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  • 60 Jahre am Leben erhalten: Nastätter Kino feiert runden Geburtstag

    Nastätten. Am 26. Oktober vor 60 Jahren hat 
Edi Holl das „Roxy Filmtheater“ in Nastätten eröffnet.

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer 

    Ralf Holl sieht sich den Baufortschritt im Saal „Royal“ seines Kino-Centers in Nastätten an. Derzeit wird ein neues Tonsystem in den Raum eingebaut. Zur 60-Jahr-Feier des Kinos soll der Saal wieder eingeweiht werden.
    Ralf Holl sieht sich den Baufortschritt im Saal „Royal“ seines Kino-Centers in Nastätten an. Derzeit wird ein neues Tonsystem in den Raum eingebaut. Zur 60-Jahr-Feier des Kinos soll der Saal wieder eingeweiht werden.
    Foto: Cordula Sailer

    Ein riesiges Baugerüst füllt den ganzen Raum, die Sitzreihen lassen sich unter den schwarzen, staubigen Plastikplanen nur erahnen: Der Saal "Royal" des Kino-Centers Nastätten ist eine einzige Baustelle. Er bekommt ein neues Tonsystem: 42 Lautsprecher werden dafür eingebaut. Und die alte Decke muss raus. "Die Rigipsdecke war akustisch nicht ausreichend für das neue System", erklärt Kinobetreiber Ralf Holl. 

    Pünktlich am 26. Oktober, zur 60-Jahr-Feier des Kinos, soll der "Royal" wiedereröffnet werden. Dass er und sein Vater Edi Holl immer wieder in Neuerungen investiert haben, hat das Kino am Leben erhalten. Davon ist Ralf Holl überzeugt. Denn die Filmlandschaft hat sich stetig weiterentwickelt. Als Edi Holl 1956 das Kino unter dem Namen "Roxy Filmtheater" eröffnete, gab es einen großen Saal mit Platz für 250 Zuschauer - heute sind es drei Säle mit 398 Plätzen. 

    In den Jahren 1992/93 wurde das Kino um einen dritten Saal erweitert. Zudem ist die Front des Gebäudes umgebaut worden. 
    In den Jahren 1992/93 wurde das Kino um einen dritten Saal erweitert. Zudem ist die Front des Gebäudes umgebaut worden. 
    Foto: Kino-Center Nast

    Hanni Holl, die Frau des verstorbenen Seniorchefs, kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. "Mein Mann wollte zuerst in Miehlen bauen", sagt sie. Doch dann ging der Bauherr des damals entstehenden Kinos in Nastätten pleite. Und so kaufte Edi Holl ihm den noch unvollendeten Rohbau ab. 

    Erfahrung mit der Filmbranche hatte Holl damals noch keine. Seine Eltern betrieben einen Lebensmittelgroßhandel in Bettendorf. Darüber lernte er den Betreiber der Kinos in Hahnstätten und Katzenelnbogen kennen. "Der hat sein Interesse am Kino geweckt", weiß Hanni Holl. 

    Ansturm auf Winnetou-Film 

    Um das Programm für die nächsten Monate festzulegen, mussten die Holls damals nach Frankfurt fahren. Dort war in einem Filmhaus ein Großteil der Verleiher vertreten. Nur etwa drei Tage durften die Kinobetreiber in den 50er- und 60er-Jahren die analogen Filmkopien ausleihen. 

    "Damals lief das Abspielen noch ganz anders", erinnert sich Hanni Holl. Derselbe Film wurde dann für ein paar Stunden in Dauerschleife gezeigt. Ein Film ist der 76-Jährigen dabei besonders im Gedächtnis geblieben: ein Winnetou-Film aus dem Jahr 1964. Um 13 Uhr hatte sie angefangen zu arbeiten, "und abends um acht Uhr hab ich zu meinem Mann gesagt: ,Jetzt musst du mir was zu essen holen, sonst fall ich um‘." Der Strom an Leuten, die auf die nächste Vorführung des Films warteten, war nicht abgeebbt. 

    Neue Filme erreichten das Kino im kleinen Nastätten teilweise erst mit zwei bis drei Monaten Verzögerung. Geschadet hat das dem Filmtheater aber nicht: "Die Leute waren ja nicht mobil und haben sich auch nicht in Koblenz oder Wiesbaden umgeschaut", sagt Ralf Holl. Doch in den 70er-Jahren nahm der Aktualitätsdruck zu.

    Doch welches Kino möglichst frühzeitig einen neuen Film ausleihen konnte, darüber bestimmte die Rangliste der Verleiher: "Je mehr Umsatz bei einem Kino zu erwarten war, desto früher bekam es den Film", erläutert Holl. Denn früher wie heute werden die Verleiher prozentual am Ticketumsatz beteiligt. Und so beschlossen die Holls den Bau eines zweiten Saals. Mit dem 1979 eingeweihten "Cherie" konnten die Unternehmer ihre Einnahmen tatsächlich so steigern, dass sie früher mit Neustarts beliefert wurden. Zeitgleich wurde das "Roxy Filmtheater" in "Kino-Center Nastätten" umbenannt. 

    Anfang der 90er-Jahre gerieten die bis dato gewachsenen Zuschauerzahlen aber ins Stocken. 28 000 Zuschauer besuchten das Kino im Jahr. Die Holls handelten daher einen Deal mit zwei gut bekannten Verleihern aus. "Wir haben uns das ,okay‘ geholt, dass sie uns ein Jahr mit Filmstarts beliefern, wenn wir den dritten Saal bauen", erinnert sich Ralf Holl. Im August 1993 wird mit dem "Royal" der dritte Saal eröffnet - der sich derzeit im Umbau befindet. 

    An Neujahr 1997 übergibt Edi Holl schließlich das Kino-Center an seinen Sohn Ralf. Und auch der treibt die Entwicklung des Kinos weiter voran: 2009 stellt er komplett auf digitalen Betrieb um - als erstes Kino bundesweit, wie Ralf Holl sagt. Auch der Kampf um die begrenzten, analogen Startkopien neuer Filme hat damit ein Ende. Heute liegt die Besucherzahl bei etwa 40 000 bis 55 000 Besuchern im Jahr. 

    Dass das Kino aufgrund von Online-Mediatheken und Streaming-Diensten einmal ausgedient haben könnte, glaubt Ralf Holl nicht. "Zuhause kann man einen Film sehen", sagt Holl. "Im Kino kann man den Film erleben." Der Zuschauer habe dort nicht nur die große Leinwand und den besseren Ton. "Er wird auch zwischendrin nicht vom Telefon gestört oder vom Kühlschrank gelockt."

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    Markus Eschenauer

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