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    Region NaheSportflieger sollen wegen Jets tiefer fliegen

    Wenn in der Region hitzige Debatten über die neuen Flugrouten und den damit einhergehenden Fluglärm geführt werden, dann betrifft das auch die Sportflieger. Denn ihr Luftraum wird durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) massiv eingeschränkt.

    Wolfgang Drexel und seine Fliegerkollegen hoffen, dass der Luftraum nicht eingeengt wird.
    Wolfgang Drexel und seine Fliegerkollegen hoffen, dass der Luftraum nicht eingeengt wird.
    Foto: Armin Seibert

    Region Nahe - Wenn in der Region hitzige Debatten über die neuen Flugrouten und den damit einhergehenden Fluglärm geführt werden, dann betrifft das auch die Sportflieger. Denn ihr Luftraum wird durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) massiv eingeschränkt.

    So befürchtet Wolfgang Drexel (Bad Sobernheim), Präsident der europäischen Motorflugervereinigung (European Powered Flying Union; EPFU), und seit 36 Jahren Fluglehrer als mögliche Folge der neuen Flugrouten: Sportflieger müssen tiefer fliegen als bisher und das könnte Probleme mit der Bevölkerung schaffen. Die Sportflieger hoffen nun auf die großen Fluggesellschaften, die Langstreckenrouten bedienen, und sich über die neuen Regelungen um Frankfurt beschwert haben. Drexel: „Wenn Großflugzeuge schon 60 Kilometer vor der Landung so tief fliegen müssen, kostet das bis zu sieben Tonnen Sprit zusätzlich.“ Sollte ihr Protest erfolgreich sein und die Jets in steilerem Winkel einschweben, bringe das auch den Sportfliegern rund 300 Höhenmeter. Drexel: „Das würde uns enorm helfen.“
    Der frühere Fluglotse auf dem Pferdsfelder Flugplatz weiß auch, dass es im Dialog zwischen Sport- und Verkehrsfliegerei besser laufen könnte als im Großraum Frankfurt, wo die DFS das Sagen hat. Ein koordiniertes Miteinander ist da schwierig, da durch die harten kommerziellen Interessen die Sportflieger ohne Lobby unter den Teppich gekehrt werden.

    Amerikaner mit gutem Beispiel
    Mit den Amerikanern in Ramstein, wo jährlich 37000 Schwerstflugzeuge landen, gibt es keine Probleme, sagt Drexel: „Wir melden uns bei den Amerikanern an, und die sorgen dafür, dass ihr Verkehr von uns weg bleibt. Das funktioniert einwandfrei.“ Zwischen Luftsportverband Rheinland- Pfalz und US-Militär gibt es Übereinkünfte, auf die die Sportflieger mit Merkblättern hingewiesen werden. Außerdem gibt es regelmäßige Sicherheitsschulungen, um die Konfliktsituationen zu minimieren. Das ist seit Jahren eine Zusammenarbeit im Sinne der Flugsicherheit, die Früchte trägt.
    Neben den wachsenden Einschränkungen in der Luft gibt es für die Sportflieger aber noch eine ganze Reihe weiterer Probleme, die Drexel als EPFU-Präsident zu beackern hat. So drängt die EASA (Europäische Agentur für Flugsicherheit in Köln) darauf, dass alle EU-Staaten einheitliche Bestimmungen im Hinblick auf Ausbildung und die Wartung der Maschinen in Flugzeugwerfen einhalten. In Deutschland, Frankreich, Österreich und Luxemburg wird dies in der Sportfliegerei aber vorwiegend noch ehrenamtlich und damit recht preisgünstig angeboten. Drexel: „Die EASA verlangt, dass Motorflugausbilder über Berufsfliegererfahrung verfügen sollen.“ Folge: Seit über sechs Jahren sind in der Region keine Fluglehrer mehr ausgebildet worden, weil die Anforderungen für ehrenamtliche Kandidaten zu teuer sind.
    Die Fluglehrer in den hiesigen Sportvereinen dürfen zwar Sportpiloten ausbilden, aber dies sei halt ein Auslaufmodell, sagt Drexel. Folge: Künftig wird der Flugschein wohl deutlich teurer als jetzt schon. Bei rund 12000 Euro geht es los, rechnet der Fluglehrer vor. Vor allem der teure Sprit schlägt ins Kontor. Drexel: Der Liter Flugkraftstoff kostet 2,50 Euro, dabei bezahlen wir doch schon alles selbst. Von der Landegebühr bis zur Flugsicherung und dem Wetterbericht. Das einzige was der Staat bietet, das ist die Luft. Die Verwaltung kostet deutlich mehr als sie bringt.

    Teure Umstellung im Funkverkehr
    Die Zahl der aktiven Flieger in den fünf Vereinen an der Nahe (Langenlonsheim, Bad Sobernheim, Meckenbach, Idar-Oberstein und Hoppstädten) sei zwar noch recht stabil, doch die zahlreichen Einschränkungen und angekündigten Verschärfungen ließen den einen oder anderen mitunter resignieren. Neuste Teuerung: Die Funkgeräte der Flieger und Bodenstationen sollen auf neue Frequenzabstände umrüsten. Statt früher 50 und dann 25 Kilohertz (KH) soll der Abstand nur noch 8,33 KH betragen. Drexel: Das kostet pro Flieger ungefähr 4000 Euro und insgesamt rund 200 Millionen. Mit seinem Verband kämpft er jetzt dafür, dass es eine Art Bestandsschutz geben soll. Wenn der Gesetzgeber aber auf der Umrüstung besteht, dann könne er sich vorstellen, dass der ein oder andere ältere Flieger das Handtuch wirft und sagt: Das mach ich nicht mehr mit. Dennoch fasziniert die Fliegerei natürlich noch immer Alt und Jung, und Drexel rät Einsteigern, sich zunächst mit dem Segelflugsport anzufreunden. Mit dieser fliegerischen Basis sei es später einfacher und auch preiswerter, auf den Motorflug umzusteigen.
    Die Segler in der Region haben ebenfalls mit den Luftraumbeschränkungen zu kämpfen. In Mainz Finthen ist Segelflugsport kaum noch möglich, auch Langenlonsheim ist stark betroffen, während die Sobernheimer noch klar kommen. Allerdings ist auch der Luftraum rund um den Flughafen Hahn schon recht eng geworden.
    Die Zeiten werden für die Hobbyfliegerei schwerer werden. „Wir versuchen uns zu arrangieren, haben aber keine Lobby“, sagt Drexel. So werden viele Lufträume nicht nur in der Höhe sondern auch horizontal beschnitten. Die Folge: Flüge von Bad Sobernheim Richtung Osten etwa nach Würzburg führen in großen Bogen an Frankfurt vorbei: Nach Süden über Mannheim, nach Norden muss man erst einmal bis Boppard fliegen, um dann den Bogen um die Frankfurter Sperrzone zu schlagen.

    Bad Kreuznach
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