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    Eine Messe für den Papst: Land stemmt klingendes Großprojekt

    Rheinland-Pfalz. Für viele Chorsänger und Laienmusiker aus Rheinland-Pfalz wird es das Ereignis des Jahres: Ein Projektchor samt Orchester reist im November nach Rom, um im Petersdom eine Messe für Papst Franziskus zu gestalten. Mehr als 150 Menschen sind an dem Großprojekt beteiligt, das federführend vor allem einer ermöglicht hat: Sven M. Hellinghausen. Der Komponist hat die Messe für einen achtstimmigen gemischten Chor, ein Tenor-Solo und ein sinfonisches Blasorchester anlässlich des 80. Geburtstages Franziskus' binnen weniger Monate geschrieben. Im Interview erzählt er, warum er in seiner Komposition auf Klangakrobatik verzichtet hat.

    Herr Hellinghausen, Sie sind Musiker, Musikpädagoge und Komponist für sinfonische Blasmusik. Stand das Projekt Messe schon länger auf Ihrer Lebensliste?

    Tatsächlich kam zweierlei zusammen. Ich schreibe für zwei Musikverlage, einen in Süddeutschland und einen in Wales. In dem Zusammenhang habe ich schon mehrere sinfonische Klangbilder geschrieben, auch Märsche, die ich unter anderem dem Westerwald und Altenkirchen gewidmet habe. Ich wollte aber schon lange ein neues Genre abdecken und habe die Kirchenmusik für mich entdeckt. So kam ich dann auch auf die Messe. Weil mich Papst Franziskus zudem als Person fasziniert, war klar, dass ich ihm die Messe widme.

     

     

     

    Inwiefern hat Sie Franziskus selbst musikalisch inspiriert?

    Insofern, dass ich etwas komponieren wollte, das dem Ort angemessen, aber trotzdem nicht herkömmlich ist. So nehme ich Franziskus auch wahr. Ich habe den Eindruck, dass er ein unkonventioneller Mensch ist, der bescheiden auftritt, obwohl ihm doch zum Beispiel viel mehr Vergünstigungen zustünden. Das beeindruckt mich an ihm. Die Messe soll ebenso funktionieren: Sie soll der erhabenen Stellung des Papstamtes und gleichzeitig der Schlichtheit und Bescheidenheit des Amtsinhabers gerecht werden. Das war die besondere Herausforderung: Musik zu schreiben, die berührt und nicht protzt.

     

     

    Inwiefern ist die Messe so praktikabel, dass sie nach der Aufführung im Petersdom nicht in der Schublade verschwinden muss?

    Zu 100 Prozent. Ich habe den lateinischen Messtext komplett übernommen und bewusst auf Klangakrobatik verzichtet. Diese Messe soll kein Podium für die technische, handwerkliche Talentschau sein, sondern den Schwerpunkt auf das Gefühl legen. Und das so, dass auch kleine Pfarrgemeinden die Messe in ihren Gottesdienst einbinden können. Flexibel aufführbar vom Kleinchor mit Orgel bis hin zu großem Chor mit Orchester oder, als Orchester solo.

     

    S. M. Hellinghausen
    S. M. Hellinghausen
    Foto: Sascha Ditscher

     

     

    Wenn der Schwerpunkt auf dem Gefühl liegt, inwiefern haben Sie sich auch an Kompositionen der Romantik orientiert?

    Bewusst gar nicht. Von Menschen, die die Komposition bereits in Auszügen gehört haben, wurde mir schon attestiert, dass die Messe einen romantischen Charakter hat. Das möchte ich nicht verneinen, allerdings war das nicht meine Intension. Vorab wusste ich nur, dass es keine experimentelle Messe à la Karlheinz Stockhausen werden soll. Es gibt bestimmt auch Passagen, die an romantische Messen erinnern, zum Beispiel in Hinsicht auf die Betonung des gefühlvollen Ausdruckes beziehungsweise die Auflösung der klassischen Formen. Das Agnus dei, das Schlussstück, erinnert sicherlich an spätromantische Motive.

     

     

    Liegt Ihr Augenmerk auch auf einzelnen Instrumentengruppen?

    Nun ja, die Messe besteht aus sehr unterschiedlichen Klangfarben. In der Partitur sind etwa 20 Instrumentengruppen notiert, hinzu kommt der Chor, der eine entscheidende Klanggruppe darstellt. Mein Augenmerk liegt von daher vielleicht etwas verstärkt auf Instrumenten, die eng mit dem Chor korrespondieren. Vor allem Fagott und Oboe sind sehr prägnant, sie müssen mit hoher Qualität gespielt werden, alles andere würde in jedem Fall auffallen.

     

    Und vielleicht gerade im Petersdom. Haben Sie bereits Erfahrungen mit der Akustik dieses Ortes gemacht?

    Nein, noch nicht. Ich habe den Petersdom zwar schon häufiger besucht, da galt mein Interesse allerdings nicht der Akustik. Von Musikern habe ich gehört, dass der Klang nicht, wie man vermuten würde, überakustisch ist, sondern eher trocken. Wir müssen uns überraschen lassen, es gibt keine Generalprobe. Wir springen also gemeinsam ins kalte Wasser.

     

    Sie sagen, die reine Aufführungsdauer beträgt 15 Minuten. Warum haben Sie sich so kurz gefasst?

    Das hat wieder damit zu tun, dass die Messe leicht zu handhaben sein soll. Es bringt ja nichts, wenn ich ein episches Werk komponiere, das dann keinen Eingang in den Alltag findet. Die Kürze macht die Messe praktikabel. Hinzu kommt, dass keine Schwierigkeiten eingebaut sind, die die Messe künstlich erscheinen lassen würden. Die feierliche, andachtsvolle und zugleich erhabene Atmosphäre des Stückes steht im Vordergrund. In der Kombination hoffe ich, dass von dieser Messe etwas mehr bleibt, als ein einmaliges Gastspiel in Rom.

     

     

    Das Gespräch führte Melanie Schröder

     

     

     

     

     

     

     

     

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