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    Weinähr/KoblenzDrama von Weinähr: 10 Jahre Haft für Ehefrau

    Kurz bevor das Ehedrama von Weinähr eskalierte, ging es im Haus der Familie fast idyllisch zu: Die Frau (37) brachte ihrem Mann (38) an jenem Sonntagmorgen Kaffee ans Bett, ging dann in die Küche, um für die Familie Rühreier zu machen. Doch die Idylle trog...

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Foto: dpa

    Wenige Minuten später sprühte die Frau ihrem Mann Pfefferspray ins Gesicht, stach mit einem Messer siebenmal auf ihn ein. Jetzt hat das Landgericht Koblenz sie wegen versuchten heimtückischen Mordes zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Laut dem Vorsitzenden Richter Ralf Bock wollte sie ihren Mann töten, hat es nur nicht geschafft. Sie legte im Prozess ein Teilgeständnis ab und erklärte den Mordversuch zur Notwehrtat. Aber auch das scheiterte. Das Fazit des Richters: "Die Angeklagte erzählte Märchen - zumindest teilweise."

    Zu Prozessende brach die Frau in Tränen aus - und sprach ihren Mann, der ihr gegenübersaß, direkt an: "Es tut mir leid! Ich bin froh, dass du lebst!" Beide waren seit ihrer Zeit auf dem Gymnasium ein Paar, haben ein Haus gebaut und zwei Kinder aufgezogen. 2013 geriet ihre Ehe in eine Krise. Vor allem weil die Frau ein Verhältnis mit ihrem Chef hatte, außerdem Sex mit einem flüchtigen Bekannten auf der Toilette einer Koblenzer Großraumdisco. Das Ehepaar beschloss, sich scheiden zu lassen. Trotz all dem und trotz des Mordversuchs sagte der Mann während einer Vernehmung über seine Frau: "So blöd das klingt, ich liebe sie noch immer."

    Foto: dpa

    So kam es laut dem Urteil am 5. Oktober 2014 zur Bluttat: Der Mann und die Frau streiten sich gegen 2 Uhr nachts, als sie von der Disco heimkommt. Er wirft ihr vor, die Kinder zu vernachlässigen, sie alleingelassen zu haben und tanzen gegangen zu sein. Er habe ihren Vater informiert, der wolle das Jugendamt einschalten. Am Morgen gegen 9 Uhr will die Frau mit Kaffee und Eiern die Situation beruhigen, aber es gibt erneut Streit. Plötzlich sprüht sie dem Mann Pfefferspray ins Gesicht, drängt ihren Sohn, der auch etwas von dem Spray abbekam, zum Haus hinaus. Die Tochter war bereits geflüchtet. Die Frau zieht ein Messer (Klingenlänge: 8 Zentimeter), sticht sechsmal auf den Mann ein, erst in den Rücken, dann in Brust und Seite. Der stark blutende Mann sperrt sich im Bad ein, öffnet das Fenster und ruft um Hilfe. Der Vater der Frau (63), der nebenan wohnt, eilt herbei, legt ihn im Wohnzimmer auf den Boden und versorgt ihn. Die Frau ruft die Polizei. Dann geht sie plötzlich noch mal zu ihrem Mann und sticht ein siebtes Mal zu. Sie läuft zu ihrer Mutter ins Nachbarhaus, zieht sich um und lässt sich festnehmen.

    Laut dem Urteil verübte die Frau die Tat, weil sie nicht damit einverstanden war, dass ihr Mann sich eine andere Partnerin suchte. Und weil sie befürchtete, dass er ihr künftig den Kontakt zu den Kindern verbietet. Sie sagte nach der Tat zu ihrer Mutter: "Der will mir alles wegnehmen, auch die Kinder."

    Die Staatsanwältin forderte elf Jahre Haft für die Frau. Deren Anwalt plädierte auf Freispruch. Er hält es für wahrscheinlich, dass der Mann die Frau am Tatmorgen schlug, würgte und mit dem Tod bedrohte - und die Frau aus Notwehr mit dem Pfefferspray sprühte und zustach.

    Aber Richter Bock hält diese Notwehrthese für nicht plausibel. Denn wenn die Frau sich nur wehren wollte, hätte sie nicht noch einmal zustechen müssen, als ihr Mann bereits schwer verletzt im Wohnzimmer lag. Und er betonte: Zwar bestritt die Frau diesen letzten Messerstich im Prozess, aber bei der Polizei hatte sie ihn gestanden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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