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  • "Watergate" in Münchwald: Wer zahlt für Schäden?

    Münchwald. Am zweiten Juli-Wochenende feiern die Münchwälder ihre Kerb. Ob dann allerdings, wie es sich Ortsbürgermeister Stephan Wagner und der Gemeinderat wünschen, die ab 2012 neu gebaute und 2014 eingeweihte Hubertushalle wieder trockengelegt und fertig saniert ist?

    Der gesamte Drainagegraben rund um die Münchwälder Hubertushalle ist geöffnet, neue Entwässerungsrohre werden verlegt. Wer kontrolliert's?
    Der gesamte Drainagegraben rund um die Münchwälder Hubertushalle ist geöffnet, neue Entwässerungsrohre werden verlegt. Wer kontrolliert's?
    Foto: Stefan Munzlinger

    Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

    Die 304 Münchwälder sind vom Pech verfolgt. So groß war die Freude, als sie am 30. März 2014 ihre neue und schmucke Hubertushalle einweihten. 854 000 Euro, ein stolzer Betrag für ein so kleines Dorf, hatte der Bau gekostet - und war der Nachfolger eines 40 Jahre alten Pavillons, der schon der Hargesheimer Alfred-Delp-Schule gute Dienste geleistet hatte.

    Schatten auf dem Neubau

    "In die Sanierung der alten Hubertushalle hätten wir mehr Geld stecken müssen als in einen Neubau", sagen Stephan Wagner und Erster Beigeordneter Meik Neumann beim Ortstermin mit dem "Oeffentlichen" am Montagabend. Und so fiel 2012 der Beschluss: "Wir bauen neu." Damit begann das Drama, das nach 16 Monaten Bauzeit gerade noch fehlte.

    28. Juli 2014: Ein Wolkenbruch, "wie ich ihn in 55 Jahren, seit ich in Münchwald wohne, noch nicht erlebt habe", wie sich der Ortsbürgermeister erinnert, ging über dem Dorf nieder. Innerhalb von 15 Minuten stürzten Wassermassen auch auf die Halle. Folge: Mehrere Zentimeter hoch stand die Regenbrühe drinnen, hereingedrückt durch die unteren Fensterabschlüsse. In keinem anderen Münchwälder Haus, nicht einmal im 150 Jahre alten Gemeindehaus, hieß es: Land unter - nur in der Halle, die an diesem Tag für eine Beerdigung gerichtet war. Eineinhalb Stunden reinigten Stephan Wagner und Helfer den durchnässten Boden, kehrten das Wasser raus und räumten die Möbel für die Beerdigungsgesellschaft wieder ein.

    Wie konnte das passieren, wie konnte das Wasser in die Halle eindringen? Diesen Fragen ging man in den Folgetagen nach. Die Ursache war rasch gefunden: eine offenkundig nicht fachgerecht verlegte Drainage, wie die Münchwälder vermuteten und sich über den vermeidbaren Schaden seither mächtig ärgern. Von den Baukosten (854 000 Euro) waren 795 800 Euro als zuschussfähig anerkannt. Vom Land flossen 246 000 Euro, der Eigenanteil lag bei sage und schreibe 600 000 Euro.

    Den Bau hatte die Verbandsgemeinde in ihrer Regie - was Ortsbürgermeister Wagner auch heute noch "gut" findet, denn auch das Feuerwehrhaus wurde neu und als vorderer Teil der Halle konzipiert. Ein einziger Planer (aus Wallhausen) sollte alles in Händen halten; außerdem war der Landeszuschuss durch die Verbindung des Hallenprojektes mit dem Feuerwehrhausbau rundweg abgesichert.

    Ein Gartenbauunternehmen aus Roxheim wurde beauftragt, legte los. Was schließlich genau beim Einbringen der Drainagerohre rund um den Hallenbau schieflief, darüber streiten sich zurzeit die Versicherungen der Akteure (Planer und Baufirma). Ein Gutachter befand beim Ausgraben der Drainage: "Ich hätte die Rohre genauso verlegt." Ein anderer Gutachter kam zu einem konträren Urteil: "Die Drainage wurde nicht fachgerecht verlegt und war verstopft, daher hat sich das stauende Wasser durch die unteren Fensterteile in die Halle gedrückt." Zwei Fachleute, zwei Meinungen.

    Nach dem Münchwälder "Watergate" wurde die Halle sofort geschlossen, war bis dahin von den SG-Tischtennisspielern, dem Volksbildungswerk, der Frauengymnastik und den Feuerwehrförderern genutzt worden; außerdem bei Beerdigungen und Hochzeiten oder anderen Privatfesten.

    Beweise an der Baustelle gesichert

    Zum Zeitpunkt der Schließung lagen bereits einige Hallenreservierungen vor; deren Gesellschaften mussten sich alternative Veranstaltungsorte suchen. Was bedeutet: Den Münchwäldern ging durch die erzwungene Schließung auch die ein oder andere Einnahme flöten, ganz zu schweigen vom vorübergehenden Verlust als Veranstaltungsort für die Gruppen der Soonwaldgemeinde selbst.

    Beweise wurden gesichert, denn an der Klärung der Frage, wer die Schäden zu verantworten hat - eine fehlerhafte Planung oder eine mangelhafte Ausführung - hängt die Antwort, wer oder vielmehr wessen Versicherung die Sanierung am Ende begleichen muss. Schon hat der Planer des Hallenbaus angedeutet, den Schaden "wiedergutmachen" zu wollen, mit einem höheren fünfstelligen Betrag, wie zu hören ist. Das Drainage-Unternehmen kam wenige Tage nach dem Wolkenbruch, zog einen neuen und größeren Graben und hoffte, dadurch weitere Wasserschäden zu vermeiden.

    Zwei Reaktionen, die Ortsbürgermeister Stephan Wagner und dem Rat zeigen: "Da war keiner mit Vorsatz unterwegs. Im Leben passieren nun mal Fehler." Zu dumm aber, dass es ausgerechnet Münchwald getroffen habe.

    Vorm Amtsgericht Bad Kreuznach war das Hallenthema am 9. Oktober 2015 bereits Verhandlungsgegenstand; zu einem erhofften, gar erwarteten Vergleich der von der Gemeinde beklagten Parteien kam es nicht, weil eine der Versicherungen sich dem vehement entgegenstemmte.

    Verfahren, Schuldige oder Versicherungen hin oder her - die Münchwälder wollen ihre Halle endlich wieder unbeschwert nutzen. Und diskutieren jetzt über den rechten Weg einer nachhaltigen Sanierung. Soll der 150 Quadratmeter umfassende und etwa sechs Zentimeter starke Zementestrich in der Halle rausgeschnitten und samt Unterbau (Styropor und Bitumenbahn) komplett entfernt werden - um sicherzugehen, dass es im Unterbau der Halle nicht doch noch vor Feuchte gärt und um dadurch Sport treibende Kinder wie Erwachsene zu schützen? Beigeordneter und Parkettlegermeister Meik Neumann favorisieren das. Kosten dafür: mehr als 10 500 Euro. Oder lieber "nur" alle acht Quadratmeter Löcher in den Hallenestrich bohren, um Warmluft-Trockenschläuche anzusetzen und vier Wochen die Feuchtigkeit aus dem Untergrund zu blasen? Kosten dafür: rund 5000 Euro. Die Entscheidung des Rates steht noch aus.

    Estrich raus oder trocknen?

    Wahrscheinlich müssen auch Fliesen raus, Installationen im Toilettentrakt ... alles für die Trocknung. Einzig die Feuerwehrhalle bleibt unberührt. Zwischen 77 000 und 100 000 Euro liegen die Schätzungen darüber, was es kostet, den Schaden zu beseitigen. Bleibt die Frage: Wer zahlt wann? Und vor allem: Was, wenn die betroffene Versicherung - eine hat bereits erklärt, die 45 000 Euro für die neue Drainage vorzustrecken - weniger als das zahlen will, was Münchwald aus dem Regress braucht, um alle Kosten zu decken? Springt ihr dann die Verbandsgemeinde bei? "Muss sie nicht", sagt VG-Bürgermeister Markus Lüttger, "denn die Münchwälder müssen nichts drauflegen." Die Schäden seien durch die fehlerhafte Drainage entstanden, sie würden alle reguliert. Jetzt stehe nur noch der Gutachtervorwurf an die Gemeinde im Raum, den nassen Boden "nicht sofort getrocknet zu haben". Das hätte 4000 Euro gekostet. Geld, das sich Münchwald zu Recht gespart habe, findet der Bürgermeister, "denn was, wenn es wieder geregnet hätte und der Boden erneut geflutet worden wäre?" Für Lüttger bleibt's dabei: Die beklagten Parteien und deren Versicherungen "hätten sich besser auf einen Vergleich eingelassen. Jetzt wird das Ganze erheblich teurer".

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    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

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    Kolumnen von

    Gerhard Engbarth

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