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  • Serie Band um Ernie Seidemann schaffte den Weltrekord im Dauerbeat

    Vandellas: Ein klingendes Stück Bad Kreuznacher Musikgeschichte

    Bad Kreuznach. Er schrieb ein Stück Bad Kreuznacher Musikgeschichte: Ernie Seidemann. Jahrelang war der Sänger und Bassist, der eigentlich Ernst mit Vornamen heißt, mit unterschiedlichen Bands unterwegs, nahm professionell Songs auf und feierte damit große Erfolge. Er prägte nicht nur die Zeit seiner eigenen Jugend, sondern auch die der Generationen nach ihm.

    1964 stieß Ernie Seidemann (2. von links) zur Gruppe The Holidays, die sich dann in The Vandellas umbenannte. Zur Band gehörten noch (von links): Peter Kohn, Georg Scheidl und Herbert Matthes. Foto: Sammlung Seidemann
    1964 stieß Ernie Seidemann (2. von links) zur Gruppe The Holidays, die sich dann in The Vandellas umbenannte. Zur Band gehörten noch (von links): Peter Kohn, Georg Scheidl und Herbert Matthes.
    Foto: Sammlung Seidemann

    Mittlerweile ist Seidemann verstorben, doch mit seiner Frau Renate blickt der „Oeffentliche“ auf das bewegte Leben des Vollblutmusikers und auf die Kreuznacher Partyszene zurück.


    SERIE: Eine wilde Zeit


    Erinnerungen an Kultiges der vergangenen Jahrzehnte

    Alle Serienteile im Überblick

    Eine junge Liebe

    Eine Liebesgeschichte begann im Dunkel des versteckten Ellerbachkellers. Im Schlepptau ihres Bruders Alfred Daut war Renate Seidemann, die alle nur Nadi nannten, in die Musikkneipe im Zwingel gekommen. Die Band, die dort an diesem Abend spielte, sollte der damals 15-Jährigen schneller bekannt werden, als sie es zu Beginn des Abends ahnte. „Alfred hatte mir erzählt, dass der Sänger eine besonders schöne Stimme hat – also bin ich mitgegangen“, erinnert sich die 68-Jährige.

    Ihr sind nur wenige Erinnerungen geblieben: Renate Seidemann verlor einen Großteil ihrer Fotos und Zeitungsausschnitte bei einem Hausbrand. An die wilde Zeit denkt sie gern zurück.  Foto: Désirée Thorn
    Ihr sind nur wenige Erinnerungen geblieben: Renate Seidemann verlor einen Großteil ihrer Fotos und Zeitungsausschnitte bei einem Hausbrand. An die wilde Zeit denkt sie gern zurück.
    Foto: Désirée Thorn

    Ihr Bruder hatte recht: Der Gesang gefiel ihr und mit ihm noch anderes an dem jungen Musiker. Doch Ernie Seidemann war bereits vergeben – an eine Freundin von Renate. „Sie fragte mich, ob ich Ernie mal ein paar Wochen ,ausleihen' wolle“, erzählt Renate Seidemann von dem kindlich-naiven Abkommen der Freundinnen. Und aus ein paar Wochen wurde ein Leben lang – denn die Erzieherin war bald schwanger und so wurde schon mit 16 Jahren geheiratet.

    In den 70ern wurde es enger auf der Bühne für die Vandellas. Beim Hata-Ball, der 1974 im Kreuznacher Kurhaus stattfand, spielten sie bereits zu sechst. Mit dabei waren (von links): Gitarrist Heino Spreitzer, Sängerin Judith, Ernie Seidemann am Bass, Friedrich Pfeiffer am Schlagzeug, Gitarrist Georg Scheidl und Alfred Daut an der Orgel.  Foto: Sammlung Steffen Kaul
    In den 70ern wurde es enger auf der Bühne für die Vandellas. Beim Hata-Ball, der 1974 im Kreuznacher Kurhaus stattfand, spielten sie bereits zu sechst. Mit dabei waren (von links): Gitarrist Heino Spreitzer, Sängerin Judith, Ernie Seidemann am Bass, Friedrich Pfeiffer am Schlagzeug, Gitarrist Georg Scheidl und Alfred Daut an der Orgel.
    Foto: Sammlung Steffen Kaul

    Eine steile Karriere

    Ernie Seidemanns Karriere war damals noch jung. Gerade ein Jahr vor der Hochzeit, 1964, stieß er zur Gruppe The Holidays. Und auch in dieser Situation spielte der Ellerbachkeller eine entscheidende Rolle: Ernie war dort eigentlich nur Gast, als ihn Walter Kossmann, der später der Schwiegervater von Seidemanns Tochter Michaela werden sollte, dazu bewegte, sein Können unter Beweis zu stellen. So kam es, dass Seidemann zum ersten Mal mit den Holidays auf der Bühne stand – und sie dabei sofort überzeugte. Die Kapelle engagierte den Bassisten mit der beeindruckenden Stimme, der damit die Nachfolge eines Bandmitglieds antrat, das sich nach Amerika verabschiedete.

    Ein verrückter Weltrekord

    1965 wurden aus den Holidays The Vandellas. Seidemann übernahm neben Peter Kohn, Georg Scheidl und Herbert Matthes die Rolle des Bandleaders und brachte sich ein, wo er konnte – er designte sogar das Logo der Formation. Ein Jahr später setzen sich die Vier ein verrücktes Ziel: Sie wollten den Weltrekord im Dauerbeat knacken, 200 Stunden pausenlos die Bad Kreuznacher Felsengrotte, ein beliebtes Tanzlokal, beschallen.

    Später war die Familie gemeinsam auf Tour – unter anderem 13 Jahre auf dem Jahrmarkt.  Foto: Seidemann
    Später war die Familie gemeinsam auf Tour – unter anderem 13 Jahre auf dem Jahrmarkt.
    Foto: Seidemann

    Doch kurz vor dem Start wurde einer der Musiker krank, lag mit 41 Grad Fieber im Bett. Er biss die Zähne zusammen und stand schließlich – mit 24 Stunden Verzögerung – auf der Bühne. Zwischenzeitlich kam aber noch ein ganz anderes Problem auf: Eine andere Band hatte den Vandellas den Rekord weggeschnappt. „Dann spielen wir eben etwas länger“, waren sich die Jungs einig. In den folgenden 210 Stunden brachten die Musiker Höchstleistung: Zum Ruhen nahmen sie sich abwechselnd nur wenige Stunden, und zum Essen blieb auch keine Zeit: Ihre Frauen mussten sie füttern. Schlussendlich durften sie sich dann aber tatsächlich Weltmeister nennen.

    Foto: XX

    Eine lange Schaffenszeit

    Neben Fernsehauftritten und einigen unentgeltlichen Engagements bei Wohltätigkeitsveranstaltungen begleiteten die Vandellas auch Schlagerstars wie Marianne Rosenberg, Bata Ilic und Michael Holm auf deren Touren. Und sie produzierten auch weiterhin eigene Musik: Die Aufnahme ihrer ersten Schallplatte „Wer liebt, muss auch verzeih'n“ schaffte es 1983 auf Platz 6 der Schlagerparade. Mit ihrer zweiten Single „Contessa“, die 1985 folgte, konnten sie diesen Erfolg allerdings nicht halten.

    Eine musikalische Familie

    Die Vandellas lösten sich auf. Weshalb genau, daran kann sich Renate Seidemann heute nicht mehr erinnern. Es ging ja auch schließlich nahtlos weiter in der Bandgeschichte von Ernie Seidemann. Diesmal war es ein ganz persönliches Projekt: mit seiner ganzen Familie. Als Andy and Family performen Vater Ernie, Mutter Nadi, die Söhne Ernie junior und Andy sowie Tochter Michaela und später auch Schwiegertochter Sonya auf den Bühnen Bad Kreuznachs – vor allem 13 Jahre lang im Festzelt Kossmann auf dem Kreuznacher Jahrmarkt.

    Ab 1985 übernahm Ernie Seidemanns Sohn Andy die Rolle des Bandleaders.  Foto: Sammlung Seidemann
    Ab 1985 übernahm Ernie Seidemanns Sohn Andy die Rolle des Bandleaders.
    Foto: Sammlung Seidemann

    Das Projekt endete abrupt mit einem schweren Schicksalsschlag: Sohn Andy strebt gerade wie sein Vater nach der überregionalen Bekanntheit, ist sogar in Rudi Carells Prominenten Playback Show angenommen, als er im Alter von nur 33 Jahren an Lungenkrebs stirbt. Ab diesem Zeitpunkt kann man den Seidemanns nur noch ab und zu im Waldheim, ihrem familienbetriebenen Restaurant, zuhören. Schließlich stirbt auch Ernie Seidemann – und mit ihm eine bewegte Bandgeschichte.

    Von unserer Reporterin Désirée Thorn

    Eine wilde Zeit

    Erinnerungen an

    Kultiges vergangener Jahre

    Heute:

    Die Vandellas

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    Trotz wechselnder Besetzung waren die Vandellas jahrelang erfolgreich. Auf dem Bandfoto sind neben Ernie Seidemann (2. von links) noch Karl-Horst Klein, Herbert Schlupp und Herbert Matthes zu sehen.

    Foto: Sammlung Steffen Kaul

    210 Stunden

    lang spielten die Vandellas Dauerbeat im Kreuznacher Felsenkeller – das sind fast neun Tage Höchstleistung. Mit dieser Aktion knackte die Band den Weltrekord.

     

    Der Ort des Wettstreits: Felsenkeller war ein uriges Lokal

    An den Felsenkeller, in dem die Vandellas ihren Weltrekord aufstellten, kann sich Renate Seidemann noch genau erinnern. „Das war ein uriges Lokal“, findet die 68-Jährige. Sie vergleicht die Kneipe mit dem Münchner Hofbräuhaus: „Dort gab es zum Beispiel auch Rippchen mit Sauerkraut.“ Mittlerweile kann im Felsenkeller nicht mehr gefeiert werden.

    Er brannte später aus.

    Erinnerungen gesucht

    Haben auch Sie ganz besondere Erinnerungen an ihre wilde Zeit? Dann melden Sie sich direkt in unserer Redaktion entweder unter der Telefonnummer 0671/257 36 oder einfach per E-Mail an die Adresse desiree.thorn@rhein-zeitung.net

     

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