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  • Alle lieben Josefine Preuß

    Josefine Preuß ist so klein wie quirlig. Wir treffen die 
beliebte Schauspielerin zum Interview in Köln und sind 
begeistert von ihrer guten Laune. „Sie sind ja wirklich oft im Fernsehen zu sehen“, sagen wir zur Begrüßung. Ihre Antwort: „Oje, ich weiß, Entschuldigung. Drehe ich zu viel?“ Nein, tut sie nicht.

    Ärztin Lotta (Josefine Preuß) versucht stets, hinter die Fassade ihrer Patienten zu blicken. Die Rolle der kleinen und frechen Lotta ist Josefine Preuß auf den Leib geschrieben. Foto: Britta Krehl/ZDF
    Ärztin Lotta (Josefine Preuß) versucht stets, hinter die Fassade ihrer Patienten zu blicken. Die Rolle der kleinen und frechen Lotta ist Josefine Preuß auf den Leib geschrieben.
    Foto: Britta Krehl/ZDF

    Von unserem Journalchef Michael Defrancesco

    Mal sind Sie Lotta, mal sind Sie die Zeitreisende Lucy, mal die Stimme der Disney-Hasenpolizistin Judy Hopps – muss man als Schauspielerin einen Hang zur multiplen Persönlichkeit haben?
    Privat bloß nicht – da wäre es schön, wenn man am Abend des Tages weiß, wer man ist. Aber was Rollen angeht: ja! Da sage ich immer: so unterschiedlich wie möglich. Was mich am meisten reizt, sind Rollen, die von mir am weitesten weg sind. Da schreibe ich mir zwischen den Zeilen des Drehbuchs meine eigene Rollenbiografie und versuche, den Charakter zu verstehen.


    Was war am weitesten weg bisher?
    Schon die historischen Rollen, Adlon, Sacher. Da muss man sich auch tief in die jeweilige Zeit einarbeiten.


    Standen Sie schon als Mädchen gern im Mittelpunkt?
    Ja, ich war immer der Klassenclown. Das hatte aber auch mit meiner Höhe zu tun: Ich war immer die Kleinste und wurde immer übersehen, und da weiß man sich zu helfen. Dann ist man klein, aber laut. Ich wurde von meinen Eltern allerdings auch so erzogen, zu meinen Macken zu stehen und mich nicht beeinträchtigen zu lasen. Und für den Notfall hatte ich meine große Schwester, die dann auch mal jemanden für mich verhauen konnte. (grinst)


    Gleichzeitig waren Sie aber auch bald schon ein Filmstar: Sie drehten die Kinderserie „Schloss Einstein“. Wie funktionierte das neben der Schule?
    Ich war nicht die schlechteste Schülerin, und deshalb haben mich meine Eltern da laufen lassen. Ich habe eine Worst-Case-Kombination, was die Eltern angeht: Ich bin ein Lehrer-Bulle-Kind. (lacht) Diese Berufsgruppen willste als Teenager beide nicht um dich herum haben. Ich hatte sie jeden Morgen am Frühstückstisch sitzen. Aber zum Glück hatte ich junge und coole Eltern, die auch Profis darin waren, ihren Job vor der Haustür zu lassen. Aber klar haben sie sehr auf meine Noten geachtet. Und wenn ich gedreht habe, waren das gut durchgetaktete Tage. Aber ich wollte das so! Ich wollte immer schon Geschichten erzählen.


    Und dann die erste Autogrammstunde ...
    Weiß ich noch gut. Das war in Erfurt an einem KiKa-Tag – und ich dachte immer, dass keiner meine Rolle bei „Schloss Einstein“ mag, ich war ja eine intrigante Zicke. War aber nicht so, alle fanden mich toll. Autogrammstunden sind schon auch immer etwas seltsam, oder? Ich schreibe da jemandem meinen Namen auf – und dann? Was macht er damit?


    Was machen Sie mit den Autogrammen, die Sie bekommen haben?
    Ich habe keine. Ich war nie so das Fan-Girl. Ich hatte mit zwölf ein Poster von Klaus Kinski im Zimmer hängen – und man dachte immer, er guckt einen an. Egal, wo man stand.


    Jetzt bekomme ich Angst vor Ihnen.
    Hat meine Mama auch gesagt. Die hat sich irgendwann wegen Kinski geweigert, in meinem Zimmer zu putzen. Aber ich fand den toll. Ansonsten liebe ich leere Wände – ich hänge selten etwas auf. Ich habe zwar Bilder, aber die stehen an der Wand. Die hängen nicht.


    Die verdecken Schimmelflecken.
    (lacht schallend) Sie verstehen mich. Endlich jemand!
    Sie haben später eine private Schauspielschule besucht. Hat Ihnen das etwas gebracht?
    Für mich war früh klar, dass ich nicht noch Abi machen wollte. Ich wollte drehen. Meine Eltern sagten: Gut, aber nur unter der Bedingung, dass mich eine Schauspielschule aufnehmen würde. Also bin ich überall rumgefahren, habe in Leipzig vorgesprochen, in Rostock. Ich wäre sogar genommen worden – aber ich wollte mit 16 doch noch nicht von zu Hause in Potsdam ausziehen. Also war die private Schauspielschule eine Notlösung – und ich hatte tierische Probleme dort. Es kamen tolle Filmangebote, aber die Schulleitung wollte mir vieles verbieten. Und irgendwann hatte ich die Wahl zwischen „Schauspielschule fertig machen“ oder „Türkisch für Anfänger“. Natürlich drehe ich mit 18 Jahren – ich hatte die Chance auf eine Hauptrolle in der ARD!


    Nicht bereut?
    Niemals, nein. Gott, wenn ich zurückdenke ... Im ersten Semester an dieser Schauspielschule bekam ich die Aufgabe: „Improvisation: Du bist ein Putzlappen, der sich in einen Stöckelschuh verliebt“. Ich stellte mir die Frage: Werde ich jemals in meinem Leben einen Putzlappen spielen müssen? Und wenn ja: Dann ist das nicht meine Rolle. Gebt mir doch Rosalinde, gebt mir doch Kleist! Gebt mir Szenen, echte Rollen, Texte, an denen man sich zerreißen kann! Diese ersten Semester waren Kindergeburtstag für Erwachsene. Ich wollte spielen! Ich wollte ein Charakter und kein Putzlappen sein.


    So nennen wir Ihre Autobiografie.
    (grinst) So sind Schauspielschulen – für manche funktioniert das, okay. Aber für mich nicht. Ich wollte auch nie auf die Bühne, sondern vor die Kamera – und das ist noch einmal etwas ganz anderes. Ich habe von den großartigen Kollegen gelernt, mit denen ich drehen durfte.


    In Ihrer neuesten „Lotta“-Folge träumen Sie von Berlin und können endlich dorthin ziehen. Haben Sie als Potsdamer Mädchen auch immer von Berlin als großer Stadt nebenan geträumt?
    Ich war oft in Berlin, ich hatte schon als Jugendliche meine Freunde dort. Auch wenn man in Potsdam wohnt, fährt man zum Shoppen und Weggehen nach Berlin. Als ich mit 17 dann nach Berlin gezogen bin, war es mir nicht fremd, und ich hatte dort schon Freunde. Ich war nie allein.


    Ohne die wäre es aber schwierig geworden, oder?
    Das stimmt schon, Berlin kann einen sehr einsam werden lassen. Aber das passiert mir nicht. Ich bin sehr kontaktfreudig und lerne gern und schnell neue Menschen kennen. Ich habe in jedem Bezirk mein Lieblingscafé und meine Lieblingsstraßen. Manchmal ist Berlin auch ein Dorf: Meine Bäckerfrau macht sich Sorgen um mich, wenn ich mal drei Tage nicht komme und kein Brot bei ihr kaufe.


    Echt?
    Ja, die ist ganz süß. Ich hab bei mir unten im Haus ein Biobäckerei. Wenn ich „Lotta“ in Berlin drehe, habe ich meinen Produktionsfahrer, und der kommt dann immer schon ein paar Minuten früher und holt bei diesem Bäcker zwei Coffee-to-go für uns. Und dann ist meine Bäckerfrau immer ganz aufgeregt: „Ah, dreht Frau Preuß wieder?“


    Sie haben einen Produktionsfahrer? Ganz schön dekadent – können Sie nicht mit der U-Bahn fahren?
    (lacht) Das hat versicherungstechnische Gründe.


    Ja ja, das sagt man dann so. Sie haben bestimmt schon Starallüren.
    (die Augen funkeln) Ich werde leicht unruhig und zickig.


    Owei.
    Aber ich werde still, wenn ich zickig werde. Wer mich kennt, der weiß: „Oje, jetzt sagt sie nichts, das ist kein gutes Zeichen.“


    Wann werden Sie zickig?
    Bei Kälte. Eigentlich nur bei Kälte. Ich sag immer: „Gib mir einen Kaffee und eine Kippe und setz mich auf die Bordsteinkante. Ruf mich in acht Stunden, ich komme, wenn ich dran bin.“ Ich bin da sehr genügsam. Aber ich mag nicht mehr frieren. Und wenn wir „Lotta“ im November drehen, aber die Geschichte im Spätsommer spielen soll und ich entsprechend gekleidet bin – das merk ich dann schon. (bibbert) „Kann ich nicht auch wie alle anderen hinter der Kamera eine Mütze haben?“ Auch privat: Ich mag nicht 
frieren.


    Da haben Sie ja mit Berlin die absolute Topadresse.
    Mhm, ja. Da friert es die Hälfte des Jahres.


    Und die Berlinale ist im Februar.
    Hören Sie auf! Da steigt man im Kleidchen oder kurzen Röckchen ins Taxi, offene Schuhe und brrrrrrrr. Ich hasse das.


    Ziehen Sie doch was Langes für den roten Teppich an!
    Wollsocken in Pumps?


    Wäre apart.
    Aber nur, wenn Sie mitmachen!


    Ich hab immer Wollsocken an, wenn ich von der Berlinale berichte.
    Nein, ich rede von Wollsocken in Pumps.


    Pumps? Ich? Sind Sie wahnsinnig?
    (lacht schallend)


    Wir müssen das Interview beenden.
    Nein, nein, nicht das Diktiergerät ausschalten, nein ...

    Wissenswertes:

    Josefine Preuß wurde 1986 geboren und wuchs in Potsdam auf. Schon als Kind spielte sie Theater und war in der Kinderserie „Schloss Einstein“, die im KiKa gezeigt wurde, als intrigant-zickige Anna Reichenbach zu sehen. Ihre bekanntesten Filme: „Türkisch für Anfänger“, „Das Adlon“ und die „Diamanten-Trilogie“. In Disneys „Zoomania“ sprach sie die Hauptrolle der Judy Hopps.
    Die neue Folge „Lotta und der Ernst des Lebens“ ist am Donnerstag, 4. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. Lotta hat eine Stelle als Ärztin in Berlin angenommen. Gegen den Willen ihrer Tochter zieht sie in die Großstadt. Doch die Metropole scheint nicht auf sie gewartet zu haben, und so gelingt es Lotta nicht einmal mit ihrem frechen Charme, die Stadt zu erobern.

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