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    MainzSitte: "Mainz braucht sich vor niemandem zu verstecken"

    Christopher Sitte wird Wirtschaftsdezernent von Mainz. Wir sprachen mit dem FDP-Mann über den Reiz einer solchen Position und seine Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung der Domstadt.

    Der Stadtrat wählte Christopher Sitte (FDP, rechts) als Wirtschaftsdezernent, ihm  gratuliert der unterlegene Kandidat von CDU und ÖDP Dirk Loomans.
    Der Stadtrat wählte Christopher Sitte (FDP, rechts) als Wirtschaftsdezernent, ihm gratuliert der unterlegene Kandidat von CDU und ÖDP Dirk Loomans.
    Foto: Julia Rau

    Herzlichen Glückwunsch, Herr Sitte! Hätten Sie vor einem Jahr geglaubt, dass Sie Ende 2010 Wirtschaftsdezernent der Stadt Mainz werden?

    Gar nicht! Das hat sich im Lauf der vergangenen Monate entwickelt.

    Was reizt Sie an dieser Position?

    Dass ich Themen und Inhalte, für die ich stehe, künftig besser und effizienter umsetzen kann.

    Als da wären?

    Mainz ist eine der ältesten Städte Deutschlands, hat aber einen der jüngsten Altersdurchschnitte. Wir haben eine große Uni, zwei Fachhochschulen, gehören zum Rhein-Main-Gebiet und sind eine Medienstadt. Das sind Riesenchancen.

    Also ist alles in Butter?

    Mitnichten. Wir sind im Wettbewerb mit anderen Städten. Die Konkurrenz schläft nicht. Aber: Wir haben viele Pluspunkte. Große Chancen sehe ich in der technologischen Entwicklung. Nehmen Sie Unternehmen wie Schott oder jetzt Schott-Solar. Das sind Zukunftsarbeitsplätze. Und nicht nur für diese weltweit agierenden Unternehmen, sondern auch für kleinere Betriebe aus der Zulieferbranche.

    Die klassische Ansiedlungspolitik, die in den 80er Jahren die Diskussion bestimmt hat, ist für Sie gar nicht mehr so wichtig …

    Das eine tun, heißt nicht, das andere zu lassen. Wir müssen dringend das Gewerbegebiet Hechtsheim weiterentwickeln. Das ist in der Vergangenheit, insbesondere aus politischen Gründen, nicht immer ganz einfach gewesen. Die Ansiedlung von Möbel-Martin ist da ein wichtiger Impuls.

    Es gibt Stimmen, die die Ausweitung von Gewerbegebieten sehr skeptisch beurteilen.

    Aktuell halten wir in ausreichendem Maß Gewerbeflächen vor. Ansonsten halte ich es mit dem alten Motto "Eine gute Wirtschaftspolitik ist die beste Sozialpolitik". Bedenken Sie, wie viele Arbeitsplätze ein prosperierendes Gewerbegebiet mit sich bringt. Wir brauchen Wachstum, um das, was wir uns leisten möchten, leisten können.

    Was wollen wir uns denn leisten?

    Wenn zum Beispiel in der Kultur zu stark der Rotstift angesetzt würde, so wäre das kontraproduktiv. Mainz ist ja nicht nur eine Wirtschafts- und Bildungsmetropole. Die "weichen Faktoren" sind genauso wichtig. Dazu zählt ein gutes Kulturangebot. Wir brauchen eine lebenswerte Stadt, um für Fachkräfte von außen und deren Familien attraktiv zu sein. Außerdem bergen die Themen Kultur und Wein eine Riesenchance für einen qualitativen Tourismus. Wir sind Great wine Capital, also die Weinhauptstadt von Deutschland. Das sind gewaltige Potenziale für die Gastronomie und Hotellerie.

    Sie sprachen eben den Konkurrenzkampf der Städte an. Gilt der auch im Rhein-Main-Gebiet?

    Der Rhein ist eine psychologische Grenze, sollte aber keine tatsächliche sein. Wir gehören zur Region, und das bietet die Chance, dass wir uns international darstellen können. Allein könnten wir das nicht. Trotzdem können wir als Mainzer selbstbewusst auftreten. Wir brauchen uns vor niemanden zu verstecken. Rhein-Main bietet für uns mehr Chancen als Risiken.

    Die Konkurrenz der Einkaufsstädte gibt es aber innerhalb der Region.

    Diesen Wettbewerb muss es auch geben, weil der Nutznießer der Kunde ist. Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Einzelhandel den Wettbewerb annehmen kann. Für dieses Ziel wurden im Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen die richtigen Vorgaben gemacht: die City als Dreieck mit den Eckpunkten Brand, Citymeile und Ludwigsstraße.

    Während die Aufwertung der beiden Erstgenannten sehr gut gelungen ist, müssen wir die Ludwigsstraße nun mit Hochdruck angehen. Dazu zähle ich auch die Große Langgasse. Sie ist sehr stark durch Autoverkehr belastet und schneidet die City vom Schillerplatz ab. Wir müssen eine Lösung finden, die Straße zu beruhigen, aber dürfen auf Kurzzeitparkplätze nicht komplett verzichten. Diese Diskussion muss man ideologiefrei und mit Augenmaß angehen.

    Was wird aus Karstadt?

    Durch die Rettung des Unternehmens gibt es jetzt Zukunftsoptionen. Das Gebäude ist in einem Zustand, der eine Renovierung dringend nahelegt.

    Fällt Ihnen der Abschied aus dem Stadtrat schwer?

    Ja! Ich bin elf Jahre dabei und habe die Arbeit gerne gemacht. Wir hatten noch nie eine so große Fraktion, die vor allem jetzt wesentlich weiblicher ist. Das Miteinander in der Koalition ist stets kollegial und freundschaftlich gewesen. Aber ich bin ja nicht aus der Welt - nur in einer anderen Funktion.

    Sind Sie mit Blick auf Ihre neue Aufgabe aufgeregt?

    Ja klar! Jeder, der in dieser Situation etwas anderes behauptet, würde flunkern.

    Das Gespräch führte Lokalchef Thomas K. Slotwinski

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