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  • Brexit mit Folgen: 92-Jähriger lässt sich einbürgern

    Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach dem Brexit wollen immer mehr Briten deutsche Pässe. Aus Angst vor den Folgen des EU-Austritts will auch Bruce Venour, der mit seiner deutschen Frau in Bad Neuenahr lebt, auf Nummer sicher gehen. Er ließ sich mit 92 Jahren einbürgern.

    Als deutsch-britisches Ehepaar genießen Vera und Bruce Venour seit 2008 ihr Leben in Bad Neuenahr.
    Als deutsch-britisches Ehepaar genießen Vera und Bruce Venour seit 2008 ihr Leben in Bad Neuenahr.
    Foto: geller

    Von unserer Mitarbeiterin Gabi Geller

    Dem Brexit-Votum ist es zu verdanken, dass sich der Brite Bruce Venour im vorgerückten Alter von 92 Jahren in Deutschland noch einbürgern ließ. An seiner Seite bei der feierlichen Einbürgerungsfeier im Kreishaus: die deutsch Ehefrau Vera.

    Seit 1954 sind der Brite und die gebürtige Osnabrückerin glücklich verheiratet. Mehrfach haben die beiden in anderen Ländern gelebt, denn Bruce war Berufssoldat und seine Ehefrau, die diplomierte Übersetzerin, begleitete ihn meist. Den größten Teil ihres gemeinsamen Lebens verbrachten sie in Großbritannien, wo sie ein Haus kauften und eine Familie gründeten. "Für uns waren immer beide Länder Heimat", erklären beide übereinstimmend.

    Vera hat inzwischen einen deutschen und einen britischen Pass. Dass sie sich jemals wieder um die Staatsangehörigkeit Gedanken machen müssten, das hätten sie nicht gedacht. Aber der Brexit brachte das Thema aufs Tapet. Denn seit 2008 leben sie in einer Eigentumswohnung in Bad Neuenahr. Sie haben ihr Haus in England, das ihnen zu groß geworden war, verkauft und siedelten in die Kreisstadt über. "Ich war 76, mein Mann 86. Das ist eigentlich nicht das Alter, um nochmals etwas ganz Neues zu machen. Unsere Familien erklärten uns für verrückt", erzählt Vera lachend. Doch in der Wohnung mit dem herrlichen Ausblick weit über die Stadt bis in die Grafschaft genießt das Paar jeden Tag.

    Das Thema Brexit verfolgten sie sehr aufmerksam und waren beide sehr überrascht über das Wahlergebnis. "Meine Landsleute sind verrückt geworden", befand Bruce. Wenig später hat er dann die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. "Man weiß ja nie, wie die Verhandlungen ausgehen", meint er, und Vera fügt hinzu: "Wir leben jetzt hier und wollen nicht irgendwann ausgewiesen werden."

    Enge Verbindungen zwischen Deutschland und Großbritannien liegen bei Bruce in der Familie. Bereits sein Vater war nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland als Angehöriger der britischen Besatzungsmacht. Bruce wurde während dieser Zeit in Köln geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Bruce wieder nach Deutschland, als Angehöriger der britischen Besatzungsarmee. Hier traf er 1950 Vera. Die junge Frau war als Bibliothekarin bei der großen britischen Garnison in Osnabrück beschäftigt. Sie sprach gut Englisch, war hübsch, charmant und ausgesprochen klug. 1954 wurde geheiratet. Und dass Bruce seine Vera bis heute vergöttert, spürt man jedes Mal, wenn man dem fröhlichen Seniorenpaar begegnet. Für beide verlief die Einbürgerung unbürokratisch. Der schriftliche Einbürgerungstest blieb ihnen erspart.

    Auch der Brite Colin Rich aus Burgbrohl erhielt beim Landratsempfang seine Einbürgerungs-Urkunde. Seit mehr als zehn Jahren lebt er mit seiner Partnerin Ellen in Burgbrohl. "Während der Brexit-Debatte haben wir uns bereits Gedanken gemacht und uns entsprechend vorbereitet", erzählt sie. Denn die beiden wollen weiterhin in Deutschland leben. Vor allem der Einbürgerungstest war ein Stück Arbeit. "Da habe ich auch noch einiges gelernt", erzählt Ellen, die gebürtige Deutsche. Sie ist nicht die einzige Deutsche, die bei der Beantwortung der 310 Fragen (davon sind 10 auf das jeweilige Bundesland bezogen) bisweilen ins Schwimmen kommt. Die Fragen sind auf der Webseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge einzusehen oder unter www.einbuergerungstest-online.eu.

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    Nina Borowski

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