bewegt werde: "Man weiß nur nicht immer wohin. Klar ist: Die Automotive hat immer weniger Geld." Der Umgang der Geschäftsführung mit den Arbeitnehmern "ist unter aller Sau. Sie werden ständig unter Druck gesetzt."

    Innenminister Roger Lewentz musste zugeben, dass "wir bei der Regierung nicht den Einblick in die Zahlen der Betreiber haben, den wir gerne hätten". Konkrete Versprechungen könne er zu diesem Zeitpunkt nicht machen. Aber: "Ich will die Verhandlungen zum Erfolg führen."

    Der Landtagsabgeordnete Alexander Licht, der für die CDU im Untersuchungsausschuss sitzt, schimpfte: "Mit diesen Pächtern haben wir keine Zukunft. Es muss endlich, endlich Schluss sein mit ihnen." Andernfalls sei es ein Sterben auf Raten. Licht: "Zug um Zug wird ein Mythos zerstört."

    Diesen Montag empfängt Innenminister Lewentz die NAG-Geschäftsführung in Mainz. In Nürburg hat er den "Herren sehr deutliche Worte" angekündigt.

    Von unserem Redakteur Jan Lindner

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