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    Kreis Bad KreuznachGetreidepreise: Landwirt ist der erste Spekulant

    Die Getreideernte ist so gut wie eingefahren. Mit Erträgen von durchschnittlich 60 bis 70 Doppelzentnern pro Hektar und der Qualität sind die Landwirte zufrieden. Was ihnen zu schaffen macht, sind die niedrigen Preise.

    Die Ernte ist größtenteils eingefahren. Menge und Qualität stimmen. Was die Landwirte beschäftigt, sind die niedrigen Preise.
    Die Ernte ist größtenteils eingefahren. Menge und Qualität stimmen. Was die Landwirte beschäftigt, sind die niedrigen Preise.
    Foto: Benjamin Stöß

    Die liegen weit unter dem Vorjahresniveau – durchgehend vom Winterweizen bis zum Raps. Oft wird in solchen Fällen das Lied von den „bösen Spekulanten" an den Börsen angestimmt, doch auch Werner Küstner, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes an Nahe und Glan, stellt klar: „Ohne sie geht es nicht, denn über die Börsen erhalten die Landwirte die Preissicherung für künftige Geschäfte."

    Da kann Jürgen Kiefer nur zustimmen. Er ist seit mehr als 40 Jahren in der Branche unterwegs, hat sein eigenes Börsenmaklerbüro in Bad Münster-Ebernburg. „Es gibt keinen Landwirt, der nicht genau die Börsen beobachtet", erklärt er. In Zeiten des Internets weiß jeder alles, ist das System wesentlich transparenter geworden – für den Außenstehenden aber nach wie vor komplex. Fakt ist: Der Landwirt ist bereits der erste Spekulant, indem er frühzeitig eingreift und sich Preise sichert. Weit bevor die wirkliche Ernte eingefahren ist.

    Der Preis selbst ist von weltweiten Faktoren abhängig. Insbesondere von den großen Märkten wie USA oder Russland. „Es gibt kaum einen Bereich an den Börsen, der so sensibel auf kleinste Veränderungen reagiert", macht Kiefer deutlich. Da reicht schon die Ankündigung, dass es eventuell dürrebedingte Ausfälle in Russland oder im mittleren Westen der USA geben könnte.

    Bisher gebe es auch keine seriösen Studien, die belegen, dass Investoren die Preise an den Börsen maßlos nach oben treiben, ergänzt Kiefer. „Wenn wir keine Börsen hätten, ginge es nur über staatlich garantierte Preise", sagt Werner Küstner, „und das will auch keiner." Klar: Jeder Landwirt will möglichst einen ordentlichen Schnitt machen. Er kann sich natürlich auch verzocken. Doch grundsätzlich engagieren sich Investoren an den Börsen nicht nur in eine Richtung, sondern setzen auch auf fallende Preise – was oft bei der Diskussion vergessen oder ausgeblendet wird. „Mittelfristig gleichen sich die Positionen also aus", erläutert Kiefer. „Nur, wenn Terminmärkte ausreichend liquide sind, also dort genügend Umsatz stattfindet, funktionieren sie."

    Deshalb hält er auch nichts von der Finanztransaktionssteuer, die 2014 eingeführt werden soll. Um angeblich Spekulationen einzudämmen und höhere Agrarpreise zu verhindern. „Genau das Gegenteil wird der Fall sein", ist Kiefer überzeugt. Die Steuer würde viele Investoren von den Agrarmärkten abhalten. Damit würden zusätzliche Kosten für beispielsweise Weizen- und Rapskontrakte entstehen. Heißt: Die Umsätze an den Börsen sinken. „Und die Preisschwankungen schlagen schneller als bisher auf die Verbraucherpreise durch", fasst Kiefer zusammen.

    Auch wenn er den Landwirten gegenüber keine genaue Prognose abgeben kann: Für die Entwicklung der aktuellen Preise sieht der Makler längst nicht so schwarz. Sie seien bereits in den vergangenen Tagen wieder gestiegen. „Und die Anzeichen verdichten sich, dass sie weiter steigen werden."

    Stephan Brust

    Bad Kreuznach
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