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    RemagenDamit die Erfindung nicht zum Abenteuer wird

    Es ist schon so, dass sich Hans-Peter Müller in all den Jahren als Patentreferent am RheinAhrCampus ein ordentliches Gespür für Erfindungen angeeignet hat. Seit 1998 arbeitet er in Remagen als Vermittler zwischen Erfindern, Patentanwälten, Unternehmensberatern und Banken, stellt Kontakte her, schätzt die Erfolgschancen ein.

    Seit 1998 arbeitet Patentreferent Hans-Peter Müller am RheinAhrCampus in Remagen. Er hat in dieser Zeit viele tolle Erfinder kennengelernt, wie er sagt. Aber: Er hat auch schon einige tragisch scheitern sehen bei dem Versuch, mit einer Erfindung Geld zu verdienen.
    Seit 1998 arbeitet Patentreferent Hans-Peter Müller am RheinAhrCampus in Remagen. Er hat in dieser Zeit viele tolle Erfinder kennengelernt, wie er sagt. Aber: Er hat auch schon einige tragisch scheitern sehen bei dem Versuch, mit einer Erfindung Geld zu verdienen.
    Foto: jl

    Doch der 55-Jährige sagt auch: "Alles kann man natürlich nicht voraussehen. Letztlich entscheidet immer der Markt über den Erfolg." Und ein wenig überspitzt: "Wenn mir vor 15 Jahren jemand erzählt hätte, dass er mit Handyklingeltönen Geld verdienen will, hätte ich ihn aus meinem Büro geschmissen." Welchen Erfolg die Samwer-Brüder mit ihren Jamba-Sparabos und andere Anbieter Mitte der 2000er-Jahre hatten, ist hinlänglich bekannt.

    Erfinder umweht nach wie vor ein Hauch von Abenteuer, Unabhängigkeit, Freiheit und Reichtum. Doch die Realität sieht anders aus, wie Müller sagt: "Die Anmeldung eines Patents ist das eine. Aber daraus Geld zu machen, ist die absolute Kür. Es ist oft wahnsinnig schwierig." Bundesweit hätten nur 3 Prozent aller Erfindungen etwas mit Geldverdienen zu tun.

    In seinen 17 Jahren als Patentreferent hat Müller allerhand Erfinder kommen und gehen sehen: "Oft entsteht eine Erfindung, wenn sich jemand über ein technisches Problem ärgert und es lösen will. Da lernt man schon sehr viele interessante Leute kennen." Das macht ihm sichtlich Freude. Andererseits sieht er auch viele Menschen scheitern, was dann auch für ihn sehr bitter ist.

    Denn: Indem er potenzielle Erfinder berät, baut er ein Vertrauensverhältnis zu ihnen auf: "Ich bin oft der Erste außerhalb der Familie, mit dem der Erfinder über seine Idee spricht." Für gewöhnlich erhält er einen Anruf der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Dort gibt es Büros, die sich um Erfindungen kümmern und die Leute dann an Müller verweisen. Die Erfinder können Studenten sein, Wissenschaftler, Unternehmen, externe Einzelerfinder.

    Dann jedenfalls nimmt das Prozedere seinen Lauf: Der 55-Jährige hört sich die Idee an, berät ausführlich, gibt eine Einschätzung ab. Er recherchiert, ob es für die Erfindung schon ein Patent gibt. Ist er von der Idee überzeugt, stellt er Kontakte her zu Professoren am RheinAhrCampus, die die Erfindung ebenfalls analysieren und bewerten. Er vermittelt einen Unternehmensberater, der bei einem Businessplan hilft und - ganz wichtig - kontaktiert einen Patentanwalt (Kosten für den Erfinder: 3000 bis 6000 Euro). Denn wenn die ganze Anmeldung nicht formal richtig eingereicht wird, wird das Patent gar nicht erst angenommen.

    Dazu kommt: Der Markenname und die damit verbundenen Rechte sind genauso wichtig wie die technische Erfindung. Geht da irgendwas schief, sagt Müller, "gibt es ganz schnell unangenehme Post vom Anwalt". Unangenehm kann auch die Beratung von so manchem Unternehmensberater ausfallen. Der Patentreferent sagt: "Da gibt es einige schwarze Schafe, die den Leuten viel zu viel versprechen. Da ist ein Scheitern programmiert."

    Wichtig sei außerdem eine professionell gestaltete Internetseite. Müller: "Man muss anfangs kräftig investieren. Der Erfinder sollte sich in jedem Fall Hilfe von außen holen, wenn er eine Firma gründen will." Einzelkämpfer hätten es schwer und könnten nicht alle Bereiche abdecken: Technik, Informatik und Betriebswirtschaft. "Am besten ist, wenn es zwei bis drei Gründer aus verschiedenen Bereichen sind."

    Zwischen Anmeldung und Offenlegung des Patents vergehen in der Regel 18 Monate. Allein in den vergangenen vier Jahren hat Müller 39 Firmengründungen beraten und begleitet; einige wenige haben dafür ihr Studium abgebrochen. Studenten, die es diesen Jungunternehmern gleichtun wollen, rät er allerdings: "Besser erst zu Ende studieren und dann fünf Jahre als Angestellter arbeiten. Dann hat man einfach eine größere Erfahrung."

    Von unserem Redakteur Jan Lindner

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