40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Oeffentlicher Anzeiger
  • » Interview: Wenn die Postfrau zweimal klingelt
  • Aus unserem Archiv

    Bad KreuznachInterview: Wenn die Postfrau zweimal klingelt

    Heute ist der internationale Danke-einem-Briefträger-Tag. Der „Oeffentliche“ hat die 35-jährige Monja Secker getroffen, die seit rund 20 Jahren bei jedem Wetter mit ihrem gelben Fahrrad durch Bad Kreuznach düst, um den Menschen ihre Post zu bringen.

    Monja Secker liebt ihren Beruf: Tag für Tag radelt sie bei jedem Wetter durch Bad Kreuznachs Gassen, um den Menschen ihre Post zu bringen. Obwohl sie zügig unterwegs ist, bleibt für ein kleines Schwätzchen an der Haustür immer Zeit.
    Monja Secker liebt ihren Beruf: Tag für Tag radelt sie bei jedem Wetter durch Bad Kreuznachs Gassen, um den Menschen ihre Post zu bringen. Obwohl sie zügig unterwegs ist, bleibt für ein kleines Schwätzchen an der Haustür immer Zeit.
    Foto: carsten zillmann

    Als Postbote ist Sportlichkeit ein Muss: Bis zu 2000 Haushalte beliefert Secker am Tag, erklimmt rund 30 Stockwerke. Die Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr, wie inzwischen die korrekte Berufszeichnung lautet, plaudert im Interview aus dem Nähkästchen und verrät unter anderem, warum sie keine Angst vor Hunden hat.

    Frau Secker, der heutige Samstag wird von Fans kurioser Feiertage als Danke-einem-Briefträger-Tag angesehen. Danken Ihnen die Menschen für Ihre tägliche Arbeit?

    Man bekommt schon Anerkennung von den Leuten draußen. Die haben Mitleid, wenn das Wetter schlecht ist oder wenn man an Heiligabend arbeitet; manche schenken einem ab und zu ein Stückchen Schokolade. Man bekommt das ganze Jahr über immer wieder Dank von den Leuten. Unsere Arbeit wird gewürdigt.

    Haben WhatsApp, Facebook und E-Mails Auswirkungen auf die Anzahl der Briefe?

    Die klassischen bunt geschmückten Liebesbriefe oder Freundschaftsbriefe, die sind schon weniger geworden. Man hat zwar noch ab und zu einen Brief, der außen schön bemalt ist, vom Enkelkind an die Oma, aber davon gibt es inzwischen viel weniger.

    Schicken sich die Leute denn noch Postkarten?

    Ja, Postkarten werden noch viele geschrieben, vor allem Ansichtskarten.

    Gerät man da manchmal in Versuchung, die Urlaubsgrüße zu lesen?

    Man guckt sich schon mal die Bilder auf der Karte an, um zu wissen, wo sich die Leute gerade befinden, aber wir lesen die Karten nicht. Die Privatsphäre muss gewahrt werden. Dafür hätten wir auch gar keine Zeit.

    Apropos Zeit, man sieht allerorts Postboten von Haustür zu Haustür hetzen. Bleibt da noch Zeit, um mit den Leuten zu tratschen oder eine Tasse Kaffee zu trinken?

    Wir flitzen schon. Aber wir nehmen uns auch mal die Zeit, um mit den Leuten was zu trinken, obwohl das mittlerweile seltener vorkommt als früher. Ein Tür-zu-Tür-Plausch ist aber schon drin. Viele ältere Leute warten sehnsüchtig auf uns, wenn die wissen, der Postbote kommt um 11, dann stehen die am Fenster und fragen, ob man Post für sie hat, und wie es einem geht. Wenn man Zeit in ein Schwätzchen investiert, macht man halt später Feierabend. Das nehme ich in Kauf, denn ich finde es schön, mich mit den Menschen zu unterhalten.

    Die Überbringer schlechter Nachrichten wurden in der Antike geköpft. Lassen die Leute ihre Wut an Ihnen aus, wenn sie an der Größe des Umschlags oder am Absender erkennen, dass ein Brief schlechte Nachrichten enthalten könnte?

    Nein, überhaupt nicht. Man bekommt schon mal die Enttäuschung mit, wenn man jemandem eine Bewerbungsmappe zurückbringt, aber wütend wird niemand.

    Und umgekehrt? Teilen die Leute ihre Freude mit Ihnen?

    Es kommt immer darauf an, wie bekannt man bei den Leuten ist. Wenn man Vertretung macht, bekommt man nicht viel erzählt, aber wenn man in seinem Stammbezirk unterwegs ist, dann erzählen einem die Leute schon, dass ihre Reha genehmigt wurde oder dass in dem Umschlag eine Einladung zum Vorstellungsgespräch steckt.

    Als Zusteller sieht man die Menschen morgens sicherlich oft von ihrer eher naturbelassenen Seite. Schämen Sie sich manchmal fremd?

    Nein, das ist für uns eigentlich schon normal, dass uns die Leute im Bademantel die Tür aufmachen, oft schmeißen wir die morgens aus dem Bett, sodass die total verpennt vor einem stehen und dann entspannt man die Situation mit einem Lächeln.

    Schon mal von einem Hund gebissen worden?

    Nein. Natürlich werde ich auch mal angebellt, wenn die Hunde ihr Revier verteidigen wollen, aber ich hab immer Leckerlis in der Tasche. Die Hunde in meinem Revier kennen mich und warten schon auf mich. Ich kenne einen Hund, wenn der mein E-Bike hört, dann spielt der verrückt und will gekrault werden und erst wenn das erledigt ist, kann ich weiter meine Runde machen. Vereinzelt sind Kollegen auch schon mal in die Wade gebissen worden, aber das sind Ausnahmen.

    Muss man sich als Frau manchmal fürchten, bei fremden Menschen an der Haustür zu klingeln?

    Ich hatte bisher bei der Arbeit noch nie Angst. In die Wohnung gehen wir ja nicht rein, wir bleiben an der Tür stehen.

    Welchen Satz können Sie im Arbeitsalltag nicht mehr hören?

    „Da kommt die Christel von der Post.“ Das sagen vor allem die älteren Leute sehr gern, denen ist der gleichnamige Heimatfilm noch sehr präsent.

    Wie haben sich denn die Bezirke in Bad Kreuznach mit den Jahren verändert?

    Die sind größer geworden. Vor 15 Jahren war Bad Kreuznach noch nicht so dicht besiedelt. Die Haushalte sind zwar in der Summe mehr geworden, aber alles ist inzwischen viel kompakter.

    Sie düsen mit Ihrem Fahrrad durch die Gassen, sind bei jedem Wetter unterwegs. Ist Erkältung für Sie ein Fremdwort?

    Ich war schon ewig nicht mehr erkältet. Postboten sind abgehärtet.

    Können Sie sich die Gebühren fürs Fitnessstudio sparen?

    Ich laufe am Tag circa 17 Kilometer, mit dem Fahrrad sind es noch mal zehn. Da werden die Waden schön stramm. Aber der Rücken wird zum Beispiel gar nicht trainiert. Deswegen mache ich in meiner Freizeit trotzdem Aerobic.

    Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?

    Die Abwechslung. Man arbeitet im Team, wenn man morgens die Post sortiert, ist an der frischen Luft, kann sich sein Pensum selbst einteilen. Mir gefällt auch, dass ich die Kinder in meinen Revieren aufwachsen sehe. Es gibt viele Haushalte, denen ich vor vielen Jahren zur Geburt die Glückwunschkarten vorbeigebracht habe, und manche der Kinder sind inzwischen schon 18 und haben ein Auto vor der Tür stehen.

    Das Gespräch führte Silke Bauer

    Bad Kreuznach
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    UMFRAGE
    Beim Jahrmarkt: Lieber sicher oder lässig?

    Die Sicherheitsstrategie auf der Bad Kreuznacher Pfingstwiese ist weniger streng als im letzten Jahr. Hunderttausende werden dort zum Jahrmarkt erwartet. Wie finden Sie das?

    Anzeige
    Online regional
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

    E-Mail

    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Samstag

    11°C - 21°C
    Sonntag

    11°C - 21°C
    Montag

    13°C - 23°C
    Dienstag

    14°C - 25°C
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Jahresrückblick 2016