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  • Wintertagung Auch für Winzer wird Marketing immer wichtiger - Aber nicht alle können sich eine Qualitätsstrategie leisten

    Rezept für Nahewein: Mehr Klasse als Masse

    Bad Kreuznach. Lieber weniger, aber dafür besser: Diese Qualitätsstrategie empfahl Bernd Wechsler gestern Nachmittag bei der 61. Kreuznacher Wintertagung im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück den Nahewinzern. Der Referent vom Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinvermarktung Rheinland-Pfalz nahm damit die Antwort für die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Zwischen Weltklasse-Riesling und Liebfraumilch – wo ist die Position der Nahe?“ schon vorweg.

    Zwischen den Fachvorträgen war bei der Wintertagung, bei der gestern großer Andrang herrschte, auch mal Zeit für ein Glas Sekt.  Foto: Kurt Knaudt
    Zwischen den Fachvorträgen war bei der Wintertagung, bei der gestern großer Andrang herrschte, auch mal Zeit für ein Glas Sekt.
    Foto: Kurt Knaudt

    „Was habe ich denn für eine Chance gegen Aldi und Lidl?“, fragte ein Winzer. „Keine“, antwortete Wechsler. „Sie können gegen die Discounter nicht konkurrieren, sondern Sie müssen sich anders positionieren.“ Mehr Mut, visionär und innovativ denken, die Produkte weiterentwickeln, Geschichten erzählen und gemeinsam agieren, um Zukunftsmärkte zu erobern: So sieht die von Wechsler propagierte Premiumstrategie aus, die beherzigt, dass Marketing auch beim Wein immer wichtiger wird. Das aber ist leichter gesagt als getan: Fassweinwinzer könnten es sich finanziell gar nicht leisten, in Qualität zu investieren, gab Steffen Montigny vom Weingut SJ Montigny in Bretzenheim zu bedenken.

    Denn da sind die Preise für Standardwein, die von 2015 auf 2016 schon um 30 Prozent eingebrochen sind, jetzt noch einmal um 14 Prozent gesunken. Besser sieht es beim Fasswein-Riesling aus. Da gab es im vorigen Jahr zwar auch einen Rückgang um 20 Prozent, inzwischen aber wieder einen leichten Anstieg um 6 Prozent.

    Nur wenige Winzer erreichen solche Höhen wie Frank Schönleber vom Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen, der zu den glorreichen Sieben von der Nahe gehört, die im Gault Millau mit drei Trauben bedacht werden – für das nur 4200 Hektar große Anbaugebiet eine Superquote, die manch größere Weinregion längst nicht erreicht. Der Spitzenwinzer. der seit vorigem Jahr an der Nahe Vorsitzender des Verbands der Prädikatsweingüter (VdP) ist, verkauft drei Viertel seiner Weine in Deutschland. Die kosten im Durchschnitt mehr als 10 Euro netto. Starke Konstanz, eigener Charakter und nicht austauschbar, lautet sein Erfolgsrezept. Beim Marketing setzt er nicht mehr so sehr auf das Terroir, sondern auf die Lage. Die Preise für einen trockenen Spitzenriesling beginnen bei ihm bei 32 Euro.

    Die Nahe genieße bei Weinkennern in einzelnen Ländern zwar inzwischen einen gewissen Kultstatus, sei aber international insgesamt noch eher unbekannt, so der Tenor bei der Podiumsdiskussion. Bei der Vermarktung durch Kellereien, die beim Verkauf von Qualitätsweinen 2016 drastische Einbußen hinnehmen mussten, führt die Nahe mit einem Anteil von 3 Prozent nur ein Nischen-Dasein, während Rheinhessen auf satte 56 und die Pfalz auf 32 Prozent kommt.

    Ein extrem mieses Image hat im Ausland die ebenso bekannte wie billige und süße Liebfraumilch, die dem Ruf des deutschen Weins sehr geschadet hat. Ein Winzer aus Kirchheim in der Pfalz will diese Marke revolutionieren, berichtete Bernd Wechsler: Er biete unter dem belasteten Namen einen gelungenen Wein aus Müller-Thurgau, Kerner, Silvaner und Scheurebe zum Preis von 5,99 Euro an – auch eine pfiffige Möglichkeit, sich von anderen abzuheben.

    Von Kurt Knaudt

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