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  • Musik-Institut Beim Anrechtskonzert mit dem Bonner Beethoven Orchester sorgt der Ersatzmann an der Geige für den Höhepunkt

    Ein Abend mit Mozart: Von Streicherlust und Bläserfrust

    Koblenz. Es kann das schönste Konzertprogramm auf der Strecke bleiben – wenn der geplante Solist ausfällt. Zwei Mozart-Sinfonien aus der „Hausapotheke“ jedes Konzertliebhabers, dazu Orchesterlieder von Richard Strauss, der sich in seinem Werk immer wieder auf Mozart bezog, schließlich ein Virtuosenstück für eine sportlich aufgelegte Sopranstimme aus der Feder eines russischen Hochromantikers, also den Faden von Strauss weiter fortspinnend: All das war für das siebte Anrechtskonzert geplant, bis die Erkrankung der Gesangssolistin alle Pläne umwarf.

    Klanggewaltig ohne zu posieren: Barnabás Kelemen  Foto: Tamas Dobos
    Klanggewaltig ohne zu posieren: Barnabás Kelemen
    Foto: Tamas Dobos

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

    Also nicht: Mozart, Strauss, Glière - stattdessen: "nur" Mozart, sein drittes Violinkonzert kommt hinzu, dazu noch die Ouvertüre zur Oper „Le nozze di Figaro“. Ein reines Mozartprogramm ist schließlich keineswegs zu verachten – noch dazu hat der Solist des Violinkonzerts, Barnabás Kelemen, bereits bei einem Koblenzer Anrechtskonzert der jüngeren Vergangenheit mit einem Bartók-Konzert für Furore gesorgt.

    Und der Ersatzmann wurde seiner besonderen Verantwortung beim Gastspiel des Bonner Beethoven Orchesters in hohem Maße gerecht: Mozarts drittes Violinkonzert, KV 216, wurde in der eigenwilligen Interpretation des charismatischen Solisten zum Höhepunkt des Abends.

    Was gleichzeitig bedeutet, dass das Konzert insgesamt einige Fragezeichen hinterließ – und diese waren nun eben nicht im Programmwechsel begründet Unter der Leitung ihres Interims-Chefdirigenten Christof Prick, der das Orchester in der laufenden Saison leitet und dann den Stab an Dirk Kaftan weiterreicht, konnte das Beethoven Orchester vor allem mit sattem Streicherglanz punkten – wenn man denn Mozart in dieser vor allem kompakten Lesart mit Tendenz zur Üppigkeit favorisiert. Mit der „Linzer“ Sinfonie, KV 425, war als Auftakt jenes Stück des Programms gewählt, für das man sich ein filigraneres, mehr von Leichtigkeit und Durchhörbarkeit getragenes Klangprofil besonders hätte wünschen mögen – und schon hier gerieten die Bläser akustisch ins Hintertreffen – ein Eindruck, der sich im Verlauf des Abends verfestigte.

    Beim Violinkonzert hingegen war schon nach Sekunden klar: Ja, Kelemen hat nicht nur zu Bartók, sondern auch zu Mozart eine ganz eigene Farbe einzubringen. Mit ganz eigenen Schwerpunkten, ungewohnten Kadenzen und mutigen Spielweisen, gewaltigen Möglichkeiten der Klangentfaltung – die aber nie als Pose genutzt werden, sondern nur ganz dezent anklingen, wenn etwa der Solist in den gemeinsamen Stellen mit den ersten Geigen feinfühligst mit den Kollegen im Orchester symbiotisch, aber doch dezent führend zusammengeht. Überhaupt scheint die Kommunikation in beachtlichem Maße auch über den hochengagiert waltenden Konzertmeister am ersten Geigenpult koordiniert zu werden – mit dem Dirigenten teilt der Solist offenbar nicht alle Tempovorstellungen in diesem Konzert, dessen grandioser Effekt eines „Entschwebens“ am Überraschungsende sehr zurückhaltend bleibt.

    Im Beginn zur zweiten Programmhälfte wird schnell deutlich: Zum mächtigeren Klangkosmos der „Figaro“-Ouvertüre und zur „Prager“ Sinfonie, KV 504, passt die klangliche Disposition des Beethoven Orchesters an diesem Abend weit besser, die wunderbar Kante zeigen kann und sicherlich noch mehr Effekte in die Ouvertüre hätte weben können, als Christof Prick sie abruft. Die im Programmheft erwähnte kompositorische Nähe zur „Prager“ Sinfonie ist unüberhörbar – und im strahlenden Klang der Streicherlust hätte man auch den anfänglichen Bläserfrust gern vergessen wollen, hätten nicht auch im Violinkonzert (Hörner!) manche Unsicherheiten die Hörer in dieser Richtung weiter sensibilisiert.

    So passgenau der Klang sich schließlich in der „Prager“ Sinfonie auch fand: Deutliche Misstöne auf dem Weg zum Finalsatz und Tempoirritationen zum Schluss schmälern den Gesamteindruck des Konzerts. Und das quittieren auch die aufmerksamen Besucher mit deutlich differenziertem Beifall: Begeisterung und herzlicher Applaus für den Solisten zur Pause, enden wollend und höflich die Akklamation am Ende des Abends. Wie gut, dass man Werke aus der Feder dieses Komponisten – und das gilt für die Werke dieses Abends mit Sicherheit, regelmäßig in Oper und Konzert einem Vergleich beim nächsten Wiedererleben unterziehen kann.

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