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    Bad KreuznachNackt-Wanderer vom Kreuznacher Kuhberg lässt sich nicht aufhalten

    Der Nackt-Wanderer vom Kreuznacher Kuhberg ist wieder da: Ein älterer Mann joggt splitterfasernackt durch den Stadtwald und hat mehrmals Spaziergänger erschreckt, die sich bei seinem Anblick belästigt fühlen. Eine Handhabe, gegen den Mann vorzugehen, haben die Behörden nicht – außer dem Verhängen von Bußgeldern.

    Foto: Albert Gattung

    Bad Kreuznach - Der Nackt-Wanderer vom Kreuznacher Kuhberg ist wieder da: Ein älterer Mann joggt splitterfasernackt durch den Stadtwald und hat mehrmals Spaziergänger erschreckt, die sich bei seinem Anblick belästigt fühlen. Eine Handhabe, gegen den Mann vorzugehen, haben die Behörden nicht – außer dem Verhängen von Bußgeldern.

    „Nackt in aller Öffentlichkeit“ – alles andere als ein Einzelfall, aus verschiedenen Motiven: Vor Kurzem lief ein nackter Mann um den Konrad-Adenauer-Platz in Montabaur, weil er eine Wette verloren hatte. Früher gab es auf dem Kreuznacher Jahrmarkt „Flitzer“ durchs Weinzelt. Der Nackte vom Kuhberg war schon 2010 unterwegs, beschrieben als „über 50 Jahre alt und grauhaarig“. Was auch immer der Einzelne davon halten mag, sicher ist: „Nackt-Jogger bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone“, wie es Stadtsprecher Hansjörg Rehbein ausdrückte. Die Behörden tun sich im Umgang mit solchen Fällen schwer. Das heikle Thema hat schon Gerichte beschäftigt.

    Mehrere Personen sind im Juni dem Nackt-Jogger auf dem Kuhberg begegnet, unter anderem eine Mutter mit Kind. Die Zeuginnen alarmierten die Polizei. Dort ist der Nackedei bekannt und gilt als harmlos: Kein Exhibitionist, sondern ein Anhänger der Freikörperkultur. Die Kleider trägt er bei seinen freizügigen Spaziergängen über dem Arm. Auch andere schildern den Nackt-Wanderer als scheu, als jemanden, dem nicht daran gelegen sei, sich zu präsentieren, sondern nur nackt durchs Gelände streift. „Aber der Star an diesem Tag war der Nacktwanderer. Ein sehniger, kleiner Mann komplett ohne Textil und ohne Haare, wo man auch hinschaute oder nicht hinschauen wollte, aber mit Rucksack und Hut.“ So beschreibt der Bad Kreuznacher Tourismus-Chef Dr. Michael Vesper in seinem Blog auf IchZeit seine – gleich mehrfache - Begegnung mit dem nackten Mann vom Kuhberg bei einer Wanderung mit einer Journalistin der Zeitschrift „Wanderlust“Nacktläufer begehen eine Ordnungswidrigkeit (§ 118 OWiG), wenn sich jemand dadurch belästigt fühlt oder das Verhalten „grob ungehörig“ ist. In diesem Fall bekam der Mann am 10. Juni einen Bußgeldbescheid über 100 Euro für ein Vergehen vom 11. Mai, erklärte Tim Grossarth von der Bußgeldstelle der Kreisverwaltung. Das hat der Mann bezahlt. Erstmals aktenkundig wurde er am 1. August 2010. Zurzeit läuft ein weiteres Verfahren. Gut möglich, dass das Bußgeld diesmal höher ausfällt. Vielleicht ist das der einzige Weg, ihn zu bewegen, sich bei seinen Spaziergängen etwas anzuziehen – wenn ihm das Nackt-Laufen zu teuer wird.
    Im Bad Kreuznacher Ordnungsamt ist der Mann vom Kuhberg aktenkundig, und das Amt hat ein Dossier mit vergleichbaren Fällen in anderen Städten angelegt: So beschäftigte im Juni 2008 ein Mann, der seit zwei Jahren als „Nacktläufer von Gunzenhausen“ für Aufsehen sorgte, das Verwaltungsgericht Ansbach. Auch nach einer Zwangsgeldandrohung wurde er, nur mit Turnschuhen bekleidet, beim Spazierengehen gesehen. Darauf forderte ihn das Landratsamt auf, 300 Euro zu bezahlen. Der 51-Jährige zahlte nicht, sondern klagte dagegen und berief sich auf das „Grundrecht der Kunstfreiheit“, zu der seiner Meinung nach auch seine Nacktaktivitäten zählten. Die Richter ließen sich nicht auf eine Grundsatzdiskussion über künstlerische Freiheiten ein. Ergebnis: „Der Mann verpflichtete sich, bei seinen Spaziergängen ein mindestens 20 mal 30 Zentimeter großes Handtuch wie einen Lendenschurz um die Hüften zu tragen.“
    „Nacktes Auftreten in der Öffentlichkeit ist nicht immer Kunst.“ Zu diesem Ergebnis kam auch das Oberverwaltungsgericht Münster am 18. Juni 1996. Die Richter mussten darüber befinden, ob sich ein Nackt-Läufer auf den Schutz des Grundgesetzes mit der Begründung der Kunstausübung berufen kann. Das OVG verneinte dies, meinte in seinem Urteil, „ das Zurschaustellen des nackten Körpers in der Öffentlichkeit kann gegen die öffentliche Ordnung verstoßen“. Allein die Präsentation des eigenen nackten Körpers sei noch nicht „künstlerische Bestätigung im Sinne freier schöpferischer Gestaltung“.
    2002 ging es in dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg ebenfalls um einen Nackt-Jogger. Dem Mann war zuvor untersagt worden, sich nackt auf öffentlichen Flächen im Stadtgebiet von Freiburg aufzuhalten. Gegen das Verbot soll er am 11. Oktober 2001 verstoßen haben.
    Vor dem Verwaltungsgericht wurde sein Widerspruch abgelehnt. Der Antragsteller führte dazu aus, er halte sich „peinlich genau“ an die Auflagen und gehe „nur noch mit einer hautfarbenen vollständigen Penisverhüllung“ spazieren. Die Richter dagegen sahen in dem Verhalten des Nacktläufers eine „grob ungehörige Handlung“, die geeignet sei, die Allgemeinheit zu belästigen und die Öffentlichkeit zu beeinträchtigen. „Dabei ist es unerheblich, ob das Geschlechtsteil völlig entblößt oder mit einer nicht befestigten Damenperlonsocke verhüllt ist, die den Blick auf das Geschlechtsteil oder Teile davon auf Grund des durchsichtigen Materials oder bei der Bewegung freigibt."

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