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  • Marktplatz: Veränderung ja, aber als Gesamtpaket

    Lahnstein. Der Marktplatz in Niederlahnstein dürfte zumindest in nächster Zeit nicht verkauft werden. Zu groß sind die Sorgen vieler Bürger, notwendigen Parkraum und den Marktplatz als Veranstaltungsraum zu verlieren. Dies wurde bei der jüngsten Bürgerversammlung von SPD, Unabhängiger Liste (ULL), Grünen und FBL deutlich, bei der die Rufe nach Parkraum nicht ausblieben - und doch stand am Ende einer überraschend produktiven Diskuss ionsveranstaltung mehr als nur die Ablehnung jeglicher Bebauung. Denn so trist bleiben, wie er ist - da waren sich die rund 70 Bürger im Gemeindehaus St. Barbara einig - darf der Marktplatz auch nicht.

    Zwei Stunden lang diskutierten Bürger, Politiker und Investoren über die Zukunft des Marktplatzes. Am Ende dominierte der Eindruck, dass eine Entwicklung notwendig ist - aber nur mit Einbeziehung des Umfeldes.  Foto: Tobias Lui
    Zwei Stunden lang diskutierten Bürger, Politiker und Investoren über die Zukunft des Marktplatzes. Am Ende dominierte der Eindruck, dass eine Entwicklung notwendig ist - aber nur mit Einbeziehung des Umfeldes.
    Foto: Tobias Lui

    Von unserem Redakteur Tobias Lui

    Die beteiligten Parteien suchen nun den Schulterschluss mit der CDU, die unter dem Label "Mitgliederversammlung" eine eigene Veranstaltung organisiert und anschließend gegen einen isolierten Verkauf entschieden hatte (unsere Zeitung berichtete). Gemeinsam mit den Bürgern möchte man ein Konzept für das gesamte Areal entwickeln - und erst anschließend auf Investorensuche gehen.

    Wie soll sich der Kernbereich Niederlahnsteins in den kommenden Jahren entwickeln? Auf diese Frage hat die Politik bisher keine Antwort gefunden. Das alte Rathaus, der ehemalige Baubetriebshof, der Marktplatz mit den Gebäuden der ehemaligen Feuerwehr und Jugendherberge - diese zusammenhängende Fläche ist ein Pfund, mit dem Lahnstein wuchern könnte. Wenn denn ein stimmiges Gesamtkonzept da wäre, anstatt Insellösungen zu forcieren, wie beim Verkauf des ehemaligen Hotel Beckers oder, aktuell, beim angedachten Marktplatzverkauf. Visionen für eine Entwicklung des Stadtteils Niederlahnstein fehlen bisher, was es auch potenziellen Investoren nicht einfach macht, Projekte zu entwickeln - Kritik, mit der die drei anwesenden Investoren an diesem Abend im Gemeindehaus nicht hinter dem Berg hielten.

    Pläne noch unausgegoren

    Ein Begriff prägte den Abend und wurde zum geflügelten Wort: die "Eier legende Wollmilchsau". Ein Investor, der den Marktplatz nicht nur toll entwickelt und bezahlbaren Wohnraum schafft, sondern auch die vielen Parkplätze erhält (möglichst mehr als 100), für reichlich Grün sorgt - und der Stadt nach Möglichkeit einen knackigen Preis bezahlt. "Diese Idealvorstellung gibt es schlichtweg nicht", fasste Hans-Jörg Leyendecker zusammen. Der Projektentwickler von Leyendecker/Offermann & Partner war gekommen, um den Bürgern seine Vorstellungen zu vermitteln. Dass diese bei allen drei Investoren noch relativ unkonkret und unausgegoren sind, daran ist laut ihnen auch die Politik schuld: Denn diese scheint selbst nicht richtig zu wissen, was sie will. "Genau das ist hier das große Problem", erklärte Björn Gossa, Vertreter des Koblenzer Architektenbüros von Canal. "Wir müssen wissen, was Sie wollen!"

    Ein Mehrgenerationenwohnprojekt mit einer Kita, wie Gossa sich dies in seinem ersten Entwurf angedacht hatte? Oder doch lieber ein schöner großer Parkplatz mit Bäumen ("Dann brauchen Sie aber keinen Investor!")? Bezahlbarer Wohnraum? Aber in welcher Form, und wer soll den finanzieren? Cafés und Infrastruktur? Vielleicht ein Hotel? "Sie alle müssen sich klar werden, was Sie wünschen", forderte Gossa in Richtung Bürger und Politik. Der Architekt aus dem Büro von Canal ist bereits seit 2013 mit dem Projekt Marktplatz befasst, vermisst seither klare Vorgaben, was denn nun gewünscht sei. "Nur dann kann man auch eine saubere Planung machen."

    Damit sprach Gossa genau das aus, was auch die beiden anderen Investoren mit Kaufinteresse, neben Leyendecker war auch Gabriele Eschelbach zugegen, bemängeln: fehlende Vorgaben in der Ausschreibung für das 4200 Quadratmeter große Areal. "Man holt doch keine Angebote ein, ohne genau zu wissen, was man will", wunderte sich Leyendecker über das Vorgehen. Vorgaben fehlten, zum Beispiel darüber, was mit den Liegenschaften Feuerwehr oder alte Jugendherberge geschehen soll. "Wir wurden auf die langen Mietverträge hingewiesen, entsprechend müssen wir planen", sagte Leyendecker. Also klammerte er die Gebäudefrage in seinen Planungen zunächst einmal aus - ein Unding. So sahen dies viele im Gemeindehaus. Tenor: Ohne Abriss der Gebäude macht eine Überplanung des Areals keinen Sinn.

    Kritik an eindimensionaler Sicht

    Die Vertreter von SPD, ULL, FDP und Grünen mühten sich deutlich zu machen, dass noch keinerlei Entscheidung gefallen sei und sich das Bebauungsplanverfahren erst ganz am Anfang befinde. "Wir sind in der Planungsphase und wollen im Sinne aller Bürger Lahnsteins entscheiden", versicherte SPD-Fraktionschefin Gabi Laschet-Einig. "Ich bin allerdings darüber verwundert, dass in den vergangenen Wochen nur von Parkplätzen und Ängsten die Rede ist", kritisierte sie eine eindimensionale Herangehensweise an das Thema. Die berechtigten Parkbelange der Anwohner seien genauso wichtig wie die Belange der Menschen, die sich bezahlbaren Wohnraum im Innenstadtbereich wünschen. Diesen Wohnraum möchte Gabriele Eschelbach anbieten - und stellte ihre Pläne für zwei Mehrfamilienhäuser vor, außenrum sollen ausreichend Parkplätze bleiben. Auch die alten Gebäude möchte sie niederlegen, eine Öffnung zur Bahnhofsstraße schaffen. Die Frage, wie so ein Investment wirtschaftlich darstellbar sein soll, wenn die Mieten im Rahmen bleiben, blieb unbeantwortet.

    Auch das Thema "Mehrgenerationen" kam auf den Tisch - ein Experte der Caritas hatte Interessantes zu berichten. "Das Zusammenbringen von Alt und Jung ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen der Kommunen", zeigte sich Michael Noak überzeugt. Der Quartiermanager des Generationenprojekts Lahnstein, das unter der Federführung der Caritas Westerwald/Rhein-Lahn steht, war auf Einladung Laschet-Einigs gekommen und berichtete von seinen Untersuchungen zur Optimierung der Lebensqualität. Die Befragungen der Lahnsteiner Bürger brachten spannende Antworten, "die Leute wollen nämlich beides, bezahlbaren Wohnraum und Parkmöglichkeiten", so Noack, der vorschlug, eine Art Bürgerverein zu gründen, in denen die Interessen gebündelt werden könnten. Gemeinsam mit der Politik könnte dieser Verein dann Entwicklungsziele für den gesamten Stadtteil definieren. Für Noack der richtige Weg, "denn ein Konzept, das alles umfasst, wäre deutlich effektiver als punktuell zu entscheiden". Er wies auf das große Potenzial des Areals hin, das gebündelt werden müsse. "Dies wäre ein guter Weg, Ordnung in die Planungen zu bekommen."

    Es kamen weitere Anregungen aus dem Plenum, unter anderem der Vorschlag, ein Projekt ähnlich der "Essbaren Stadt" Andernach umzusetzen. Die anwesenden Politiker versprachen, sämtliche Anregungen, Ideen aber auch Sorgen in den Rat zu tragen und nach einer gemeinschaftlichen Lösung zu suchen. "Denn es geht hier um mehr als nur um Parkplätze", so FBL-Chef Reiner Burkard abschließend. "Es geht auch um die Zukunft Lahnsteins."

     

    SPD hofft auf gemeinsamen Antrag aller Fraktionen

    Einige Tage später war Initiatorin Gabi Laschet-Einig damit beschäftigt, die Ergebnisse der lebhaften Veranstaltung zusammenzufassen, um sie Oberbürgermeister Peter Labonte und CDU-Fraktionschef Johannes Lauer vorzulegen. Die SPD-Politikerin zeigt sich davon überzeugt, dass das Areal nur gemeinsam entwickelt werden könne. „Die Menschen wollen kein Klein-klein und erwarten das von uns.“ Die Veranstaltung habe viele Erkenntnisse gebracht, die Wichtigste für Laschet-Einig: „Die Leute sehen die Notwendigkeit für Veränderungen.“ Ein Konzept für das gesamte Umfeld sei notwendig, entwickelt in enger Zusammenarbeit mit den Bürgern.
    Laschet-Einig: „Dies könnte zum Beispiel in Form eines Workshops geschehen, vielleicht können wir Michael Noack mit seinen guten Ideen als Moderator gewinnen?“ In jedem Fall sei ein Verkauf des Marktplatzes zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht – die SPD-Politikerin wünscht sich daher als nächsten Schritt einen „gemeinsamen Antrag aller Fraktionen, den Verkauf zurückzustellen“. tl

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