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    Herdorf/KoblenzIst Helga Z. schuldunfähig?

    Der Prozess gegen Helga Z. (Name geändert) wird immer skurriler. Was die frühere Herdorferin (45) gestern vor dem Landgericht Koblenz behauptete, sorgte bei Prozessbeteiligten und Zuhörern für sorgenvolle Blicke. Zur Erinnerung: Helga Z. soll einer „Oma“ (89) den Rollstuhl weggenommen haben. Und: Sie soll die halb gelähmte Frau in deren Wohnung eingesperrt haben. Die Angeklagte bestreitet alles.

    Herdorf/Koblenz. Der Prozess gegen Helga Z. (Name geändert) wird immer skurriler. Was die frühere Herdorferin (45) gestern vor dem Landgericht Koblenz behauptete, sorgte bei Prozessbeteiligten und Zuhörern für sorgenvolle Blicke. Zur Erinnerung: Helga Z. soll einer „Oma“ (89) den Rollstuhl weggenommen haben. Und: Sie soll die halb gelähmte Frau in deren Wohnung eingesperrt haben. Die Angeklagte bestreitet alles.

    Freitag, 12 Uhr, Gerichtssaal 127: Der vierte Prozesstag ist fast zu Ende – aber eine letzte Zeugin sagt noch aus. Die 43-Jährige gibt an, dass sie im Jahr 2001 nach der Trennung von ihrem Mann für drei Wochen bei Helga Z. gewohnt hat. Sie erzählt sehr ausführlich, macht Helga Z. schwere Vorwürfe. Die aber behauptet plötzlich: „Ich kenne Dich nicht!“ Dann sagt sie noch mal: „Ich kenne alle, aber dich nicht! Tut mir leid.“ Dennoch beschuldigt sie die 43-Jährige kurz später: „Du bist eine Besäuferin!“ Daraufhin fragt der Staatsanwalt Helga Z., woher sie dies wisse, da sie die Zeugin doch angeblich gar nicht kenne. Darauf weiß die Angeklagte keine Antwort. Laut ihrem Hausarzt leidet sie möglicherweise an einer Depression.
    Dann behauptet Helga Z. noch: Ihr Sohn (25) würde sie anrufen und sich als Jugendamtsmitarbeiter ausgeben. Er würde dabei mit einem Computerprogramm dessen Stimme imitieren. Als der Staatsanwalt dies hört, schlägt er vor: Ein psychiatrischer Gutachter soll die Angeklagte untersuchen und feststellen, ob sie möglicherweise schuldunfähig ist. Die Richterin ist sofort einverstanden, ebenso Helga Zs. Verteidiger. Aber: Helga Z. schüttelt heftig mit dem Kopf. Jetzt will ihr Verteidiger noch einmal unter vier Augen mit ihr reden.
    Inzwischen ist das Jugendamt in Helga Zs. neuem Wohnort Neunkirchen (Nordrhein-Westfalen) aktiv geworden: Es nahm ihre jüngste Tochter (12) in Obhut. Die Angeklagte ist darüber sehr verärgert. Im Prozess behauptete sie: „Mit mir hat keiner gesprochen.“

    Darum steht Helga Z. vor Gericht: Sie soll einer heute 89-jährigen „Oma“ das Leben zur Hölle gemacht haben. Laut Anklage hat sie der halb gelähmten Frau von 2005 bis 2009 in 117 Fällen die Freiheit geraubt. Mal nahm sie ihr den Rollstuhl weg, mal sperrte sie die „Oma“ in ihrer Kellerwohnung ein – in drei Fällen länger als eine Woche. Das Schöffengericht Betzdorf verurteilte Helga Z. 2010 zu dreieinhalb Jahren Haft. Sie ging in Berufung. Darum kam es am Landgericht erneut zum Prozess.
    Warum behauptete Helga Z., die 43-jährige Zeugin nicht zu kennen? Vielleicht weil diese ihr im Prozess schwere Vorwürfe machte. Sie erzählte von Helga Zs. Ex-Mitbewohner Horst (56, Name geändert), einem einfach gestrickten Mann, der sich offenbar alles gefallen ließ: „Helga zwang Horst, immer in seinem Zimmer zu bleiben. Er durfte nicht mit am Esstisch sitzen, bekam nur das, was vom Essen übrig blieb. Sie hatte Zugang zu seinem Konto, nahm all sein Geld. Einmal schlug sie ihn, als er Bier holen sollte – und nicht schnell genug war.“ Helga Z. hörte den Worten der Zeugin genau zu. Oft schüttelte sie den Kopf, manchmal lächelte sie leise vor sich hin. Was sie belustigte, blieb unklar.
    Seit 2003 wohnt Horst bei der Zeugin. „Als er bei Helga rauskam, war er völlig ausgehungert“, berichtete sie. „Wenn er wusste, wo es im Haus etwas zu essen gab, verschlang er alles auf einmal – mal eine ganze Palette mit Joghurtbechern, mal einen Sack mit zwei Kilo Äpfeln. Es dauerte lange, bis er wieder normal aß.“ Der Prozess geht am 13. April weiter.

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