40.000

Meinung: Fusion, na und? - Die Bürger sehen's locker

Zwei Verbandsgemeinden sollen fusionieren. Die größere, gut betuchte VG Langenlonsheim soll die kleinere, verschuldete VG Stromberg aufnehmen. Der reiche Nachbar zeigt die kalte Schulter, denn er müsste die Umlage erhöhen und will das seinen Dörfern nicht zumuten. Sagt jedenfalls der Bürgermeister. Und die Bürger? Ich glaube, diese würden die Nachbarn gern aufnehmen. Was sollte Windesheim dagegen haben, dass Schweppenhausen im gleichen Verbandsgemeindeboot sitzt. Ich halte die Blockade für Kleinstaaterei.

Armin Seibert kommentiert
Armin Seibert kommentiert

Von unserem Redakteur Armin Seibert

Es reicht, dass es im Kreis Bad Kreuznach ein krasses Ost-West-Gefälle gibt, dass Gemeinden der VG Bad Kreuznach deutlich besser dran sind als solche in der Verbandsgemeinde Kirn-Land oder in der Stadt Kirn. Sind die Leute dort, weil sie weiter vom Speckgürtel Kreuznach und Rhein-Main entfernt wohnen, fauler? Sind sie selbst schuld am Kontostand in Gemeinde- und Verbandsgemeindekasse? Formaljuristisch ist nachvollziehbar, dass sich Verwaltungsspitzen gegen "Gleichmacherei" und Finanzausgleich wehren. Moralisch ist das fatal. In verschuldeten armen Dörfern, die mangels Arbeitsplätzen, Bauplatzboom und Autobahnanschluss finanziell am Tropf hängen, wird schon jetzt vieles ehrenamtlich erledigt, was in reicheren Orten und Verbandsgemeinden die Kommune trägt. Dabei haben die zahlreichen Berufspendler im Westen ohnehin kaum (Frei)Zeit.

Wer ist "schuld" am Reichtum?

Gemeinsame Aktionen schaffen Zusammenhalt. Gelegentlich auch Frust. Nicht umsonst gibt’s im Kirner Land Stimmen, die den Anschluss an den Kreis Birkenfeld fordern, weil sich die Großkopferten im Kreuznacher Raum wenig um die armen Nachbarn im Westen scheren. Zumindest im Kreis Kreuznach müsste es ein Wirgefühl geben statt eines Rückzugs auf eigene Pfründe. Es ist nicht das Verdienst der Verwaltungsspitze in steuerstarken Verbandsgemeinden, dass es hier wirtschaftlich boomt. Es war schon ein verheerendes Signal, als bei der Unterbringung der Flüchtlinge aus Verwaltungsstuben des Ost-Kreises kolportiert wurde, die armen Westnachbarn machten ja nur ihren Wohnungsleerstand voll, könnten sich ruhig um Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kümmern. Landrat Franz-Josef Diel hat - zum Glück - damals die Dimension der Hilfsbereitschaft im Westen erkannt und die Kommunen in Kirn und Umgebung ausdrücklich für ihren oft selbstlosen Einsatz im Sinne der Menschlichkeit gelobt.

Braucht es eine Art Nächstenliebe, wenn Langenlonsheim und Stromberg fusionieren? Das klingt pathetisch, scheint aber den Kern zu treffen. Viele werden sich nicht mehr dran erinnern: Es war einmal ein gemeinsamer Schulstandort geplant, eine IGS sollte her: für Stromberg und Langenlonsheim. In der VG Langenlonsheim wurde sie abgelehnt, weil nicht genügend Wähler zur Urne gingen. Die CDU war strikt dagegen. In Stromberg wurde sie daraufhin eingerichtet, auf Betreiben von Bürgermeister Achim Schöffel (CDU). Viele Kinder aus der VG Langenlonsheim gehen heute in die Stromberger IGS und machen dort Abitur. Schon vergessen? "Schnee von gestern", sagen jene, die das damals in Langenlonsheim verbockt haben und ziehen sich längst auf den Standpunkt zurück, sie hätten die gute Wirtschaftslage hier mit erarbeitet und wollten nichts an die armen Stromberger abgeben. Man sollte erst mal schauen, dass es einen Finanzausgleich der Kreise gäbe. Der (dank Boehringer) reiche Kreis Mainz-Bingen müsste dem wegen seiner vielen sozialen Einrichtungen armen Kreis Kreuznach was abgeben.

Erster Schritt der Solidarität

Ja, das stimmt. Das eine tun und das andere nicht lassen, ist die Devise. Zusammenhalt statt Spaltung ist aber als erstes im Guldenbachtal angesagt: Langenlonsheim sollte Stromberg mit offenen Armen empfangen. Vielleicht ein Schritt auf dem Weg zum Wirgefühl im ganzen Kreis Kreuznach von Tiefenthal bis Schneppenbach, von Daxweiler bis Otzweiler.

Die vier (bislang bekannten) Landratskandidaten können sich einmal damit befassen, wie gerechte Lasten- und Gewinnverteilung von Flüchtlingshilfe bis Umlagenprozente funktionieren kann. Erster Schritt: die Fusion. Dass mich eine solche Fusion mit der VG Stromberg als Bretzenheimer Bürger vier Umlagepunkte kosten soll, macht mich jedenfalls nicht ärmer.

Zwangsheirat oder Vernunftehe? VG Stromberg muss jetzt Hausaufgaben für ihre Fusion machenStromberg und seine Verwaltungsehe: VG-Rat muss um die Fusion kämpfenCDU steht hinter Cyfka: Eigenständigkeit wird nicht infrage gestelltRatsbeschluss in Langenlonsheim: Einstimmig gegen eine Fusion mit StrombergDrohende VG-Fusion: Wo geht die Reise hin?weitere Links
Anzeige
Oeffentlicher Anzeiger bei Facebook
Anzeige
Online regional
Bettina Tollkamp

Bettina Tollkamp

Chefin v. Dienst

 

E-Mail

Anzeige
Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Sonntag

-5°C - 3°C
Montag

-3°C - 2°C
Dienstag

1°C - 2°C
Mittwoch

2°C - 4°C
Alla dann!

Kolumnen von

Gerhard Engbarth

Nahe am Ball
Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach