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    MainzSchulaufsicht: Marketing verstößt gegen Werbeverbot

    Verkaufsveranstaltungen für Buchstützen und weitere Marketing-Aktivitäten, mit denen Kinder an Mainzer Schulen konfrontiert worden sind, verstoßen gegen das gesetzliche Verbot von Werbung an Schulen. Diese Einschätzung erhielt die MRZ bei der Schulaufsichtsbehörde ADD in Trier. Die beschriebenen Fälle erfüllten auch nicht die Vorgaben für erlaubtes Sponsoring.

    Auch die jährlichen Brotdosen-Aktionen für Erstklässler sind aus Sicht der Schulaufsicht bedenklich.
Archivfoto: Harry Braun
    Auch die jährlichen Brotdosen-Aktionen für Erstklässler sind aus Sicht der Schulaufsicht bedenklich. Archiv
    Foto: Harry Braun

    Mainz - Verkaufsveranstaltungen für Buchstützen und weitere Marketing-Aktivitäten, mit denen Kinder an Mainzer Schulen konfrontiert worden sind, verstoßen gegen das gesetzliche Verbot von Werbung an Schulen. Diese Einschätzung erhielt die MRZ bei der Schulaufsichtsbehörde ADD in Trier. Die beschriebenen Fälle erfüllten auch nicht die Vorgaben für erlaubtes Sponsoring.

    Wie durch MRZ-Recherchen bekannt wurde, trat in Klassen der Maler-Becker-Grundschule in Gonsenheim im Februar ein Handelsvertreter für Buchstützen auf. Er pries ein Produkt namens "KIHIL 2000" an und ermunterte die Kinder, am nächsten Tag 5,50 Euro mitzubringen - was mehrere Kinder auch taten. Ein angekündigter dritter Besuch an der Schule fand nach der MRZ-Veröffentlichung nicht mehr statt. Hintergrund dürfte ein Gespräch zwischen Schulaufsicht und Schulleitung gewesen sein.

    Kein Einzelfall

    Weitere Eltern berichteten daraufhin, dass offenbar derselbe Mann in früheren Schuljahren an mindestens zwei weiteren Mainzer Grundschulen aktiv war. Die CDU-Fraktion im Stadtrat bereitet eine Anfrage zu Marketing-Aktivitäten an Schulen vor.

    Helmut Kraus, Referatsleiter für Schulrecht in der ADD, ruft dazu Grundsätzliches in Erinnerung: Laut Schulgesetz, Paragraf 1, hat die Schule den Auftrag, junge Menschen zu bilden und zu erziehen. Schulleiter sollten sich immer die Frage stellen, ob Firmen-Aktivitäten diesem Ziel dienen.

    Wenn zum Beispiel ein Verlag Büchergutscheine verteilt, für deren Einlösung die Eltern ihre Adresse preisgeben müssen, dürfe das nicht über die Schule passieren, stellt Kraus klar. Natürlich könne ein Verlag diese Zielgruppe bewerben, aber: "Woher er die Namen erhält, ist seine Sache." Die Schule dürfe keine Listen herausgeben. Eltern berichteten der MRZ, dass sie nach dem Einlösen von Buchgutscheinen plötzlich Postwerbung für weitere Bücher erhielten.

    Ein Schulleiter müsse sich darüber im Klaren sein, dass seine Entscheidung ihn später in Zugzwang bringen könnte: Was mache ich, wenn der nächste und der übernächste Verlag kommt? "Als Schulleiter würde ich sagen: Tut mir leid, das gehört nicht zu meinen Aufgaben", empfiehlt Kraus.

    Das Verschenken von Frühstücksdosen, gefüllt zum Beispiel von einer Brezelbäckerei oder einer Biolebensmittelkette, stößt bei Kraus auf Skepsis. Als erlaubtes Sponsoring gelten Unternehmensaktivitäten nur dann, wenn sie nicht einzelnen Kindern zu Gute kommen, sondern der ganzen Schule - zum Beispiel, wenn Unternehmen Materialienkoffer für bestimmte Themen zur Verfügung stellen.

    Fragwürdige Fotoaktion

    Häufig machen Fotografen Klassenfotos von Schulanfängern, die sie den Eltern anbieten. Auch wenn der Kauf natürlich freiwillig ist, sei die Aktion nur unter zwei Bedingungen zulässig: Die Eltern müssen im Vorhinein ihr Einverständnis erklären. Dafür könne die Schule den Kindern Informationszettel zum Unterschreiben mitgeben. Und: Der Fotograf darf sich nicht mit Geldspenden bei der Schulleitung "bedanken", auch dann nicht, wenn das Geld für die Schule verwendet wird.

    Lediglich bei den ADAC-Warnwesten für Schulanfängern müsse eine Schulleitung "nicht kleinlich" sein, meint Kraus. Die Westen dienten ja der Sicherheit der Kleinen auf dem Schulweg. "Aber das wäre eine Ausnahme und auch nur mit Zustimmung der Eltern." Claudia Renner

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