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  • Beistand seit zehn Jahren: Interventionsstelle hilft geschlagenen Frauen

    Bad Kreuznach. Bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen Frauen rasch und unbürokratisch helfen – seit zehn Jahren gibt es die Interventionsstelle im Bad Kreuznacher Frauenhaus.

    Die Interventionsstelle, im Bad Kreuznacher Frauenhaus beheimatet, ist notwendig, mittlerweile sogar unverzichtbar. Das stellte eine Runde, die am Dienstagnachmittag im Frauenhaus nach den ersten zehn Jahren der Stelle eine kurze Bilanz zog, fest. Unser Bild zeigt (vorn, von links) Maka Davitashvili und Petra Wolf von Frauenhaus und Interventionsstelle sowie Corinna Koch, die Leiterin der Polizeiinspektion Bad Kreuznach. Hinten von links: der Bad Kreuznacher Kripo-Chef Roland Maurer, Stellvertreter Harald Gäns und Leiter Achim Reimann von der PI Kirn, stellvertretender Leiter Andreas Henschel von der PI Bingen, Achim Hannes, Chef der Polizeidirektion mit Sitz in Rüdesheim, und Stellvertreter Werner Peter, der Bezirksbeamte der Interventionsstelle und der einstigen VG Bad Münster am Stein-Ebernburg, Walter Brendel, sowie Stellvertreter Arndt Hebel von der PI Bad Kreuznach.
    Die Interventionsstelle, im Bad Kreuznacher Frauenhaus beheimatet, ist notwendig, mittlerweile sogar unverzichtbar. Das stellte eine Runde, die am Dienstagnachmittag im Frauenhaus nach den ersten zehn Jahren der Stelle eine kurze Bilanz zog, fest. Unser Bild zeigt (vorn, von links) Maka Davitashvili und Petra Wolf von Frauenhaus und Interventionsstelle sowie Corinna Koch, die Leiterin der Polizeiinspektion Bad Kreuznach. Hinten von links: der Bad Kreuznacher Kripo-Chef Roland Maurer, Stellvertreter Harald Gäns und Leiter Achim Reimann von der PI Kirn, stellvertretender Leiter Andreas Henschel von der PI Bingen, Achim Hannes, Chef der Polizeidirektion mit Sitz in Rüdesheim, und Stellvertreter Werner Peter, der Bezirksbeamte der Interventionsstelle und der einstigen VG Bad Münster am Stein-Ebernburg, Walter Brendel, sowie Stellvertreter Arndt Hebel von der PI Bad Kreuznach.

    Sie koordiniert die Hilfe für Frauen, stabilisiert sie, arbeitet für sie und mit ihnen einen Sicherheitsplan aus und hilft, wenn nötig, bei der Wohnungssuche.

    Und sie kooperiert eng mit der Polizei in der Region, so es die Frauen möchten. Denn ohne Einverständnis der Gewaltopfer geht – der Datenschutz gebietet es – nichts.

    Fazit der beiden Frauenhaus-Mitarbeiterinnen – Diplom-Sozialarbeiterin Petra Wolf, die das Frauenhaus leitet, und Sozialpädagogin Maka Davitashvili, die seit April 2016 die Kinder im Frauenhaus betreut –, die auch die Arbeit der Interventionsstelle leisten, und der Polizei nach den jetzt endenden ersten zehn Jahren: gut, dass es diese zivile Stelle, die sich als starkes Bindeglied in der staatlichen Schutzkette bewährt hat, gibt.

    Die Interventionsstelle, eine von 16 in Rheinland-Pfalz, ist im ersten Stock des sieben Plätze kleinen und seit 1990 bestehenden Frauenhauses angesiedelt. Das Land schießt jährlich 25 500 Euro für Personal- und Sachkosten zu. Den Rest (7500 Euro) muss der Trägerverein des Frauenhauses – „Frauen helfen Frauen“ um Helga Baumann, Maria Janta und Dr. Susanne Kother-Groh – jährlich durch Spenden und Aktionen wie beispielsweise eine besondere Filmreihe im Cineplex („Feminale“) beisteuern, bekommt überdies Bußgelder zugewiesen.

    Die Interventionsstelle ist für das Gebiet der Polizeidirektion mit Sitz in Rüdesheim und ihren Inspektionen (PI) Bingen, Bad Kreuznach und Kirn sowie einen Teil der VG Herrstein, aber nicht für die VG Meisenheim (PI Lauterecken) zuständig. Einzugsgebiet: 203 000 Einwohner in 130 Städten und Gemeinden. Beide Frauen knüpfen mit am Netzwerk zu Polizei, Staatsanwaltschaft und Behörden, um ihren von Gewalt heimgesuchten Frauen praktikable Kriseninterventionshilfen bieten zu können.

    In den zurückliegenden zehn Jahren gab es 786 gemeldete Gewaltfälle. Das sind zwischen 3 und 4 Prozent der jährlichen Straftaten und anderen Delikten in den Polizeiinspektionen: 2200 sind es insgesamt in der PI Kirn, 4000 in der PI Bad Kreuznach und 3500 in der PI Bingen. Die Zahlen der gemeldeten und von der Polizei weiterverfolgten Fälle zeigt einen steigenden Trend: 2006 gab es in der PI Bad Kreuznach 47 gemeldete Gewaltfälle, 2016 (bis 30. November) sind es schon 98. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, weil viele Frauen nach der Gewalterfahrung ihre Fälle nicht mitteilen oder sie nicht weiter verfolgt sehen wollen, selbst wenn sie von der Interventionsstelle darauf angesprochen werden. Viele Frauen wollen die Tat vor ihrem nächsten Umfeld verbergen, geben sich selbst die Schuld am Fehlverhalten ihres Partners und hoffen, dass er sich ändert. Und sie entwickeln Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern.

    Die Annahme, dass mit dem Gewaltschutzgesetz ab 2002 Frauenhausaufenthalte überflüssig sind, bewahrheitete sich nicht. Mit dem „pro aktiven“ Ansatz der Interventionsstelle werden heute Frauen erreicht, die im Hilfesystem sonst nie sichtbar würden. Der Alltag eines Gewaltfalles in engen sozialen Beziehungen: Nicht selten ist Alkohol im Spiel, wenn ein Mann zuschlägt, dabei nicht unterscheidend, ob er Frau oder Kind trifft. Nachbarn, Freunde oder auch die Frau selbst rufen die Polizei zu Hilfe; die nimmt den Verlauf auf und informiert die Frau – mittlerweile ist das Routine – über die Interventionsstelle im Frauenhaus. Stimmt die Geschlagene zu, übermittelt die Polizei die Daten innerhalb von drei Tagen an die I-Stelle. Erst dann können Petra Wolf und Maka Davitashvili tätig werden. Sie kontakten die Frau und bieten ihr eine konkrete Hilfe an.

    Noch am Abend der Alarmierung kann die Polizei dem Mann einen Platzverweis und ein zehntägiges Näherungsverbot auferlegen, folgt damit dem Prinzip „Wer schlägt, der geht“. In dieser Zeit erwirkt sie eine richterliche Verfügung, die Platzverweis und Näherungsverbot auf bis zu sechs Monate verlängern kann. In diesem Zeitraum können die Beteiligten (vor allem die Frauen und die Kinder) das Geschehene verarbeiten, und die erwachsenen Partner können aufeinander zugehen, miteinander sprechen und eine einvernehmliche Lösung finden. Das wäre der Idealfall. Sollte eine Konfliktlösung nicht möglich sein, kommen die Frauen und Kinder wenigstens kurze Zeit zur Ruhe vor dem schlagenden und des Platzes verwiesenen „Familienoberhauptes“.

    Die Ursachen des Schlagens? Wer wollte, wer könnte sie nennen? Schlagen vor allem geprügelte Kinder, die später selbst Väter sind? Gibt es eine unausgeglichene Partnerschaft, in der die Frau stärker ist als der Mann, sei es emotional oder materiell? Bei der Frage nach solchen Ursachen muss die Polizei passen, nicht etwa, weil sie es nicht wüsste, sondern weil es nicht ihre primäre Aufgabe ist. Die Frauen der Interventionsstelle können einen Schritt weiter gehen; sie lernen die traumatisierten Frauen kennen, zeigen ihnen einen individuellen und sicheren Weg auf und können so im Nachhinein dabei helfen, die emotionalen Wunden zu heilen.

    Geschlagene Frauen: 28- bis 40-Jährige die größte Gruppe

    Das Bad Kreuznacher Frauenhaus hat 3,75 Stellen, die sich sieben Mitarbeiterinnen teilen. Seit Oktober 2006 steht eine weitere halbe Stelle, die Petra Wolf und Maka Davitashvili (Georgien) besetzen, für die Interventionsstelle (I-Stelle) zur Verfügung. Von den 786 Gewaltmeldungen an die Interventionsstelle seit 2006, als auch der Runde Tisch zum Thema Gewalt gegründet wurde, kamen 487 von der Polizeiinspektion Bad Kreuznach, 133 von der PI Bingen und 116 von der ländlich geprägten PI Kirn. 28 Frauen gingen auf Hinweis der Kripo Bad Kreuznach und anderer Dienststellen, 22 Frauen nahmen von sich aus Kontakt zur I-Stelle auf. Die Altersstruktur der geschlagenen Frauen nennt die 28- bis 40-Jährigen als größte Gruppe mit 274 Fällen. Ihr folgen die 41- bis 50-Jährigen mit 142 und die 22- bis 27-jährigen Frauen mit 125 Fällen.

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