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    Polizeikontrolle im Kellenbachtal: Biker blieben cool

    Königsau -  Bei der Aufklärungsaktion der Polizei im beliebten Motorradfahrer-Revier wurden viele Kleinigkeiten angemahnt, aber es stand die Prävention im Vordergrund vor Strafe

    Mit 132 Sachen knattert der erste Fahrer einer Motorradgang aus der scharfen Linkskurve am Ortsausgang von Kellenbach Richtung Königsau. Die am Ortsrand auf dem Parkplatz postierte Polizei hat ihn im Laservisier. Aber der Biker kommt ungeschoren davon: Die Messung ist wegen der folgenden Gruppe nicht verwertbar. So schlimm ist das ausnahmsweise nicht. Die Devise der Kontrollaktion ist Prävention vor Repression. Den Beamten um Polizeihauptkommissar Heiko Kippler und Oberkommissar Martin Herzog geht es eher um Aufklärung.

    Aber auch darum, dass die Technik an den bis zu 200 PS starken Motorrädern in Ordnung ist, alles seine eingetragene Richtigkeit hat. Ein Motorradfahrer aus St. Wendel fällt mit seiner Suzuki auf: Lampe, Tacho, Lenkungsdämpfer – eine ganze Reihe von Veränderungen hat er vorgenommen und die Eintragungen nicht dabei. Das muss er in ein paar Tagen bei der Polizei vorweisen. Jörg Mayer nimmt es lächelnd hin: Hier könne man sich wenigstens artikulieren.

    Wie das? Kürzlich erlebte er in Italien den Kontroll-Horror. Sein Nummernschild war abgeknickt, er zahlte brav die verlangten 84 Euro Strafe. Doch dann kam der Abschleppwagen, das Motorrad wurde beschlagnahmt. Nach elf Tagen schaffte er per Anwalt die Freigabe, soll es aber jetzt nach drei Monaten für 79 Tage zum „Arrest" an den Gardasee bringen. Das wird eine Story im ARD-Ratgeber Recht.

    So schlimm wird es für den ein oder anderen bei der Kontrolle aufgefallenen Biker im idyllischen Kellenbachtal nicht. Ein Fahrer aus Germersheim, zusammen mit seinem Freund von einem Moselwochenende auf der Heimfahrt, hat einen kapitalen Steinschlag im Scheinwerfer: Da ist eine baldige Reparatur angesagt. Sein Freund hat keinen Führerschein dabei. Er hat ihn mit Tasche und Schlafsack im Begleitfahrzeug deponiert. Alles nur Kleinigkeiten.

    Die Biker nehmen den unfreiwilligen Zwischenhalt meist gelassen, die meisten haben ja keine Repressalien zu befürchten. Ein Ducati-Fahrer aus Wiesbaden erlebt in Königsau seine Premiere: In 30 Jahren die erste Kontrolle. Viele kennen die beliebte, aber auch unfallträchtige Strecke, auf der schon einige Todesopfer zu beklagen waren. In den vergangenen Jahren wurde es besser: Der Asphalt ist jetzt schön glatt, die Leitplanken sind entschärft, die Bankette mit Betonplatten befestigt – ideale Verhältnisse für sportliche Motorradfahrer also.

    Ja, die lang gezogenen Kurven haben es den Fahrern angetan. Manche kommen von weither angereist, nehmen das Kellenbachtal auf der Tour als touristische Besonderheit mit. Eine Gruppe war aus Aachen in den Urlaub nach Italien unterwegs – mit Zwischenstopp in Königsau. Die Nummernschilder der Bikes verraten, dass das Tälchen überregionale Beliebtheit erlangt hat. Neben den einheimischen aus KH kommen viele aus Simmern, Kusel, Birkenfeld, Mainz, Wiesbaden.

    „Teils sind hier mehr Motorräder als Autos unterwegs", sagt Martin Herzog. Den Bikern bescheinigt er in Sachen Kleidung trotz des sommerlichen Wetters ein Höchstmaß an Verantwortung. In Badeschlappen war keiner unterwegs. Brain-Caps, nein Danke Auch bei den Helmen wurde auf die ECE-Norm geachtet, die verbotenen Halbschalen (Brain-Caps), die eine Weiterfahrt ausgeschlossen hätten, wurden nicht angetroffen. Dafür gab's noch den ein oder anderen Technik-Aussetzer: Zum Beispiel die verbotenen „Ochsenaugen", die an den Lenker montierten Blinklichter, falsche Außenspiegel, nicht eingetragene Extras.

    Mit offenem Auspuff fuhr keiner. Alle hatten die sogenannten DB-Eater drin, obwohl diese Röhrchen mit wenig Aufwand herauszuholen sind, wissen die Polizisten, selbst erfahrene Motorradfahrer. Doch wenn man dafür die Weiterfahrt oder gar die Betriebserlaubnis riskiert, tun's auch ein paar Dezibel weniger. Aufklärung statt Strafe ist die Devise der Kontrollen, die alle paar Monate durchgeführt werden.

    „Fahren mit Hirn!" Das ist der griffige Titel eines pfiffig gemachten Flyers, der mit lustig anzuschauenden Cartoons Marke Brösel auf weniger lustige Probleme hinweist. Wer das Heftchen durchblättert, hat in wenigen Augenblicken kapiert, worum es geht. Zum Beispiel, den Autofahrern gegenüber eher defensiv zu fahren, denn die haben die größere Knautschzone. Sie tragen im überwiegenden Fall der Unfälle die Schuld, die Biker aber die oft tragischen Folgen.

    Kirn
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