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  • Busse und Bahnen - auch für Menschen mit Behinderung einfach nutzbar?

    Kreis Bad Kreuznach. Busse und Bahnen auf dem Lande in einem intensiv getakteten ÖPNV-System: Das wünschen sich alle, doch es muss sich rechnen. Drauflegen will und kann keiner der Betreiber.

    Eine Rampe für Menschen mit Behinderungen: ORN-Busfahrer Manfred Reeb (62) aus Seibersbach klappt die Rampe an seinem Bus mit einem Metallstab per Hand aus, wenn mal ein Rollifahrer rein will. Unser Bild entstand am Montagabend am Bad Kreuznacher Bahnhof.
    Eine Rampe für Menschen mit Behinderungen: ORN-Busfahrer Manfred Reeb (62) aus Seibersbach klappt die Rampe an seinem Bus mit einem Metallstab per Hand aus, wenn mal ein Rollifahrer rein will. Unser Bild entstand am Montagabend am Bad Kreuznacher Bahnhof.

    Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

    Die Rentabilität, wenn auch unausgesprochen, bestimmte die Diskussion im Beirat für behinderte und beeinträchtigte Menschen am Montagnachmittag in der Kreisverwaltung mit, als es um die Beförderung beispielsweise von Rollifahrern oder Sehbehinderten ging.

    In Schülerspitzenzeiten einen zweiten, kleineren Bus einsetzen, der die Dörfer ansteuert? „Das ist unrentabel“, sagte Niederlassungsleiter Joachim Mader von DB Regio und Omnibus Rhein-Nahe (ORN) mit 35 eigenen und zahlreichen Auftragsfahrzeugen im Beirat, „wir können kein Zuschussunternehmen betreiben. Das Problem mit den Spitzenzeiten ist nicht lösbar.“ Schon bei der Ausweisung von Baugebieten solle man sich an bestehenden ÖPNV-Trassen und einem hohen Fahrgastaufkommen orientieren, wünscht er sich, denn zu jedem noch so kleinen Baugebiet im Soonwald einen Bus schicken? „Das geht nicht.“ In Nieder-Olm sei grade ein Baugebiet für 3000 Menschen ausgewiesen worden. „Das binden wir jetzt mit viel Geld an“, meinte Mader wenig begeistert. Kommunen müssten ihre geplanten Baugebiete nennen, dann könnten sie ins ÖPNV-System eingebunden werden und außerdem würden die Behindertenbeiräte gehört, forderte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen.

    Nun ging es aber in der Beiratssitzung nicht in erster Linie um die Gretchenfrage nach dem Geld, das auch dem Kreis fehlt. Die ÖPNV-Verantwortlichen von Vlexx, Deutscher Bahn, ORN und Stadtbusse Bad Kreuznach präsentierten vor allem ihre täglichen Angebote und belegten, dass sie durchaus an Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen denken. Mit dem Service habe sich Newcomer Vlexx zum Betriebsstart 2014 schwer getan, räumte Christian Siemer, Prokurist des 290 Mitarbeiter und 63 Fahrzeuge starken und 666 Kilometer bedienenden Unternehmens, ein: „Mittlerweile haben wir durch kontinuierliche Umfragen einen guten Qualitätswert erreicht. Schulnote: 1,7.“ Die Wagen seien allesamt barrierefrei, videoüberwacht und mit einem leicht bedienbaren Fahrplan-Infosystem ausgestattet.

    Auf nicht niveaufreien Bahnsteigen helfe man mit einer per Knopfdruck im Wagen anzumeldenden Ausstiegshilfe, einer Rampe, die von einem Mitarbeiter per Hand angebracht werde. „Grundsätzlich läuft das gut. Bitte auf den Knopfdruck antworten“, bat Landesbeauftragter Matthias Rösch. Das gebe den Reisenden ein Stück Sicherheit. „Was wenn die ein, zwei Rollstuhlplätze in den Wagen nicht reichen?“, fragte Cindy Davi, selbst Rollifahrerin, von der Zentralstelle für selbstbestimmtes Leben (ZsL). Die Wagen böten ausreichend Platz, so Siemer. Bei frühzeitiger Anfrage (Mobilitätsservice: 0180/651 25 12) gebe es durchaus ein wenig Spielraum. „Zehn Minuten Zugstopp reichen oft nicht, wenn man seinen Anschlusszug erreichen will“, bat Benno Wolf (ZsL) um Flexibilität. Das sei der engen Fahrplan-Taktung wegen nicht möglich, erklärte Heinz-Jürgen Wolf von der Deutschen Bahn in der Beiratssitzung.

    Mit 47 Fahrzeugen, davon 41 ständig im Einsatz, ist „Stadtbusse Bad Kreuznach“ täglich unterwegs. Man habe jeweils eine Sitzreihe ausbaulassen, um Platz für Rollstuhlfahrer zu bekommen, sagte Sven Malz. Auch ausklappbare Rampen gehörten zu jedem der absenkbaren Busse. Einen Million Euro habe man in neue und barrierefreie Technik investiert. Vom nicht barrierefreien Firmensitz an der Ringstraße 128 wolle man zurück an den Europaplatz; dort gebe es noch zu viele Bordsteine und Stufen. Die müssten weg. Malz: „Wir arbeiten mit der Stadt an diesem Thema.“

    Modernisierung von Bahnhöfen: Ab 1000 Reisenden pro Tag wird barrierefrei ausgebaut

    5700 Bahnhöfe und Haltepunkte hat die Bahn in Deutschland; 100 werden pro Jahr modernisiert und teils barrierefrei hergerichtet. Darüber informierte Heinz-Jürgen Wolf von der Bahn. Die Bahnsteige seien der wichtigste Aspekt, um zu einer Barrierefreiheit zu kommen. Die Höhendifferenzen reichten von 38 bis 96 Zentimeter. Im Kreis Kreuznach habe man eine durchschnittliche Steighöhe von 55 Zentimetern, in Mainz seien es 76. Er, so Wolf, favorisiere leicht ansteigende Rampen, denn teure Aufzüge seien nicht selten defekt und zudem häufig beschädigt.

    Ab 1000 Reisenden täglich ist die Barrierefreiheit vorgeschrieben. Abweichungen seien möglich, aber Verhandlungssache mit der Bahn, die für ihre Bahnhöfe von privaten Streckenbetreibern ein Entgelt enthält. Daraus ergebe sich das Projektvolumen, das sonst nur durch höhere Fahrkartenpreise gedeckt werden könne: „Das aber ist politisch nicht gewollt.“ Gensingen-Horrweiler werde 2017 endsaniert sein, über den wichtigen Kreuzungsbahnhof Bad Münster verhandele man momentan. Es gehe nicht nur um Rollis, auch um Radler und Mütter mit Kinderwagen.

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    Gerhard Engbarth

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