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    Neue Männer braucht das Land

    Arme Männer! Es gibt kein Männerministerium und keine Männerbeauftragten in Stadtverwaltungen, es gibt keine Männerärzte, und es hat auch keine Männerbewegung gegeben. Womöglich hätte es sie gebraucht. Denn während in den vergangenen 50 Jahren Feministinnen und ihre gemäßigten Nachfolger unermüdlich - und in vielen Bereichen sehr erfolgreich - für das Ende der Jahrhunderte währenden Benachteiligung von Frauen gekämpft haben, sind die Männer unbemerkt ins Hintertreffen geraten.

    Das letzte Hemd geraubt? Männer sind schlechter gebildet und kränker als Frauen in Deutschland. Allmählich beginnt auch die Politik, sich Sorgen zu machen um die Zukunft des starken Geschlechts. 
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    Das letzte Hemd geraubt? Männer sind schlechter gebildet und kränker als Frauen in Deutschland. Allmählich beginnt auch die Politik, sich Sorgen zu machen um die Zukunft des starken Geschlechts.
    Foto: dpa - picture alliance / dpa-tm

    Arme Männer! Es gibt kein Männerministerium und keine Männerbeauftragten in Stadtverwaltungen, es gibt keine Männerärzte, und es hat auch keine Männerbewegung gegeben. Womöglich hätte es sie gebraucht. Denn während in den vergangenen 50 Jahren Feministinnen und ihre gemäßigten Nachfolger unermüdlich - und in vielen Bereichen sehr erfolgreich - für das Ende der Jahrhunderte währenden Benachteiligung von Frauen gekämpft haben, sind die Männer unbemerkt ins Hintertreffen geraten.

    Von unserer Redakteurin Rena Lehmann

    Neue Studien belegen: Männer sind gesundheitlich in einer schlechteren Verfassung und sterben früher. Jungen bleiben aber auch bei den Bildungsabschlüssen hinter ihren Mitschülerinnen zurück. Und Männer in Deutschland sind deutlich häufiger als Frauen arbeitslos. Ist im Windschatten der Gleichberechtigung des einen Geschlechts gar die Benachteiligung des anderen entstanden?

    Der erste Bericht zur Situation von Jungen und Männern in Deutschland 2010, der zum heutigen Weltmännertag von der Geschlechterpolitischen Initiative Manndat vorgelegt wurde, legt diesen Schluss nahe. Demnach liegt die Lebenserwartung der Frauen bundesweit im Schnitt bei 82,4 Jahren, während Männer in der Regel schon mit 77,1 Jahren das Zeitliche segnen. Rheinland-Pfalz liegt dabei fast im Bundesschnitt (Frauen: 82,04 Jahre, Männer: 77,05 Jahre). Männer erleiden häufiger einen Herzinfarkt, erkranken häufiger an Lungenkrebs und Diabetes, sie leiden stärker an Fettleibigkeit. Die Bundesregierung kümmerte das bisher nicht. Die Stiftung Männergesundheit und die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit hat das Problem erstmals benannt, dass medizinische Angebote Männer viel zu selten erreichen. Daran sind sie aber nur zum Teil selbst schuld. Männerprobleme sind gesellschaftlich tabu. Oft wollen und sollen sie nicht jammern, sondern aufopferungsvolle Väter und Ehemänner sein, die gleichzeitig beruflich "ihren Mann" stehen. Der Erwartungsdruck an sich selbst, aber auch der ihrer Frauen, die nicht selten den gleichen Spagat zwischen Beruf und Familie hinlegen müssen, nimmt zu. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will den Männern zwar künftig dabei helfen, gesünder zu leben. Doch nicht allein die gesundheitlichen Defizite sind ein Symptom für den männlichen Aufholbedarf.

    Viele Jungs sind ohne Job

    Deutlich weniger junge Männer als junge Frauen machen etwa heute das Abitur, und besonders schlecht schneiden Jungen mit Migrationshintergrund in Sachen Bildung ab. 18,8 Prozent von ihnen erreichen überhaupt keinen Schulabschluss, bei den Mädchen mit Migrationshintergrund sind es 13 Prozent. 63,7 Prozent mehr Jungen als Mädchen sind heute ohne Job oder Ausbildungsplatz.

    Die Männerprobleme haben sich zu einer Herausforderung für alle angestaut. Laut der Shell-Jugendstudie will die große Mehrheit der Mädchen Karriere machen, gleichzeitig aber auch den Wunsch nach einer Familie mit einem Partner auf Augenhöhe verwirklichen. Die gleiche Anzahl junger Männer kann sich dagegen nicht vorstellen, später mit einer emanzipierten Frau zusammenzuleben. Männlein und Weiblein werden es künftig folglich schwerer haben, überhaupt noch zueinander zu finden. Und gerade formal besser gebildete Frauen werden auf der Suche nach dem Richtigen seltener fündig. Die Folge: Es gibt weniger Kinder.

    Machotum gleich Männlichkeit?

    Die Familienministerin, die in der schwarz-gelben Koalition bisher eher durch Zurückhaltung auffiel, tut gut daran, sich des Themas anzunehmen. Ein paar sinnvolle Vorschläge hat sie bereits. Den Jungen fehlen in Kitas und Grundschulen die gleichgeschlechtlichen Vorbilder. Gerade mal drei Prozent Männer arbeiten in diesem Bereich. Das will Schröder ändern, indem sie etwa Arbeitslose zu Erziehern ausbilden lässt. Jungen sollen mangels anderer Vorbilder nicht das Machotum für die einzig vorstellbare Form von Männlichkeit halten. Weil Jungen in Deutschland aber vermehrt ohne Kontakt zu Männern aufwachsen, entwickeln sie geradezu einen Kult um Männlichkeit, der nicht nur manche Frau das Weite suchen lässt, sondern den Männern auch berufliche Chancen verbaut. Ab 2011 soll es neben dem etablierten Girls' Day, der Mädchen für technische Berufe begeistern will, also einen Boys' Day geben, der Jungen für Dienstleistungsberufe, etwa im Pflegebereich gewinnen soll. Diese Ideen sind noch kein Durchbruch, aber immerhin ein Anfang.

    Junge Männer brauchen künftig Unterstützung, Frauen allerdings auch. Denn obwohl es angesichts der erwähnten Arbeitsmarkt- und Bildungszahlen nahezu absurd erscheinen mag: Die Dreh- und Angelpunkte der Welt liegen - von Kanzlerin Angela Merkel mal abgesehen - nach wie vor in Männerhand. In den Führungsetagen der deutschen DAX-Unternehmen kommen Frauen fast ausschließlich als Sekretärinnen und nicht als Vorstände vor. Und der Bruttoverdienst von Frauen für gleiche Arbeit liegt 23 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen. Die Frauen selbst sind an ihrem Unglück ebenfalls nicht ganz unschuldig. Sie trauen sich noch immer weniger zu und drängen weniger in Führungsjobs. Beide Geschlechter können noch viel voneinander lernen. Worauf warten sie eigentlich noch?

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