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    LahnsteinFilmpräsentation in Lahnstein: Spitzensportlerin will Menschen Mut machen

    Die Kamera schwenkt aus der Vogelperspektive eine Minute über einen endlos scheinenden Ozean. Dann zoomt sie heran. Und ganz winzig klein zuerst kann der Zuschauer eine unermüdliche Schwimmerin zwischen den Wellen entdecken. Kirsten Bruhn, mehrfache Weltmeisterin bei den Paralympics und sympathische, prominente Botschafterin für Inklusion und Rehabilitation. Der Film „Gold – du kannst mehr als du denkst“ erzählt ihre Geschichte und die zweier weiterer Sportler, alle drei in unterschiedlichen Welten lebend, aber mit einer Gemeinsamkeit: Sie wollen anderen Menschen Mut machen.

    Foto: Karin Kring

    „Gold“, bereits 2012 im Vorfeld der Sommer-Paralympics in London gedreht, ist eine beeindruckende und sensible Dokumentation, die von der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mitinitiiert und gefördert wurde. Manfred Breitbach, der Geschäftsführer der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, übergab die DVD jetzt symbolisch an die weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz, „denn der Film eignet sich hervorragend für den Schulunterricht, um die wichtigen Themen Inklusion und Rehabilitation zu vermitteln“, wie Breitbach betonte. Zur Präsentation waren nicht nur 200 Lahnsteiner Schüler und Lehrer gekommen, sondern auch besondere Gäste: Allen voran die „Gold“-Darstellerin Kirsten Bruhn, die eigens aus Berlin angereist war, der Sitzvolleyballer Heiko Wiesenthal aus Mayen, Karl Peter Bruch, Staatsminister a.D. und Präsident des Behinterten- und Rehabilitationssport-Verbandes Rheinland-Pfalz, Landrat Frank Puchtler und als Gastgeber Oberbürgermeister Peter Labonte, der auch Vorstandsmitglied der Unfallkasse Rheinland-Pfalz ist.

    Foto: Karin Kring

    Es ist mucksmäuschenstill als die Begrüßungsworte gesprochen sind und der Film beginnt, der von drei Menschen und drei Schicksalen erzählt. Von Henry Wanyoike, dem jungen Kenianer, der eines morgens aufwachte und erblindet war, der mit diesem Schicksal hadert, allen Lebensmut verliert und zusätzlich mit Diskriminierung fertig werden muss, denn in Afrika gilt eine Behinderung noch oft als Fluch. 1997 kommt er in eine Augenklinik in Kikuyu und das Blatt wendet sich. Er findet neuen Lebensmut und erzählt seinen Therapeutinnen von seinem Lebenstraum: Er will Marathonläufer werden, Weltrekordler, Goldmedaillengewinner. Immer begleitet von einem Freund, der an seiner Seite läuft, schafft er es, holt 2000 in Sydney die Goldmedaille bei den Paralympics. Heute engagiert er sich im sozialen Bereich in seiner Heimat und hat eine Schule für Kinder mit Behinderung gegründet.

    Der Australier Kurt Fearnley, der mit einem Geburtsfehler auf die Welt kam und den seine Beine nicht tragen können, weiß „Du kannst alle Hindernisse überwinden, wenn du es nur willst“. Er holte sich unter anderem zwei Mal Gold bei den Paralympics in Athen 2004, in Peking 2008 und die Siege bei mehr als 30 Rollstuhl-Marathons in der ganzen Welt.

    Kirsten Bruhn war 19 Jahre alt, als sie mit dem Motorrad verunglückte und die Diagnose Querschnittslähmung erhielt. „In der Klinik konnte ich durch hohe Fenster nur die Wolken sehen. Und genau dorthin wünschte ich mich“, sagt sie im Film, in dem sie auf bewegende Art die schwere Zeit und ihren fast zehn Jahre dauernden Kampf zurück ins Leben schildert. Sie erzählt von ihrer Familie, die sie unterstützt hat, aber auch von Besuchen ihrer kleinen Nichte, „die mir gezeigt haben, dass es noch ein Leben außerhalb der Klinik gibt, dass es irgendwie weitergeht.“ Szenen aus einer Reha-Klinik, Bilder vom harten Schwimm-Training, das die frühere Leistungssportlerin irgendwann wieder beginnt und damit die Wende in ihrem Leben einleitet, die wunderbare Szene, als sie 2012 in London strahlend ihre Goldmedaille in London in Empfang nimmt. „Das hat alles bei mir umgekrempelt“, sagt sie. „Von da an hatte alles wieder einen Sinn.“ Fortan gewinnt sie Goldmedaillen am laufenden Band, ist 65-fache deutsche Meisterin, wie Peter Labonte eingangs berichtete.

    Kirsten Bruhn hat ihr Leben gemeistert, engagiert sich heute in Schulen für Inklusion und arbeitet in Berlin in einer Unfallklinik. „Ich möchte den Menschen helfen“, sagt sie auf die Frage einer Schülerin, wie sie den Weg dorthin gefunden hat. Und doch gibt es für die prominente Sportlerin noch immer diese Situationen, in denen sie als Mensch mit Handicap ausgegrenzt wird, sei es im Flugzeug, wo sie angehalten ist, sich vorher als Rollstuhlfahrern anzumelden, oder im Alltag. „Das sind auch heute noch die Situationen, die weh tun“, sagt sie und hofft, dass ihre Geschichte, wie die von Kurt und Henry, nicht nur anderen Menschen Mut macht, sondern dass auch, so wie Manfred Breitbach die Schüler zum Schluss ermutigte, jeder Mensch von anderen so angenommen wird, wie er ist.

    Von unserer Redakteurin Karin Kring

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