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  • MittelrheinWelterbe am Mittelrhein: Neuer Wirbel um Windkraft in Hessen

    Von Rheinland-Pfalz aus betrachtet, mutet die Vorgehensweise des Landes Hessen beim Thema Windkraft im Welterbe Oberes Mittelrheintal mittlerweile kurios an. Nachdem drei bis vier geplante Anlagen auf dem Ranselberg bei Lorch unter anderem aufgrund der Intervention aus Mainz gestrichen wurden, weil sie die Kulturlandschaft zu stark beeinträchtigt hätten, weist der neue Regionalplan Südhessen wieder eine Fläche im Welterbe aus: 57,5 Hektar hinter Lorchhausen, nur unweit entfernt vom Ranselberg.

    Blick über den Rhein auf Lorch: Die Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft Rheingau ist besorgt, dass eine neue Potenzialfläche für Windräder den Welterbestatus im Oberen Mittelrheintal gefährden könnte.  Foto: Andreas Jöckel
    Blick über den Rhein auf Lorch: Die Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft Rheingau ist besorgt, dass eine neue Potenzialfläche für Windräder den Welterbestatus im Oberen Mittelrheintal gefährden könnte.
    Foto: Andreas Jöckel

    Für Hessen sind Kern- und Rahmenbereich des Welterbes nicht generell für Windkraft tabu. Zwar hat sich auch Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert, was die Aufstellung von Windrädern in Sichtbeziehung zu Denkmälern und Kulturlandschaft betrifft. Genau gegenüber von Lorch drehen sich Anlagen auf den Höhen hinter der Burg Fürstenberg, wenn auch außerhalb des Welterbes. Allerdings hat die Landesregierung in Mainz mittlerweile den Bau von Windrädern im Welterbe und gegebenenfalls auch über dessen Rahmenbereich hinaus untersagt. Als Grundlage für diese Entscheidung diente eine Sichtachsenstudie der Firma Grontmij, die Konfliktpotenziale bezüglich Landschaftsbild und Denkmalschutz aufzeigt. Der Hintergrund: Die Unesco und das deutsche Nationalkomitee Icomos hatten sehr deutlich gemacht, dass sie eine Verbauung der Blicke über die einmalige Landschaft im Welterbe nicht hinnehmen werden und den Titel gegebenenfalls aberkennen.

    BI: Gefälligkeitsgutachen

    In Hessen zieht die Landesregierung dennoch Einzelfallentscheidungen einem generellen Verbot vor. Die Gutachten dafür lässt das Wirtschaftsministerium von den planenden Energieunternehmen selbst erstellen. So auch im Falle des gescheiterten Windparks des baden-württembergischen Energieunternehmens EnBW auf dem Ranselberg bei Lorch. Die von EnBW beauftragte Firma Ecoda kam im Sommer vergangenen Jahres zu dem Ergebnis, die Windräder seien mit dem Welterbestatus verträglich, weil sie bis auf geringe Ausnahmen vom Rhein nicht sichtbar seien. Da diese Studie in völligem Widerspruch zur Grontmij-Studie stand, die ein hohes Konfliktpotenzial festgestellt hatte, sprach die Bürgerinitiative (BI) Pro Kulturlandschaft Rheingau von einem „Gefälligkeitsgutachten“. Die hessische Landesregierung versprach sowohl Mainz als auch der BI jedoch, der Unesco das letzte Wort in der Frage der Welterbeverträglichkeit zu überlassen.

    Potenzialflächen auf dem Taunuskamm und im Rheingau

    Zwar ist die BI jetzt glücklich darüber, dass der Windpark Ranselberg nicht mehr Bestandteil des „Regionalplans Erneuerbare Energien“ ist, den das Regierungspräsidium Darmstadt bis zum 19. Mai auslegt und zu dem Bürger bis 2. Juni ihre Stellungnahme abgeben können. Aber der Plan beinhaltet auch neues Konfliktpotenzial. Denn eines von insgesamt 173 Vorranggebieten für Windenergie liegt ebenfalls im Welterbe und nur unweit vom Ranselberg entfernt. Die Fläche umfasst 57,5 Hektar. Die BI staunt nicht schlecht und schreibt an das Regierungspräsidium in Darmstadt: „Der neue Plan sieht anstatt eines Verbotes von Windrädern im Rheingau und auf dem Taunuskamm nun wieder immense Vorrangflächen für unsere einmalige Kulturlandschaft vor.“ Denn der BI macht nicht nur die Potenzialfläche im Welterbe Sorgen. Insgesamt sind es im gesamten Rheingau acht Flächen mit insgesamt circa 600 Hektar bei Walluf, Oestrich-Winkel, Eltville und Geisenheim.

    Bedenken vernachlässigt?

    Bei den neu ausgewiesenen Flächen sieht die BI zahlreiche Bedenken schon im Vorfeld „sträflicherweise“ vernachlässigt: Dazu gehören die Nichtbeachtung der Unesco als zuständige Entscheidungsinstanz und die Sichtachsenstudie nach dem Grontmij-Verfahren für die geplanten Windräder in der Pufferzone des Welterbegebietes bei Lorch und Stephanshausen, die Bürgerentscheide und Beschlüsse gegen Windräder der kommunalen Gremien in Oestrich-Winkel und Eltville, das Verbot von Windrädern auf der Hohen Wurzel durch die zuständigen Wasserschutzbehörden (also auch von der Bezirksregierung selbst), ein Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz über die Sensibilität der Rheingauer Landschaft sowie vielfältige Sichtungsberichte der Jagdbehörden und des Landesjagdverbandes über Schwarzstörche, Rotmilane und Fledermäuse.

    BI-Vorsitzender Gerhard Gänsler kann nicht verstehen, warum das Regierungspräsidium die vielfältigen Proteste, Bürgerentscheide und Fachgutachten der beteiligten Behörden nicht zur Kenntnis genommen habe, und kündigt an: „So viel Dreistigkeit und Missachtung der politischen Kultur werden wir Rheingauer nicht hinnehmen!“

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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