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    Flughafen HahnPollety im RZ-Interview: Hahn-Mitarbeiter brauchen Vertrauen

    Bislang hat sich Wolfgang Pollety in der Debatte um den Flughafen Hahn zurückgehalten. Dem 45 Jahre alten Manager gefällt nicht, wie seiner Meinung nach in der Öffentlichkeit Fakten verdreht und taktisch sehr bewusst lanciert wurden und damit Politik am Hahn gemacht wurde.

    Als Wolfgang Pollety vor vier Jahren am Hahn als Geschäftsführer antrat, war sein Blick auf das Flughafengelände und das Potenzial des Projektes positiv geprägt. Auch heute sieht der 45-Jährige eine Zukunft für den Hahn - allerdings unter einer Bedingung: Es muss schnellstens Ruhe einkehren. Foto: Werner Dupuis
    Als Wolfgang Pollety vor vier Jahren am Hahn als Geschäftsführer antrat, war sein Blick auf das Flughafengelände und das Potenzial des Projektes positiv geprägt. Auch heute sieht der 45-Jährige eine Zukunft für den Hahn - allerdings unter einer Bedingung: Es muss schnellstens Ruhe einkehren.
    Foto: Werner Dupuis

    "Für mich war immer von besonderer Bedeutung, dass die Mitarbeiter am Hahn in Ruhe arbeiten können", sagt er, "das war zuletzt überhaupt nicht mehr möglich."

    Pollety äußert sich erstmals überhaupt öffentlich im Gespräch mit unserer Zeitung zu den Vorgängen am Hahn. "Ich möchte mich explizit vor meine Mitarbeiter stellen", sagt der Geschäftsführer, der sich in den vergangenen vier Jahren federführend um den Bereich Controlling gekümmert hat und noch heute für die interne Revision zuständig ist. Dass er sich lange öffentlich nicht geäußert hat, lag vor allem daran, dass er kein Manager ist, der die Bühne sucht. "Ich halte es für nicht vertretbar, was in den vergangenen Wochen am Hahn passiert ist", sagt Pollety. Er habe zunächst zwar das lukrative Angebot eines anderen großen Flughafens ausgeschlagen, um den Hahn in eine gute Zukunft zu steuern. Aber die Entwicklung im Managementbereich sei in der jüngeren Vergangenheit vor allem im zwischenmenschlichen Bereich dramatisch schwieriger geworden, dass er die Landesregierung vor Wochen bereits um die Auflösung seines gültigen Vertrages gebeten hat. Von einer potenziellen Amtsenthebung seitens der Landesregierung, von der zuletzt berichtet worden war, könne dagegen keine Rede sein.

    Herr Pollety, nach der letzten Aufsichtsratssitzung hieß es, dass die Geschäftsführung am Hahn mehr miteinander arbeiten müsse. Hat sich die Situation verbessert?

    Wir sprechen in der Geschäftsführung weiterhin und auch regelmäßig. Was kolportiert wurde, dass wir nicht miteinander reden würden, entspricht nicht der Wahrheit. Wir sind Profis. In unserem Team gibt es zwei Trainer, und die müssen sich miteinander abstimmen. Das tun wir auch. Aber es gibt natürlich inhaltliche Differenzen.

    Ist das Tischtuch so zerrissen, wie kolportiert wurde?

    Ich denke, dass wir in der Art, wie man miteinander am Hahn umgehen sollte, zunehmend auseinanderliegen. Wir diskutieren die Mittel, nicht den Zweck.

    Es heißt aus Ihrem Haus, dass es inzwischen zwei Lager gibt und die Mitarbeiter verunsichert sind, wohin sie sich orientieren müssen. Ist da etwas dran?

    Es gibt riesige Unsicherheiten der Mitarbeiter, wie man sich positionieren soll. Denn man macht sich natürlich Gedanken, wie es hier weitergehen soll. Die Frage lautet für einige schon, wo sie sich positionieren müssen, um in Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Das beschwört natürlich massive moralische Zwänge herauf und auch Ängste und Situationen im Alltag, die man als Geschäftsführung nicht zulassen dürfte.

    Sie sind derjenige Geschäftsführer, der die längere Praxis am Hahn hat. Da dürfte eine solche Extremsituation besonders schwierig sein?

    Es ist tatsächlich ein großes Problem. Das, was wir im Moment am dringendsten brauchen würden, nämlich Ruhe im Betrieb und öffentliche Ruhe, um uns zu konzentrieren und unsere Arbeit zu machen, stoßen wir hausgemacht wieder um. Unsere Zukunft entscheidet sich nicht auf dem Flur zwischen Pollety und Rethage, auch nicht in Lautzenhausen und auch nicht im Flurfunk und der Gerüchteküche in Mainz. Unsere Zukunft entscheidet sich auf den Märkten in Asien und Nordamerika, und natürlich auch in Brüssel und Dublin. Das verlieren wir bis auf Brüssel - und hier sind wir Frau Dreyer zu Dank verpflichtet - zunehmend aus den Augen.

    Es gibt kein Vertrauen bei potenziellen Investoren und derzeitigen Kunden?

    Die Welt ist so vernetzt, dass uns auch Kunden aus dem fernen Osten oder aus China oder den USA innerhalb weniger Minuten oder Stunden anrufen und auf kritische Kommentare oder Berichte ansprechen. Die Kunden fragen sich, wie man eine Situation, wie wir sie derzeit am Hahn haben, überhaupt zulassen kann - und ob man mit diesem Flughafen Verträge schließen kann. Die Kunden fragen sich, wie man sich als Unternehmen so in der Presse darstellen und auch darstellen lassen kann.

    Wie kommt es zustande, dass der Hahn derart mit Interna in der Presse dargestellt wird?

    Unter Profis müsste Kritik dort geübt werden, wo sie hingehört - in der Kabine und nicht vor den Mikrofonen. Das ist hier in keinster Weise der Fall gewesen und klar missachtet worden.

    Wie konnte es passieren, dass ein internes Sanierungspapier an die Öffentlichkeit gerät, bevor sich der Aufsichtsrat überhaupt damit befassen konnte?

    Bei uns gerät alles an die Öffentlichkeit, ob direkt aus dem Haus oder über Umwege durch andere Bundesländer. Ich bin für die Weitergabe von solchen Interna definitiv der falsche Ansprechpartner. Auf was man sich im Moment am Hahn wirklich verlassen kann, ist, dass alle Unterlagen, die ausschließlich internen Charakter haben, an die Öffentlichkeit gelangen.

    Diese Informationen scheinen von einzelnen Personen mit Konzept lanciert zu werden. Wie soll ein Betrieb damit im Alltag überhaupt leben können?

    Ganz sicher führt das zu großen Problemen. Einzelne haben ganz offensichtlich noch Rechnungen offen, die sie auf diese Weise begleichen wollen - sie stellen ihr persönliches Wohl über das des Unternehmens. Das entspricht dem Gegenteil ihrer Aufgabe, denn alle Mitarbeiter und Mitglieder des Aufsichtsrates sind dafür da, zum Wohl des Unternehmens zu wirken.

    Zwischen wem bestehen offene Rechnungen?

    Wenn man sich die Geschichte der näheren Vergangenheit anschaut, welche juristischen Scharmützel und Wechsel es da gab, dann liegt es auf der Hand, um wen es sich handeln könnte.

    Für den Außenstehenden wirkt es im Moment so, als habe die Geschäftsführung am Hahn lange die Spendierhosen angehabt und Sportvereine wie einzelne Personen wohlwollend unterstützt. Gab es ein System der Vetternwirtschaft?

    Nein, von Systemen kann überhaupt keine Rede sein. Was man wissen muss, ist, wo der Hahn herkommt, er ist aus sehr kleinen, familiären Situationen aus einer Notsituation heraus entstanden. Die Aufgabe des militärischen Standortes hat sehr kreative Maßnahmen erfordert, um hier aus dem Nichts etwas aufzubauen. Diese familiären Strukturen waren am Anfang sehr positiv und hilfreich. Wie in jedem Unternehmen, das wächst, müssen diese informellen und familiären Strukturen aber irgendwann aufgebrochen werden. Dabei ist das Pendel beispielsweise auch zu weit in die andere Richtung ausgeschlagen, als die Fraport versucht hat, die Regeln eines Großkonzerns über einen kleinen mittelständischen Betrieb zu legen - und danach wusste keiner mehr, wie er sich verhalten sollte. Wir haben diese Unsicherheiten in der letzten Zeit geklärt. Ich habe selbst in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl neuer Regularien und Richtlinien beigetragen - und die wurden eingehalten. Was jetzt nach außen getragen wurde, stimmt zum Teil inhaltlich nicht, zum Teil sind es aber auch Dinge, die im Aufsichtsrat längst besprochen und auch abgehakt waren. Nehmen wir das Beispiel der angeblich zu hohen Dienstreiseabrechnung. Die Abrechnung war korrekt und sogar niedriger, als sie hätte sein können. Ich habe sie nachgerechnet.

    Als Controller haben Sie einen strengen Blick auf die Vorgänge gehabt?

    Selbstverständlich.

    Was ist an den Vorwürfen an Verkehrsleiter Stefan Maxeiner dran?

    Es gab damals Strukturen, die dem Hahn geholfen haben, günstigere Preise und Konditionen zu bekommen. Wenn man jemanden beauftragt, grobe Arbeit zu machen und diesen hinterher dafür beschuldigt, ist dies falsch. Wir haben den genannten Mitarbeitern viel zu verdanken, einige Airlines sind ausschließlich durch deren Mitarbeit auf den Hahn gekommen. Das sollte man berücksichtigen, wenn man alte Fälle aufrollt, die längst abgehakt sind, von Gutachtern bewertet wurden und auch vom Finanzamt geprüft. Eine solche öffentliche Hexenjagd ist in keinem Fall zulässig.

    Wo kommen die Vorwürfe jetzt wieder her?

    Wenn ein neuer Geschäftsführer am Hahn antritt, wird er immer wieder die gleichen anonymen Anrufe und Briefe bekommen, von Leuten, die andere zerstören oder sich rächen wollen. Das ging mir so, das ging auch anderen so, und scheint auch hier passiert zu sein.

    Sie sind doch eigentlich nicht ganz allein. Wo sind Aufsichtsrat und die Landesregierung?

    Der Aufsichtsrat hat sich mit den genannten Vorwürfen bereits vor Jahren beschäftigt, sie aufgearbeitet und sie ad acta gelegt.

    Im Moment wirkt es so, als räume am Hahn mal einer intern richtig auf. Warum ist das nicht vorher passiert?

    Das gab es, aber es wurde nicht in der Öffentlichkeit gemacht, sondern intern. Die Sanierung eines Unternehmens ist Teil des laufenden Geschäfts, das ist in jedem Unternehmen ein Muss - gerade in unserem Unternehmen war es so. Wir haben das im Unternehmen organisch entwickelt, mit nachweisbaren Erfolgen trotz der Rückschläge.

    Moment, es gab einen Sanierungsplan?

    Aber selbstverständlich, das ist doch Tagesaufgabe eines Unternehmens. Es gab anspruchsvolle Konzepte, die zur Sanierung gedacht waren, die hießen früher nur anders: Roter Faden, Fokus 2012 und Finish 2013. Das waren keine Schaufenstermodelle, die wir nach außen gehängt haben. Aber es gab sie selbstverständlich. Sie waren auf realistischer Basis im Unternehmen und mit dem Unternehmen entwickelt worden - und sie haben Wirkung gezeigt.

    Sie waren nicht im Sanierungsteam von Herrn Rethage?

    Anfangs habe ich mich bewusst zurückgehalten, da ich für eine neutrale freie Hand sorgen wollte. Dann wurde ich schlichtweg nicht mehr eingebunden.

    Wie kann der Hahn überhaupt den Sprung in eine gute Zukunft schaffen?

    Was man im Moment am Hahn völlig vermisst, ist, dass sich einmal einer vor die Mitarbeiter stellt und dass das Unternehmen eine positive Entwicklung gemacht hat. Das Vertrauen der Menschen in den Hahn ist im Moment nicht da, in den letzten Monaten ist hier viel verschenkt worden. Das Tragische am Schluss ist, dass man einen Flughafen nicht gesund schrumpfen kann. Man kann einen Flughafen nur gesund wachsen. Man braucht einen vernünftigen Zukunftsplan, um solide und nachhaltig zu wachsen.

    Springen Investoren aufgrund der jetzigen Situation und Diskussion ab?

    Für die Investorensuche sind wir nicht zuständig, das ist Aufgabe des Landes. Aber was ich sagen kann, ist, dass wir konkret spüren, dass Airlines wegen der Situation der vergangenen Monaten nicht kommen oder kritisch reagieren.

    Vorzugsweise im Frachtbereich?

    Klar. In diesem Bereich reden wir ja naturgemäß auch mit mehr Airlines als im Passagebereich.

    Wenn man es als Sachschaden ansehen würde, reden wir über Millionen Euro?

    Sachschaden trifft es nicht ganz, aber: Ja.

    Infrastrukturminister Roger Lewentz zeigte sich zuletzt sehr zuversichtlich, dass Ryanair auch nach dem Ende des derzeitigen Vertrags 2015 am Hahn bleibt?

    Das teile ich. Ich habe selbst mit Ryanair in Dublin verhandelt.

    Das Land will die Wende bis 2017 schaffen. Wie ist sie zu schaffen?

    Der Hahn hat immer noch eine vernünftige Startbasis durch die Rahmenbedingungen und die Angebote an die Airlines. Natürlich hängt viel von Entwicklungen ab, die wir nicht beeinflussen können, von der Weltwirtschaftslage, von Kerosinpreisen, von der Entwicklung im Bereich der Single-Carriere und im Frachtmarkt. Diese Entwicklungen sind abzuwarten. Aber nach wie vor haben wir eine niedrige Kostenbasis, ein gutes Angebot und Rund-um-die-Uhr-Bedingungen. Wir können den Airlines gute Strukturen bieten. Wichtig ist es jetzt, in Brüssel die infrastrukturellen Fragen zu klären und Ruhe am Hahn zu bekommen - auch für alle Mitarbeiter. Ihnen muss wieder mehr Vertrauen geschenkt werden, nachdem sie zuletzt pauschal diskreditiert worden sind.

    Das Gespräch führten Volker Boch und Thomas Torkler

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