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  • Immer mehr Hebammen geben auf

    Kreis Altenkirchen. Immer mehr freiberufliche Hebammen geben auf. Sie leiden unter den Arbeitsbedingungen und kommen finanziell nicht mehr klar. Eine von ihnen ist Anne Arfsten aus Betzdorf; sie beendete kürzlich ihre freiberufliche Tätigkeit und arbeitet jetzt als angestellte Hebamme in der Praxis ihrer Frau, Dr. Sabine Arfsten.

    Eine Hebamme tastet den Bauch einer werdenden Mutter ab. Der Berufsstand kämpft selbst ums Überleben. Freiberuflich tätige Fachkräfte sehen kaum eine Chance weiterzuarbeiten. Foto: epd
    Eine Hebamme tastet den Bauch einer werdenden Mutter ab. Der Berufsstand kämpft selbst ums Überleben. Freiberuflich tätige Fachkräfte sehen kaum eine Chance weiterzuarbeiten.
    Foto: epd

    Von unserer Reporterin Sabrina Rödder

    Wie belastend die freiberufliche Arbeit ist, berichtet Sylvia Heil aus Selbach, die auch bald aufgeben wird: Oft arbeitet sie drei Wochen am Stück und hat seit sechs Jahren keinen Urlaub mehr gehabt - ist das normal? Bei der 50-Jährigen schon. So wie ihr geht es vielen anderen ihrer Kolleginnen im AK-Land. Wie sie erzählt, richtet sie ihr ganzes Leben nach den Babys aus. So kann es schon mal sein, dass sie zwölf Hausbesuche an einem einzigen Tag macht, von ihrem Wohnort aus 22 Kilometer bis nach Herdorf oder 30 bis nach Flammersfeld fährt - und das, obwohl sie von den Krankenkassen nur in einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern bezahlt wird.

    Die werdenden Mütter betreut Heil, die selbst einen erwachsenen Sohn hat, am liebsten von Anfang bis Ende. Sprich: von der Feststellung der Schwangerschaft über die Geburtsvorbereitungskurse und die eigentliche Geburt bis hin zur Wochenbettbetreuung, Rückbildungskursen und Ernährungsberatung. Da kann es schon mal sein, dass sie eineinhalb Jahre mit einer Familie zu tun hat.

    Hebamme Anne Arfsten vermisst genau das. Vermisst es, Kurse zu geben und die Frauen im Wochenbett zu betreuen. Dennoch hat sie nach 25 Jahren ihre freiberufliche Tätigkeit aufgegeben. Von 2009 bis 2015 hat sie sich zunächst als 2. Kreis- und dann als 2. Landesvorsitzende des Hebammenlandesverbandes Rheinland-Pfalz für bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen und gegen die ständig steigenden Haftpflichtprämien eingesetzt. Doch weil sich dort wenig änderte, zog sie für sich die Konsequenz.

    Von geregelten Zeiten kann Sylvia Heil nur träumen: "Babys kommen auf die Welt, wenn es soweit ist." Ein beruflicher Zeitplan ist also so gut wie unmöglich. So kann es auch mal sein, dass an einem Abend Gäste bei ihr zu Hause sitzen und sie plötzlich weg muss - denn sie hat stets Bereitschaft. Ohne die Unterstützung ihres Mannes könnte sie ihren Beruf gar nicht richtig ausführen, sagt sie.

    Acht Monate im Voraus ist die Selbacherin ausgebucht. Auch verzweifelten Frauen musste sie daher schon häufiger absagen - etwa einer werdenden Mutter, die 170 Kilometer weit weg wohnte und nach einer Hausgeburtshebamme suchte. Das alles wird bald Geschichte sein, denn was sich Heil in sechs Jahren aufgebaut hat, wird sie bis zum 1. Juli wieder aufgeben - nach 20 Jahren als Hebamme. "Wenn ich das noch einige Jahre so weiter machen würde", sagt sie, "wäre ich irgendwann ausgebrannt und ein Pflegefall." Zudem sei die Bezahlung so schlecht, dass ihr keine andere Wahl bleibe: 6,80 Euro bekommt sie beispielsweise für eine Kursstunde. Fällt eine Schwangere aus, gibt es nichts.

    Die Wurzeln des Problems sind vielfältig: Zum einen stehe die Politik nicht hinter Eltern und Hebammen. Obwohl etwa Bürokratie abgebaut werden soll, kommt immer mehr Papierkram hinzu, weiß Heil. So muss über jeden einzelnen Anbieter, dessen Medikamente die Hebammen verwenden, Buch geführt werden. Zum anderen machen es die Krankenkassen den Hebammen nicht gerade leicht: Sie verlangen, immer das günstigste Medikament zu kaufen, das auf dem Markt ist. "Falls es die Krankenkasse aber irgendwo günstiger entdeckt, muss ich den Differenzbetrag selbst zahlen", so Heil.

    Anne Arfsten sieht sich und ihre Kolleginnen als wichtige Bezugspersonen für die Frauen und Kinder an. Die Begleitung der Schwangeren und Wöchnerinnen ist eine wichtige Ergänzung zur Schwangerenbetreuung durch die Gynäkologin. Doch da die äußeren Bedingungen immer schwieriger werden, geben immer mehr Hebammen ihre Arbeit auf.

    So fühlt sich Heil in ihrer Arbeitsweise eingeschränkt, wenn sie bei Hausbesuchen ihr Wissen und Können aus Zeitdruck zurückhalten muss: "Oft gehe ich auf Probleme nur oberflächlich ein, um nach spätestens 30 Minuten zum nächsten Termin losfahren zu können." Dabei haben die werdenden Mütter viele Ängste vor Fehlbildungen und Krankheiten, sodass Heil Stunden bei ihnen verbringen müsste. Die Hebamme - ein Beruf, der sich an der Grenze zur Selbstausbeutung bewegt: Um auf ihre 8,50 Euro Mindestlohn zu kommen, dürfte sich Sylvia Heil nur 20 Minuten lang Zeit lassen.

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