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    Kandidaten im Porträt: Jörg Lobach (Die Linke)

    Der Wahlkreiskandidat der Linken heißt Jörg Lobach. Der "Oeffentliche" stellt den Juristen vor.

    Will für die Linke in den Landtag: Jörg Lobach
    Will für die Linke in den Landtag: Jörg Lobach
    Foto: Carsten Zillmann

    Von unserem Reporter Carsten Zillmann

    40 Minuten mit Jörg Lobach vergehen wie im Flug. Der Wahlkreiskandidat der Linken ist ein unterhaltsamer Typ. Seine Sätze rattern im Stakkato durchs Café: Subjekt, Verb, marxistische Theorie. Feine Ironie blitzt durch, wenn er erzählt, wie Julia Klöckner Nazis streichelt oder ein Grünenpolitiker sich gequält aus einer Windkraftdebatte windet. "Eine imposante Satzlänge bekommen die Damen und Herren", sagt er. Die letzte Silbe bleibt zwischen Oberlippe und Cappucicnotasse hängen. In einer Satiresendung wäre Lobach gut aufgehoben. Er denkt politisch. Politiker ist er aber nicht.

    Und doch glaubt er, dass er in den Landtag gehört. Dort wird er sich mit plakativen, vereinfachten Thesen, ja teils mit Geplärr auseinandersetzen müssen. Das passt nicht zu ihm. "Weiß ich", sagt er. Warum tut er sich das an? "Wenn die Realität nicht so ist, wie man sie gern hätte, muss man die Realität ändern", antwortet er, und lächelt - kurz. Die Pointe war geplant. Lobach weiß, dass die Linke das Land in der kommenden Legislaturperiode kaum in seinen Grundfesten erschüttern wird. "Wir wollen lernen", sagt er. "Und natürlich etwas bewegen." Lobach verweist auf vergangene Erfolge. Mindestlohn? "Unser Projekt, von den Sozis umgesetzt", erklärt er. "Oder glaube sie ernsthaft, dass Sigmar Gabriel sich dafür begeistern kann?"

    Der Oeffentliche fragt Jörg Lobach: 100 Taler zusätzlich - wofür?

    Der examinierte Jurist arbeitet als Bausachverständiger in der Schadensregulierung. Ein Kapitalismuskritiker ("Seit Juso-Tagen") stuft von Berufs wegen den Wert von Dingen ein. Ironie? "Nein", sagt er. "Aber jeder muss seinen Lebensunterhalt verdienen." Lobach möchte aber kein Salonlinker sein. "Ich kenne den alten Spruch: Genossen rennt, weil ihr einen Arbeiter kennt", sagt er. "Mir geht es da ähnlich. Ich kenne die Jungs vom Bau: den Dachdecker, der morgens ein Bierchen zischt, damit die Höhenangst weg geht. Ich spreche deren Sprache." Natürliche Verbündete der Linken müssen für ihn Gewerkschaften sein. Sie sind für Lobach Machtbasis und Druckmittel. "Deshalb sind wir auch einflussreich, wenn wir nicht in den Landtag einziehen", sagt er.

    Er selbst rechnet sich als Listensechster Chancen auf ein Mandat aus, wenn es für 5,1 Prozent reicht. Derzeit sieht es nicht gut aus. "Viele wählen taktisch, um Klöckner zu verhindern", sagt er. "Aber wir müssen ein bürgerlich progressives Lager ansprechen, wenn wir beständig Stimmen holen wollen."

    Erstmals gänzlich ohne Stimme kam er in den 70er-Jahren nach Hause. Heimspiel der Eintracht aus Braunschweig. Jägermeister auf dem Trikot, Korn auf der Tribüne. "Gegen Bielefeld war das", erinnert sich Lobach, viel mehr weiß er von dem Tag nicht mehr: der Korn. "Wir haben für jedes Auswärtstor einen Korn getrunken und für jedes Heimtor ein Bier." Zur Pause stand es vier Korn zu null. Die Eintracht holte noch drei Bier auf. "Danach Filmriss", erzählt Lobach. "Ich bin seitdem aber Eintracht-Fan." Von Niedersachsen zog es ihn zum Studium nach Freiburg im Breisgau. "Ein Musterbeispiel für öffentlichen Nahverkehr", sagt er. "Keiner fährt dort mit dem Auto rein. Das wäre Wahnsinn."

    Seine Partei fordert grundsätzlich ticketlosen Nahverkehr. Das sei eine Chance für den ländlichen Raum. "ÖPNV ist eh nicht wirtschaftlich", sagt er. "Wir bezahlen ohnehin. Warum nicht ganz?"

    Ein Linker haut Geld raus. "Typisch", werden Konservative sagen. "Ach kommen Sie", unterbricht er. "Das ist mir zu doof." Im Landtag wird er sich mit derlei Zuspitzungen öfter auseinandersetzen müssen.

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