40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Ärgernis Hundekot: Kampf den Oelsberger Häufchen
  • Aus unserem Archiv

    OelsbergÄrgernis Hundekot: Kampf den Oelsberger Häufchen

    Vielen Oelsbergern stinkt es, dass sie im Ort immer wieder braune Häufchen finden – oder gar in diese hineintreten. Die Rede ist von Hundekot. „Es gab mehrfach Beschwerden“, erklärt Ortsbürgermeister Gerhard Hilgert gegenüber unserer Zeitung. Diese hätten sich über ein Jahr lang gehäuft. Und so beschloss der Bürgermeister, alle Hundehalter Anfang April zu einem Treffen einzuladen.

    In Oelsberg häufen sich die Beschwerden über Hundekot. Oftmals bleibe er liegen – wie auf diesem Wirtschaftsweg, der sich in Richtung Nastätten an den Schleidterweg anschließt. Foto: Norbert Schmiedel
    In Oelsberg häufen sich die Beschwerden über Hundekot. Oftmals bleibe er liegen – wie auf diesem Wirtschaftsweg, der sich in Richtung Nastätten an den Schleidterweg anschließt.
    Foto: Norbert Schmiedel

    „Wir haben uns über die Pflichten eines Hundehalters verständigt“, sagt Hilgert über die Versammlung, die er mit dem Titel „DOHK – Dorf ohne Hundekot“ versehen hatte. Fünf Hundehalter waren mit ihren Tieren zu dem Treffen auf den Bolzplatz gekommen. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass 56 Hunde in der Ortsgemeinde gemeldet sind. Doch Hilgert hofft nun auch auf Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Tierhaltern. Denn zumindest die Anwesenden hätten seine Haltung zum Thema geteilt.

    Für Hilgert steht fest: „Tiere sind zu kontrollieren, wenn die Interessen anderer gefährdet werden.“ Ihm gehe es aber nicht darum, neue Verordnungen zu schaffen, sondern er möchte „Verständnis für alle Beteiligten wecken“. Jeder müsse sich bewusst sein, dass Tiere zum Landleben dazugehören – also auch Hunde. Aber Hundekot führe zu Verunreinigungen, belästige die Anwohner und „er birgt vor allem Gesundheitsrisiken für Kinder und Nutztiere“, sagt der Bürgermeister.

    Kinder kommen etwa auf Spielplätzen mit den Exkrementen in Berührung, wenn sie auf dem Boden spielen. Und Kühe könnten den Kot über ihr Futter aufnehmen, wenn Felder als Hundetoilette missbraucht werden. „Alle Felder in der Oelsberger Gemarkung werden landwirtschaftlich genutzt“, betont Hilgert, bei dem sich auch Landwirte über den Hundekot auf ihren Flächen beschwert hatten. Auch was aussehe wie eine brachliegende Wiese, sei „keine Freifläche für jeden“.

    Hilgert appelliert an die Herrchen und Frauchen, die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners zu beseitigen. Jeder könne beim Spazierengehen eine Plastiktüte dabeihaben, um die Häufchen wieder mitzunehmen. Entsprechende Tütenspender mit Mülleimern gebe es in Oelsberg aber noch nicht. „Sonst müsste man wöchentlich jemanden rumschicken, der das leert“, sagt der Bürgermeister. Gerade im Sommer entwickle sich eine Duftwolke um solche Hundestationen. „Unsere Gemeindemitarbeiter sind ehrenamtliche Mitarbeiter“, erklärt Hilgert. „Ich will nicht, dass sie den Hundekot anderer Leute wegmachen.“

    Für Marion Ptock sind aber gerade mangelnde Mülleimer und Tütchen mit ein Grund dafür, dass Häufchen liegen gelassen werden. Als „Dog-Walker“ betreiben sie und ihr Mann eine Hundepension mit Gassigehservice in Oelsberg. „Das Problem ist die Entsorgung“, sagt Ptock. Sie nehme alle Exkremente ihrer Vierbeiner und die der Gasthunde wieder mit nach Hause, betont die Pensionsbetreiberin. Denn: „Im Bereich Oelsberg gibt es keine Behälter, um das einzuwerfen“, erläutert Ptock. So manchem Hundehalter sei es dann vielleicht zu viel, die Kot-Tüte eine Stunde lang mit spazieren zu tragen.

    Daher sind Marion Ptock und ihr Mann Walter an den Ortsbürgermeister mit folgendem Vorschlag herangetreten: Schafft die Gemeinde sogenannte Dogstations, also Mülleimer mit integriertem Tütenspender, an, seien sie bereit, die Eimer regelmäßig zu leeren. Gerhard Hilgert will das Angebot dem Rat nun in einer der kommenden Sitzungen unterbreiten. Vier Standorte für Hundestationen hat er derzeit im Blick. Der Stückpreis für die Vorrichtungen liege – je nach Modell – zwischen 300 und 500 Euro.

    Auch Landwirt Torsten Ruppmann aus Bogel kennt das Pro-blem mit dem Hundekot. Zwar „gibt es Hundehalter, die ihr Zeug wieder mitnehmen“, sagt er. Aber trotz entsprechender Tüten, die in Bogel bereits aushingen, gebe es immer wieder Spaziergänger, die die Hinterlassenschaft ihres Tiers auf Feldern und Wiesen zurücklassen. „Kühe haben dasselbe Recht wie Hunde, sauberes Futter zu kriegen“, betont Ruppmann. Die Verunreinigung des Kuhfutters mit Kot könne zu Fehlgeburten bei den Rindern führen.

    Aus diesem Grund plädiert auch Torsten Ruppmann dafür, die Exkremente der Hunde nicht liegen zu lassen – auch nicht auf den Wirtschaftswegen. Denn in den meisten Gemeinden sei in einer Satzung festgehalten, dass die Wege von den Landwirten mitgepflegt werden müssen. Werden die Wirtschaftswege von ihnen gemäht, bleibe der dort herumliegende Hundekot ebenfalls in den Maschinen hängen und könne so ins Futter der Rinder gelangen, erklärt Ruppmann.

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

    Neospora caninum: Parasit kann Kühen gefährlich werden

    Hundekot im Futter von Kühen kann bei diesen tatsächlich zu einer Fehlgeburt führen. Ursache ist der Parasit Neospora caninum.

    „Das ist ein einzelliger Parasit, der im Darm des Hundes lebt“, erklärt Dr. Karl Zimmer, Leiter des Instituts für Tierseuchendiagnostik beim Landesuntersuchungsamt in Koblenz. Infizierte Hunde scheiden sogenannte infektiöse Dauerstadien aus. Damit der Parasit sich weiterentwickeln kann, müssen diese von einem Zwischenwirt aufgenommen werden, erläutert Zimmer weiter. Einer dieser Zwischenwirte ist das Rind. In der Kuh „entwickeln sich Zwischenstadien, die sich in den Organen ansiedeln“, so Zimmer. Bekommt ein Hund rohes Fleisch von infizierten Rindern zu fressen, können sich diese Stadien zum geschlechtsreifen Parasiten entwickeln. „Das ist ein Kreislauf, der irgendwann mal in Gang kommen muss“, erklärt Zimmer.

    Als „Übeltäter“ kämen vor allem Hofhunde infrage. Denn: Quelle der Infektion bei Hunden sei vor allem das rohe Fleisch von Fehl- oder Nachgeburten der Kühe, die den Erreger in sich tragen. Zwar habe eine Untersuchung unter mehr als 24.000 Hunden gezeigt, dass weniger als 0,1 Prozent der Tiere infektiöse Dauerstadien mit ihrem Kot ausscheiden – und das nur für wenige Wochen. Dennoch: „Neospora gilt derzeit als wichtigster Erreger bei Aborten beim Rind“, sagt Zimmer. Und hat sich der Erreger erst einmal in einem Rinderbestand eingenistet, „kann er über Generationen im Bestand bleiben“.

    Denn die infektiösen Dauerstadien siedeln sich unter anderem in der Gebärmutter der Kühe an. So können sie über die Nachgeburt auf den Fötus übertragen werden, erläutert Zimmer. Entweder stirbt dieser dadurch ab, oder es kommen Kälber zur Welt, die gesund scheinen, den Erreger aber in sich tragen. Wird das Tier selbst trächtig, kann es wiederum den Fötus damit infizieren. csa

    Bad Ems Lahnstein
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Donnerstag

    19°C - 28°C
    Freitag

    13°C - 25°C
    Samstag

    13°C - 21°C
    Sonntag

    13°C - 21°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige