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  • Dauerdebatte Schlägereien, Lärm, anfahrende Autos: Im historischen Stadtkern kehrt nur selten Ruhe ein

    Lärm im historischen Stadtkern: Neustadtbürger fühlen sich vernachlässigt

    Bad Kreuznach. „Ich wohne seit 30 Jahren über dem Hut Vetter. Ich kann am Wochenende nicht mal die Fenster aufmachen.“ Ständig sei hier Remmidemmi. „Seitdem das Ordnungsamt vom Eiermarkt weggezogen ist, habe ich den Eindruck, die leben jetzt auf dem Mond.“ „Hier fahren rund um die Uhr Autos vor, tiefergelegte Karren, die Gas geben. Und die Taxis halten sich auch nicht an die Einfahrregelungen.“ Die Beamten des Bad Kreuznacher Ordnungsamtes bekamen von den Bürgern der Neustadt einiges zu hören.

    Am Mittwoch hörten sich Mitarbeiter des städtischen Amtes für Recht und Ordnung die Sorgen der Neustadtbewohner an.
    Am Mittwoch hörten sich Mitarbeiter des städtischen Amtes für Recht und Ordnung die Sorgen der Neustadtbewohner an.
    Foto: Marian Ristow

    Denn dort ist der Ärger groß, die Ärgernisse vielfältig. Die Anwohner fühlen sich um den Schlaf gebracht. Und das nicht erst seit gestern. Die Problematik rund um Ruhestörungen, alkoholbedingte Entgleisungen und Wildparken im historischen Stadtkern, seit Jahren auch Bad Kreuznachs Kneipenviertel, sind seit langem bekannt. Die Stadtverwaltung plant nun, eine Sperrstunde einzuführen, um zumindest am Wochenende für etwas Ruhe zu sorgen. Bisher gab es nur die sogenannte „Putzstunde“, die zwischen 5 und 6 Uhr morgens einen Betrieb untersagte.

    Der Versuch eines Dialoges zwischen Mitarbeitern des Ordnungsamtes und echauffierten Anwohnern, der am Mittwoch rund 15 Anwohner des Viertels zusammenbrachte, stand unter keinem guten Stern. Zu groß ist der Ärger der Neustadtbürger, zu gering sind die Handlungsmöglichkeiten der anwesenden Beamten.

    Zur Sprache kamen Themen, die schon seit Jahrzehnten auf der Agenda stehen. Allen voran: die nächtlichen Ruhestörungen, die den Anwohnern, vor allem am Wochenende, den Schlaf rauben. Und gerade dieser Konflikt scheint unlösbar. Das beginnt bei der äußerst schwierigen Diagnostik. Von einem „grundsätzlichen Problem“ spricht Heiderose Häußermann, die Leiterin des Amtes für Recht und Ordnung, die selbst schon nachts in der Neustadt unterwegs war, um den Lautstärkepegel zu messen.

    „Unsere Mitarbeiter haben geeichte Geräte, aber es geht darum, die Lautstärke im Mittel zu messen, nicht die Spitzenwerte“, versucht sich die Stadtrechtsdirektorin in einer Erklärung. Das bedeutet: Der von einer Kneipe ausgehende Lärm mag im Mittel im erlaubten Bereich liegen, gegen vorübergehende Geräusche deutlich über dem erlaubten Wert ist kein disziplinarisches Kraut gewachsen. Der Verursacher, zum Beispiel ein laut anfahrendes Auto, ist schon längst über alle Berge, bis sich jemand der Sache annimmt.

    Dass das Ordnungsamt insgesamt zu wenig, vor allem in den späten Abend- und Nachtstunden, kontrolliere, daran liege es nicht, versichert Häußermann. Das sehen die Anwohner anders. Das wurde deutlich: Sie vermissen die Präsenz des Ordnungsamtes auch an Feierwochenenden.

    Diese Problemlage hat Bad Kreuznach nicht exklusiv, Altstädte sind deutschlandweit Orte, an denen unterschiedliche Wohn- und Lebenskonzepte aufeinandertreffen. Positiv formuliert nennt man das „urbanes Leben“, sachlich gesprochen verschärft diese schwache Sozialstruktur die Probleme spürbar. Meistens als Mischgebiet definiert, kollidieren hier Wohngegend und Partymeile miteinander, das Resultat ist für die Wenigsten zufriedenstellend. Die Anwohner beklagen sich über nächtlichen Lärm, die Gastronomen über zu lange Sperrstunden – und die Behörden sind maximal gefordert, zeitweise auch überfordert.

    Von unserem Reporter Marian Ristow

    Kommentar: Alibi-Termine verschwenden Zeit

    Was für ein Termin. Zwei bemitleidenswerte Mitarbeiter des Ordnungsamtes, deren Einsatz ich gar nicht infrage stellen möchte, sehen sich einer Horde Wutbürger gegenüber, die langsam die Schnauze voll hat.

    Mehr als Ausflüchte und das Versprechen, die Anliegen der Bürger weiterzugeben, gab es nicht. Daran tragen die Beamten aber keine Schuld. Die machen ihren Job. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Alibi-Termine muss erlaubt sein. Bürger, die sowieso schon enttäuscht sind von der vermeintlichen Untätigkeit der Verwaltung, dürfen sich zumindest mal gehört fühlen. Konsequenzen? Keine. Ohne Entscheidungsträger oder Führungskräfte sind solche Termine sinnlos.

    Dabei interessiert es die Anwohner auch reichlich wenig, dass das Ordnungsamt nur für den „ruhenden Verkehr“ zuständig ist oder gewisse Dienstzeiten berücksichtigen muss. Die Anwohner wollen Lösungen und keine Ausflüchte. Die Sperrstunde könnte ein Ansatz sein. Dass dieser den Gastronomen nicht passt, muss man aber auch verstehen können.

    E-Mail: marian.ristow@ rhein-zeitung.net

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