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    MainzTempo 30 in der Nacht: Ein Fall für die Tonne?

    Die Nachricht, dass in der Kaiserstraße und Parcusstraße ein nächtliches Tempolimit eingeführt werde soll, führt zu kontroversen Reaktionen.

    tempo 30
    Foto: dpa/picture alliance

    Mainz - Die Nachricht, dass in der Kaiserstraße und Parcusstraße ein nächtliches Tempolimit eingeführt werden soll, führt zu kontroversen Reaktionen.

    Anwohner, Taxifahrer und Politiker von CDU und FDP halten Tempo 30 für kaum geeignet, um den Lärm zu mindern. Doch das Land will die Geschwindigkeitsbegrenzung bis zum Jahresende umsetzen. Die Gespräche zwischen Stadt und Land sollen nach den Ferien beginnen.

    Wie die MRZ berichtete, ist das Tempolimit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr Resultat eines "Runden Tisches zum Lärmschutz", mit dem die rot-grüne Landesregierung die Bürger besser vor Krach schützen möchte. Die in Mainz anfallenden Kosten von bis zu 20.000 Euro will das Land übernehmen.

    Umweltministerium: Wir betrete Neuland

    Doch eine nächtliche Tempo 30-Zone birgt Zündstoff. "Wir sind uns bewusst, dass wir Neuland betreten", sagt Heike Spannagel, Sprecherin des Umweltministeriums. "Es kann im Verfahren Hürden geben, doch die gilt es auszuloten."

    Kaum als Hindernis würde sich der Status der Kaiserstraße als Bundesstraße erweisen. "Für den Verkehrsfluss ist nicht der Bund, sondern die Kommune zuständig", erklärt Spannagel. "Die Stadt kann Tempo 30-Schilder aufstellen." Die Stadt sei es schließlich auch gewesen, die das Förderprojekt beantragt habe.

    Eine Äußerung, die von der Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) bestätigt wird. "Das Vorhaben ist schon lange Teil des kommunalen Lärmaktionsplanes. Der wurde im Mai 2009 unter dem damaligen Umweltdezernenten Wolfgang Reichel beschlossen." Entsprechend habe das städtische Umweltamt einen Förderantrag gestellt, wie bei vielen anderen Vorhaben auch.

    Ex-Umweltdezernent Reichel weiß nichts von einem Antrag

    Doch vom konkreten Antrag will der CDU-Politiker Reichel nichts wissen. "In meiner damaligen Bestandsaufnahme der Verkehrsbelastungen war gar kein Maßnahmenkatalog enthalten", erklärt der jetzige Landestagsabgeordnete auf MRZ-Nachfrage.

    Und macht keinen Hehl daraus, dass er von Tempo 30 in der Kaiserstraße und in der Parcusstraße rein gar nichts hält. "Um von den hohen Werten runter zu kommen, muss der Verkehr vielmehr verflüssigt werden."

    Reichel ist nicht der einzige Mainzer Politiker, der das Thema kritisch betrachtet. Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) hält nichts von einem Schuss aus der Hüfte. Er wünscht sich gründliche Untersuchungen und eine Diskussion im Stadtvorstand. Über den Vorstoß, eine Hauptverkehrsstraße derart zu reglementieren, sei er doch einigermaßen verwundert. Sitte: "Ich bin gespannt, welche verkehrspolitischen Vorteile für die Stadt man uns da vorrechnen wird."

    ADAC: Reduzierung mindert Lärm nur um zwei Dezibel

    Überhaupt keine Vorteile erwartet der ADAC von Tempo 30. Herbert Fuss, Leiter der Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC Mittelrhein, beziffert die Lärmminderung bei der Reduzierung von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde auf maximal zwei Dezibel. Er argumentiert: "Der Lärm kommt weniger vom Tempo, sondern vom Abrollgeräusch der Reifen und der Motordrehzahl." Eine Grüne Welle würde viel mehr bringen.

    Ob es wirklich bei Tempo 30 bleibt, ist ohnehin noch nicht klar. Auch Tempo 40 wurde am "Runden Tisch" offen diskutiert, sagt Wolfgang Neutz, Hauptgeschäftsführer des Städtetages Rheinland-Pfalz, der in der Runde dabei war.

    Von Thomas K. Slotwinski und Armin Seibert

    Kampf gegen Verkehrslärm: Tempo 30 für die Kaiserstraße
    Mainz
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