• Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Energiewende weht Geld in die Kassen der Kommunen
  • Energiewende weht Geld in die Kassen der Kommunen

    Rhein-Lahn. Windkraft ist nicht nur umweltfreundlich, sie kann auch zu einer lukrativen Einnahmequelle für Ortsgemeinden werden.

    Windkraftanlagen im Soonwald im Rhein-Hunsrück-Kreis: Hoch ragen die riesigen Türme aus dem Forst. Foto Werner Dupuis.
    Windkraftanlagen im Soonwald im Rhein-Hunsrück-Kreis: Hoch ragen die riesigen Türme aus dem Forst. Foto Werner Dupuis.

    Findige Kommunalpolitiker versprechen sich wachsende Gewinne von Windkraftanlagen im Forst, denn nach dem Willen der rot-grünen Landesregierung sind riesige Türme und Rotoren im Wald kein Tabu-Thema mehr, sondern gewollt! Bis zu 2 Prozent der Waldfläche in Rheinland-Pfalz sollen für Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt werden. Da geeignete Flächen rar sind, signalisiert die Landesregierung mittlerweile sogar gelockerte Naturschutzauflagen. So sollen Windkraftanlagen nach eingängiger Prüfung sogar in Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzgebieten möglich sein, wenn dies dem Schutzzweck nicht entgegensteht.

    Windräder im Wald im Rhein-Lahn-Kreis als Chance

    Im Rhein-Lahn-Kreis sind 46,8 Prozent der Fläche von Wald bedeckt. In Rheinland-Pfalz stehen jetzt schon 10 Prozent der 1125 Windräder im Wald, sagt der Kastellauner Forstamtsleiter Michael Diemer. Er kennt sich mit dem Thema bestens aus. Im Hunsrück wurden bereits 25 solcher Anlagen in den Forst „gepflanzt“. Der Rhein-Lahn-Kreis ist in dieser Hinsicht noch ein weißer Fleck.

    Doch an Rhein und Lahn, vor allem aber in den Gemeinden auf den Höhenlagen des Kreises ist man nun offensichtlich auf den Trichter gekommen, dass sich mit Windkraft Geld verdienen lässt. In der Verbandsgemeinde Diez gibt es erste Überlegungen, Windkraftanlagen im Wald aufzustellen. Die Ortsgemeinde Altendiez, die im Rahmen ihres Dorfprojektes Energievision 2020 konsequent auf regenerative Energie setzen möchte, erwägt gemeinsam mit den Nachbargemeinden Eppenrod, Heistenbach und Hirschberg den Bau von bis zu zehn Windkraftanlagen im Wald.

    Grundstücksbesitzer können beachtliche Pachtsummen erzielen

    Besitzer von Grundstücken, auf denen eine solche Anlage steht, können beachtliche Pachtsummen erzielen. Laut Diemer bringen Windkraftanlagen, die 3 bis 3,4 Megawatt Leistung pro Jahr erzeugen, einen Ertrag zwischen 40000 und 50000 Euro. Bei größeren Windrädern, die über eine Leistung mit 7,5 Megawatt verfügen, können mehr als 100 000 Euro pro Jahr in die Kasse des Verpächters fließen. Die exakte Pachtsumme ist abhängig davon, wie viel Energie die Anlage produziert. Das wiederum hängt von den Windverhältnissen ab. Neben der Pacht dürfen Städte und Gemeinden erst nach zehn Jahren aber auf Gewerbesteuereinnahmen hoffen, denn bis dahin werden die Anlagen laut Diemer von den Betreibern steuerlich abgeschrieben, sodass keine Gewerbesteuer fließt. Danach soll der Ertrag aber ebenfalls lukrativ sein.

    Zielgerichtete Planung erforderlich

    Die Anlagen für Waldgebiete sind gewaltig, und sie müssen es sein, um die Windeverhältnisse über den Baumwipfeln optimal ausnutzen zu können. Zwischen 145 und 200 Metern sind die Windräder groß, die Rotoren drehen an ihrer tiefsten Stelle in einer Höhe von 55 Metern über dem Waldboden, sodass darunter weiter Forstwirtschaft betrieben werden kann. Dennoch müssen selbstverständlich Bäume gerodet werden. Für die kleineren Anlagen rechnet der Experte mit 0,4 Hektar. Für die großen 7,5-Megawatt-Anlagen müsste etwa 1 Hektar Wald weichen. Allerdings eignen sich solche Energieriesen laut Diemer nur für extrem gute Standorte an der Küste und sind für die Rhein-Lahn-Region eher nicht zu empfehlen.

    Der Forstexperte rät dringend zu einer gezielten Planung, um Wildwuchs zu vermeiden. Gibt es weder eine hinreichende regionale Raumordnungsplanung, noch eine Flächennutzungsplanung, die das Ziel von 2 Prozent Waldfläche für Windkraftanlagen erreicht, wird über einzelne Baugenehmigungen entschieden, ob und wo Türme errichtet werden dürfen oder nicht. Folgende Auflagen müssen in jedem Fall beachtet werden: Mindestabstände von einem Kilometer zu Wohngebieten sowie 400 Meter zu Gewerbeflächen oder einzelnen Wohnhäusern und Gehöften. Zu einer Straße muss ein Abstand in der Größenordnung der Fallhöhe der Windkraftanlage gewahrt werden.

    „Windkraft im Wald passt“, sagt Michael Diemer. Er rät aber ausdrücklich dazu, Solidarpakte zu schließen, damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. „Windkraft im Wald ja, aber mit Augenmaß, vernünftig und nicht um jeden Preis“, so der Forstamtsleiter.

    Anzeige
    Regionalwetter
    Dienstag

    11°C - 23°C
    Mittwoch

    14°C - 22°C
    Donnerstag

    13°C - 23°C
    Freitag

    14°C - 22°C
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Rhein-Lahn-Zeitung.de bei Facebook