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    MainzPolitologe: Deutsche sind nicht politikverdrossen

    Die Wahlbeteiligung sinkt, Politiker sind unbeliebt und Parteien suchen Mitglieder: Herrscht in Deutschland Politikverdrossenheit? Ein Mainzer Politologe glaubt nicht an die Mär vom lustlosen Wähler.

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    Foto: dpa Symbolbild

    Mainz - Null Bock auf Politik? Nach Ansicht von Experten stimmt das nicht. In Deutschland herrsche keine Politikverdrossenheit, sagt Professor Kai Arzheimer von der Universität Mainz.

    "Manche Leute sind zwar unzufrieden mit einer Partei, einer Person, politischen Inhalten oder sogar mit einer Koalition", erklärt der Politologe. "Aber dass die Politik insgesamt abgelehnt wird, dafür gibt es eigentlich keinerlei Hinweise." Die meisten Deutschen hätten seit Jahren großes Vertrauen in die Demokratie und das Grundgesetz. "Was sie stört, ist die politische Praxis."

    Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften zeige alle zwei Jahre: "Die Zufriedenheit ist noch immer sehr hoch. Sehr viel höher als in Frankreich, Italien oder Griechenland." Die viel beschworene Politikverdrossenheit "ist eine bequeme Erklärung", sagt Arzheimer. "Und vor allen Dingen gibt es den Trend bei den Medien, über Negatives eher zu berichten." Immer wieder werde über eine große Krise gesprochen, "die es so eigentlich nicht gibt".

    Herrscht also eher Politiker-Verdrossenheit? Politiker haben hierzulande ein miserables Image. Unter 17 Berufen rangieren sie auf dem vorletzten Platz, wie eine Allensbach-Untersuchung aus dem Jahr 2008 zeigt. Auf der Straße heißt es, Politiker seien "korrupt", "bürgerfern", "egoistisch". "Für mich haben alle Politiker Dreck am Stecken", schimpft eine Obstverkäuferin in Mainz. "Das ist alles reiner Opportunismus", fügt ein Taxifahrer mit Studienabschluss hinzu. "Kurz vor Wahlen werden dann immer so bürgerfreundliche Sachen aus dem Hut gezogen." Und eine Sozialarbeiterin fordert: "Der ganze Lobbyismus müsste aufhören".

    Oft kratzen Skandale das Bild von Politikern an. In Rheinland-Pfalz heißen sie Nürburgring, Schlosshotel und Finanzaffäre. Solche Skandale schadeten "erstaunlicherweise weniger der Politik insgesamt", sagt Arzheimer. "Das schadet dann meistens eher dem Politiker selbst und vermutlich seiner Partei." Unzufriedenheit hänge auch oft von der wirtschaftlichen Lage eines Landes ab und folge außerdem einem einfachen Muster: "Es sind eigentlich immer diejenigen, deren Partei in der Opposition ist, unzufrieden.

    Auch wenn es dem Forscher zufolge keine Demokratiekrise gibt - zu Landtagswahlen gehen immer weniger Menschen. Die Beteiligung sank in Rheinland-Pfalz von 73,9 Prozent im Jahr 1991 auf 58,2 Prozent bei der Wahl 2006. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Auch Parteien beklagen zuweilen, ihnen fehlten Mitglieder. Und in der Kommunalpolitik wird Nachwuchs oft händeringend gesucht.

    Der vermeintlichen Verdrossenheit sagen Politiker gerne den Kampf an. Seit den 1980er Jahren versuchten die Parteien, wieder mehr Leute anzusprechen, berichtet Arzheimer. "Um auch für junge Menschen attraktiver zu werden, um sich zu öffnen. Um den Eindruck von Parteien-Mief loszuwerden." Sie ließen öfter die Parteibasis abstimmen, ermöglichten Schnupper-Mitgliedschaften oder organisierten Disco-Events. "Teilweise sogar am Rande zur Peinlichkeit. Wo dann der Parteivorsitzende gegen elf Uhr auf die Tanzfläche stürmt und dokumentieren soll, wie locker und jugendlich er ist", sagt der Forscher. "Aber einen großen Effekt hat das bislang nicht gehabt."  Julia Kilian

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