40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Altenkirchen/Betzdorf
  • » Sorge um Sohn inspiriert Paar zum Bau eines Pflegedorfes
  • Aus unserem Archiv

    Sorge um Sohn inspiriert Paar zum Bau eines Pflegedorfes

    Kreis Altenkirchen - Der Traum von Gerd und Renate Schumacher hat fünf Waben und könnte auf der grünen Wiese neben ihrem schmucken Haus am Ortsende von Hilgenroth Gestalt annehmen: Eine Wohnanlage für junge Menschen mit Hirnschädigungen - wie ihren Sohn, der versorgt sein soll, wenn sie selbst sich nicht mehr kümmern können. 

    Renate (links) und Gerd Schumacher mit ihrem Sohn Oliver und einer der drei Vollzeitpflegekräfte. Der 34-Jährige braucht Betreuung rund um die Uhr. Foto: Roos
    Renate (links) und Gerd Schumacher mit ihrem Sohn Oliver und einer der drei Vollzeitpflegekräfte. Der 34-Jährige braucht Betreuung rund um die Uhr.
    Foto: Roos

    Von unserer Redakteurin Sonja Roos

    Eben noch mitten im Leben, dann durch Schädel-Hirn-Traumata oder anderen gravierenden Kopfverletzungen ein Fall für Pflege rund um die Uhr: Für junge Menschen in der Situation gibt es deutschlandweit so gut wie keine solche Einrichtung, sagt Renate Schumacher. "Diese Patienten landen meist in einem Alten- und Pflegeheim. Dort wird aber nicht viel mit ihnen gemacht, wie sollte auch, bei den Personalschlüsseln?". Vor ihrer Haustür soll eien Alternative entstehen. 

    In der geplanten Einrichtung sollen solche Patienten mit viel Hingabe rund um die Uhr betreut werden, parallel sollen Therapiemaßnahmen laufen, die peu à peu die noch vorhandenen Fähigkeiten der Patienten unterstützen, steigern und vielleicht sogar ausbauen sollen. Dass eine solche Betreuung Erfolge verspricht und vor allem für die Betroffenen das ohnehin schwer zu ertragende Schicksal einfacher macht, haben die Schumachers aus der persönlichen Erfahrung heraus gelernt: Seit mehr als zehn Jahren pflegen die beiden ihren schwerstbehinderten Sohn Oliver.

    Seine Geschichte ist es, die den Traum der beiden beflügelt. Seine Geschichte ist es aber auch, die vor zehn Jahren das Leben der Schumachers zunächst in einen Albtraum verwandelt. Es ist der 23. August 2003, als der 24-jährige Oliver mit seinem Motorrad auf der K 52 zwischen Hilgenroth und Breitscheidt mit einem Auto kollidiert und verunglückt. Die Prognosen stehen schlecht, Oliver wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Er kämpft wochenlang um sein Leben, liegt im Wachkoma. Über zwei Jahre wird es dauern, bis er zu seinen Eltern zurückkehren wird.

    Dieser eine Augenblick hat das Leben aller verändert. Oliver hatte eine Freundin, wollte mit ihr bauen, vielleicht eine Familie gründen. Statt dessen zieht er jetzt, hilflos wie ein Säugling, wieder bei den Eltern ein. Auch für diese beginnt eine lange Zeit der Umstellung – auf ein Leben, dass keiner so gewählt hätte. Die Schumachers machen aber das Beste aus ihrem Schicksal. Sie organisieren die Rund-um-die-Uhr-Pflege, informieren sich über Therapien, Krankengymnastik, Logopädie, bauen ihrem Oliver sogar ein beheiztes Schwimmbad für die Physiotherapie in den Garten. Sein Wohlergehen ist ihr neuer Fokus im Leben geworden – um jeden Preis.

    Freunde, das sagen beide, sind ihnen kaum mehr geblieben. Auch von Olivers Seite nicht. Ein Sozialleben, Urlaub, Feiertage? All das kennen die Schumachers nicht mehr seit diesem verhängnisvollen Tag im August 2003. „Wenn Oli mit uns lacht und sich wohlfühlt, das ist für uns Feiertag genug", sagt Papa Gerd und streicht seinem Sohn über den Kopf. „Diese Form der Betreuung, diese Aufmerksamkeit und Liebe, die bringen kleine Fortschritte, immer wieder", ist Mama Renate sicher.

    Da beide durch ihr Schicksal viele andere ähnliche Schicksale kennengelernt haben, wissen sie auch, dass nicht alle Familien die Möglichkeit oder auch den Willen haben, ihre Angehörigen in diesem Maße zu versorgen. So entstand die Idee mit der Pflegeeinrichtung. „Wir müssen ja auch dran denken, was mit Oli passiert, wenn wir einmal nicht mehr können", sagt Gerd Schumacher.

    Das Ehepaar ist an die 60, die Pflege körperlich und mental Kräfte zehrend, selbst mit Unterstützung von drei Vollzeitpflegekräfte und mehreren Aushilfen. „Wir haben etwa 700 Stunden im Monat abzudecken", weiß Renate Schumacher. Rund 11 000 Euro kostet die aufwendige Pflege des jungen Mannes. „Zum Glück bezahlt das die Haftpflicht des Unfallverursachers", so Gerd Schumacher.

    Er weiß aber auch, dass es in anderen Fällen anders aussieht. Auch hier wäre seine Pflegeeinrichtung der richtige Anlaufpunkt. „Wir könnten die Pflege dort trotz aller Intensität um einiges günstiger anbieten", ist er sicher. Die Pläne liegen bereits seit Jahren bei den Schumachers in der Schublade. Ein Architekt hat einen freundlichen Gebäudekomplex mit fünf Waben konzipiert: Vier liegen außen und sollen je drei Patienten beherbergen, eine zentrale Wabe ist für die Therapiemaßnahmen gedacht.

    Das Schwimmbad der Schumachers wäre ebenfalls mit eingebunden. Alle Bungalows sind natürlich ebenerdig, geräumig und lichtdurchflutet, alle Zimmer mit eigenem Bad und Dusche. 1,6 Millionen würde der Bau kosten, ein Co-Partner ist mit an Bord. Zudem haben die Schumachers schon vor Jahren 6000 Quadratmeter Land gleich neben ihrem Haus gekauft, der Ortsgemeinderat hat grünes Licht gegeben. „Jetzt hängt es aber an unserer Hausbank. Die stellt sich seit Jahren quer. Obwohl wir eine 110-prozentige Sicherheit mitbringen", sagt Schumacher. Neben eigenen Investitionen hat das Land Rheinland-Pfalz eine 80-prozentige Ausfallsbürgschaft zugesagt.

    Das Projekt wurde von Fachleuten auf Bedarf und Wirtschaftlichkeit abgeklopft und bekam überall begeisterten Zuspruch. „Man hat uns gesagt, dass wir das Haus fünf Minuten nach Eröffnung voll hätten", so Schumacher. Doch trotz all der Sicherheiten geht die Bank den Weg nicht mit. „Jetzt sollen wir aus eigener Tasche noch einen Gutachter bezahlen. Wir schießen seit Jahren so viel Geld in die Idee, allein das Grundstück kostet jedes Jahr Unsummen an Steuern", ärgert sich das Ehepaar.

    Sie hoffen, dass sie mit dem Schritt an die Öffentlichkeit vielleicht weitere Menschen für ihr Projekt begeistern können – Betroffene ebenso wie mögliche Sponsoren aus Industrie oder Wirtschaft. „Es ist eine so gute Sache, aber irgendwie bekommt man ein Fußballstadion schneller finanziert", sagt Gerd Schumacher frustriert. Ihm läuft die Zeit davon, Zeit, die er gern in seinen Sohn und seinen Traum investieren würde, für Oliver und für andere in ähnlich schlimmer Lage.

    Haus Oliver: Wohnangebot für pflegebedürftige Volljährige mit hohem Unterstützungsbedarf
    Altenkirchen Betzdorf
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
     
    Markus Kratzer (kra)
    Redaktionsleiter
    Tel 02681/9543-21
    E-Mail
     
     
    Volker Held (vh)
    stv. Redaktionsleiter
    VG Altenkirchen
    Tel 02681/9543-33
    E-Mail
     
    Elmar Hering (elm)
    Redakteur
    VG Wissen & Hamm
    Tel 02681/9543-13
    E-Mail
     
    Andreas Neuser (an)
    Redakteur
    VG Betzdorf, Gebhardshain
    Tel 02741/9200-68
    E-Mail
     
    Daniel Weber (daw)
    Redakteur  
    VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
    Tel 02741/9200-67
    E-Mail
     
    Peter Seel (sel)
    Redakteur VG Kirchen
    Tel 02741/9200-65
    E-Mail
     
     
    Sonja Roos (sr)
    Redakteurin VG Hamm
    Tel 02681/9543-19
    E-Mail
     
     
    Beate Christ (bc)
    Reporterin VG Flammersfeld
    Tel 0170/2110166
    E-Mail
     
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Regio-Reporterin
    Sabrina Rödder

    Regio-Reporterin

    Sabrina Rödder

    Mail | 02681/954 317

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Donnerstag

    19°C - 25°C
    Freitag

    14°C - 23°C
    Samstag

    14°C - 18°C
    Sonntag

    13°C - 19°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach